Beim Betreten der Eschenbacher Zweigstelle des Fortbildungszentrums der Bayerischen Wirtschaft (bfz) duftet es nach Kuchen. In der Backröhre ist ein Kastenkuchen. Die Leckerei ist ein gemeinsames Produkt der Seminarklasse, die sich im ehemaligen Schwesternheim in der Jahnstraße ein Jahr lang auf Theorie und Praxis im Beruf vorbereitet.
Seit zwei Jahren bildet das bfz mit Erfolg junge Menschen mit Unterstützungsbedarf aus und eröffnet ihnen so zukunftsweisende Berufsperspektiven. Schulpflicht erfüllt, aber keine Ausbildungsstelle gefunden. „Das kommt öfter vor, als man glaubt“, sagt Seminarleiter Werner Preißer. In seiner Obhut stehen 29 junge Leute, die im aktuellen Schuljahr das Angebot für eine berufsvorbereitende Ausbildungsmaßnahme nutzen. Das Projekt wird unterstützt von der Bundesagentur für Arbeit. Für Maria Kraus ist die Einrichtung ein großer Schatz. Die Berufsberaterin und als Schnittstelle zwischen Arbeitsagentur und bfz eingesetzt, lobt den Bildungsträger über den grünen Klee. „Das Projekt holt die jungen Leute aus ihrer Perspektivlosigkeit heraus und zaubert immer wieder neue Ideen und Ansätze aus dem Hut.“
„Der Nachwuchs ist jedenfalls bei uns in guten Händen“, bestätigt Seminarleiter Preißer selbstbewusst. Der Schulleiter sieht nach zehn Monaten praxisbezogenen Unterricht für „seine“ Klasse gute Chancen auf dem boomenden Arbeitsmarkt. Der Unterricht besteht aus Theorie und Praxis. Die Stärke der Bildungsmaßnahme sei die gleichberechtigte Mischung aus betrieblichem Charakter und sozialpädagogischer Unterstützung, erläutert der Seminarleiter. Ein wesentlicher Schulungsteil sei allerdings das Ziel, jungen Menschen neue Berufe schmackhaft zu machen und bei Firmen Praktika zu vermitteln. Allerdings sei diese Förderung nicht nur ein Akt ökonomischer Vernunft, sondern auch eine soziale und gesellschaftspolitische Aufgabe.
Ein Großteil der Schüler bereitet sich derzeit in Praktika auf die Zeit nach der Schule vor. Aktuell schnuppern 19 Burschen und Mädchen Praxisluft, bemerkte der Preißer. „Als Partner der Wirtschaft können wir zum Ende des Jahresseminars für jeden unserer Kursteilnehmer den beruflichen Einstieg oder Wiedereinstieg vermitteln“, erklärte Preißer voller Zuversicht und beschwor die Teamarbeit als Schlüssel zum Erfolgserlebnis. Dadurch entstehe Gemeinschaft und Selbstwertgefühl.
„Vom Chaotenhaufen zur disziplinierten Klasse mit Gruppenverantwortung“, definierten der Schulleiter und Klassenlehrerin Anna Weitensteiner die Entwicklung, die das Hineinschnuppern in viele Berufe umfasst. Logistiker, Heilerzieher, Mechatroniker, Oberflächenbeschichter, Elektroniker, Alten- , Kinderpfleger und Erzieher – die Palette der realistischen Ausbildungschancen ist lang, die Preißer aufzählte. Auch das Nachholen von Schulabschlüssen gehört zum Maßnahmenpaket. Als Beispiele nannte Carola Bergler, die Koordinatorin dieser Bildungsoffensive, Mittelschul- und Quali-Abschlüsse. Für eine junge Dame sei sogar der Weg zur Fachlehrerin geebnet worden.
„Wegweiser“ heißt deshalb auch das Bildungsprojekt, dass junge Leute mit dem Bau einer Seifenkiste demonstrieren. Aus Altmaterial zusammengebastelt möchte das Team an einem Seifenkisten-Rennen in Weiden teilnehmen. Musikalisch unterstützt werden die Schüler durch ein Musik-Video einschließlich Drehbuch, das ebenfalls zur Seminararbeit gehörte. Das Rap-Video des Sängers „Nico“, ebenfalls mit dem Titel „Wegweiser“, wird demnächst auch auf YouTube zu sehen sein. Rückblickend auf die einjährige Berufsvorbereitung spricht Preißer von einer „Super-Leistung“ der jungen Leute. Auch für das kommende Schuljahr stehe das Bildungsangebot. „Jeder darf kommen, Ausgrenzung ist verboten und kein Jugendlicher geht verloren“, versprach der Seminarleiter. Ach ja: Der noch warme Marmorkuchen schmeckte vorzüglich.





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