03.04.2020 - 11:46 Uhr
EschenbachOberpfalz

Gemeinsam plaudern, gemeinsam werkeln

Außergewöhnliche Zeiten erfordern außergewöhnliche Maßnahmen. Die aktuelle Ausstellung im Museum "Beim Taubnschuster" mit dem Thema "Nach der Arbeit – Die Freizeit unserer Großeltern" kann wegen der Coronakrise nicht besucht werden.

Federnschleißen beim "Taubnschuster".
von hevProfil

Im Internet unter www.heimatverein-eschenbach.de ist es allerdings möglich, einen virtuellen Rundgang durch die Sonderschau zu unternehmen.

Für unsere Großeltern gab es früher keinen Acht-Stunden-Tag und keine Fünf-Tage-Woche. Die knapp bemessene Freizeit versuchte deshalb jeder intensiv zu nutzen, sei es in der Familie, mit Freunden oder mit Nachbarn.

Die Kommunikationsmöglichkeiten der Menschen heute sind beinahe unbegrenzt. Man muss seinem Gesprächspartner gar nicht mehr von Angesicht zu Angesicht gegenüberstehen, um sich mit ihm zu unterhalten und ihn dabei anzusehen. Zukunftsvisionen, die man vor einigen Jahrzehnten noch für Spinnereien gehalten hat, sind wahr geworden.

Ganz anders war das bei unseren Groß- oder Urgroßeltern. Sie mussten sich wirklich treffen, wenn sie sich etwas erzählen oder Neuigkeiten erfahren wollten. Im Sommer geschah dies oft auf dem Bankerl vor dem Haus. Nachbarn setzten sich zusammen und plauderten über die Geschehnisse des Tages.

Nach dem Andreastag, dem 30. November, begann früher auf dem Land die Zeit der Hutzaabende oder Sitzweilen – in Oberbayern sagt man dazu "Hoagarten". Wenn die Stallarbeiten beendet waren, wurde zu Abend gegessen. In der Oberpfalz gab es dabei fast immer eine große Schüssel Kartoffelsuppe. Kaum war das Essen beendet, kamen schon die ersten Hutzagäste aus der Nachbarschaft. Sogleich begann ein buntes Treiben.

Die Ereignisse des Tages wurden besprochen, die Jugend vertrieb sich die Zeit mit Kartenspiel, Mensch-ärgere-dich-nicht und "Blinde Kuh". Der Vater saß oft an der Schnitzbank und fertigte Holzpantoffeln oder Heurechen. Manchmal band er auch Reisigbesen oder drehte Strohbänder für die nächste Getreideernte.

Die Frauen verbrachten den Abend mit Hosenflicken oder Stricken, gelegentlich auch mit Federnschleißen. Alle waren dabei immer bester Laune, so dass die Zeit wie im Fluge verging. Eine Großmutter aus der Nachbarschaft erzählte manchmal unheimliche Geistergeschichten aus früherer Zeit. Dabei überkam so manchem ein gruseliges Gefühl, so dass er sich nicht mehr vor die Haustüre traute.

Hutza-Abend beim Reithmann-Schmied in der Brunngasse. Dritter von links ist Baptist Lunz.
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