30.03.2020 - 16:52 Uhr
EschenbachOberpfalz

Evangelische Pfarrerin Anne Utz: Mit der Lizenz zur Seelsorge

Diesen Artikel lesen Sie mit
Was ist OnetzPlus?

09645/210-007 ist die Nummer, die Bürger wählen können, wenn die Sorgen zu groß werden. Am Ende der Leitung hebt aber nicht James Bond ab, sondern Anne Utz. Die evangelische Pfarrerin aus Eschenbach hat die Lizenz zur Seelsorge.

Das Coronavirus bringt viele Ängste und Sorgen mit sich. Wer jemanden zum Reden braucht, der kann sich auch an Pfarrer wenden. Anne Utz aus Eschenbach ermuntert deshalb dazu, ihre Telefonseelsorge zu nutzen.
von Anne Wiesnet Kontakt Profil

Viele Menschen durchleben gerade eine schwierige Zeit: Das Coronavirus hat Pläne durchkreuzt, bringt Krankheit, Sorgen und Ängste mit sich. Da ist es gut, wenn es jemanden gibt, mit dem man reden kann. Pfarrerin Anne Utz, die derzeit die evangelischen Kirchengemeinden Eschenbach und Kirchenthumbach sowie Grafenwöhr und Pressath betreut, möchte den Menschen helfen - ihnen zuhören, ihnen Mut machen. In verschiedenen Facebook-Gruppen hat sie deshalb ihre Telefonnummer, die 09645/210-007, hinterlassen. Ein Angebot zur Telefonseelsorge.

"Das, was ich gestartet habe, ist eigentlich gar nichts Neues, ich bin als Pfarrerin ja eh als Seelsorgerin erreichbar, aber ich wollte nun nochmal ermutigen, das Angebot zu nutzen", erzählt Utz am Telefon. Sie sei überrascht gewesen, wie oft der Post geteilt wurde. Anrufe wegen der Coronakrise habe es bei ihr bislang aber noch nicht gegeben. "Ich glaube, es ist für die Leute erst einmal gut zu wissen, dass es etwas gibt. Das beruhigt schon", sagt sie. Auch eine gewisse Hemmschwelle sei sicherlich ein Grund, warum sich noch niemand gemeldet habe. Wer aber zum Hörer greift, dem will Utz eine Stütze sein.

"Es ist einfach das Dasein. Mitzufühlen", beschreibt sie die Seelsorge. Dabei dürften alle Gefühle gezeigt werden. Utz wolle auch versuchen, zusammen mit dem Anrufer nach Ressourcen zu schauen, die es möglich machen, trotz der Coronakrise wieder glücklicher zu werden. "Was ich so mitbekomme, ist oft die Frage nach wirtschaftlicher Sicherheit. Da herrscht ganz große Unsicherheit. Ich habe aber auch das Gefühl, dass den meisten die persönliche Begegnung fehlt. Die elektrische Kommunikation ersetzt keine persönlichen Gespräche", sagt sie. Die Pfarrerin selbst habe sich schon dabei ertappt, dass sie dringend zum Bäcker wollte, nur "um mal ein anderes Gesicht zu sehen". Die Nähe zu anderen Menschen gehe durch die Coronakrise und die Aufforderung zum Abstandhalten verloren, meint sie.

"Diese kleinen Berührungen im Alltag, die Nähe ausdrücken - wie der Händedruck -, die fallen einfach weg. Oder man begegnet jemandem beim Laufen, und der geht zwei Meter zur Seite. Obwohl wir Abstand halten sollen, deuten wir das vielleicht als Abweisung. So etwas kann ein Gefühl der Einsamkeit erzeugen." Emotional gesehen sei die Isolation eine "unheimliche Belastung und Herausforderung. Aus Pandemie-Sicht aber richtig", betont Utz. Doch während die Abschottung von anderen Menschen auf den ersten Blick zunimmt, wächst auf den zweiten Blick in anderer Form Zuwendung: "Es ist eine Situation, wo auch das Beste der Menschheit herauskommt. Diese Bereitschaft habe ich selten erlebt."

Wen kleine und große Sorgen plagen, dem hört Pfarrerin Anne Utz gerne zu.
Über Sorgen reden:

Die evangelische Pfarrerin Anne Utz bietet eine kostenlose Telefonseelsorge, unabhängig von Religion und Weltanschauung, an. Kontakt kann entweder bei Utz unter Telefon 09645/210-007 aufgenommen werden, oder aber auch bei der Telefonseelsorge, die rund um die Uhr da ist: 0800/111 0 111 oder 0800/111 0 222 oder 116 123. (spi)

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.