Es hat einen gewissen Reiz, in dezent beleuchteten Kellergewölben, in denen sich durch Wassertropfen sogar kleine Stalaktiten bilden, eine Gespenstergeschichte zu hören. Wenn jedoch der Bürgermeister den Ton angibt und lieb gewordenes „Schutzpersonal“ dabei ist, wird der Aufenthalt auch für die Kleinsten zum Erlebnis. Einen Blick in Eschenbachs Unterwelt ermöglichte zum Ende des Kindergartenjahres Bürgermeister Marcus Gradl den „Schuwidu“-Kindern der städtischen Kindertagesstätte. Wenn auch der Name „Schuwidu“ auf etwas Besonderes oder gar Geisterhaftes schließen lässt, gibt es für ihn doch eine einfache Erklärung: Die Kinder der Bienen- und Igelgruppe, die sich ab 8. September Abc-Schützen nennen, werden unter der Bezeichnung „Schulkindwirstdu“ geführt.
Mit einem gewissen Stolz gingen sie als Große des Kindergartens auf eine mehrstündige Nachtwanderung durch die Altstadt. Stationen wie Rathaus oder Backofen wirkten dabei anders als zu Tageszeiten. Zunehmend stieg die Spannung, als sich die "Bienen" und "Igel" über das Scheunenviertel dem Wohnbereich Wolfsbühl näherten. Vor einem Kellerzugang, den ein Lichtschimmer erkennbar machte, gab es nochmal einen kurzen Halt. Dann Einzeln, zum Teil mit kleinen Leuchten, drängten sie sich dann ins Innere und trafen dort auf den Bürgermeister. Er saß auf einer großen Kiste, die sofort das Interesse der Kinder weckte, war ihnen für diesen Abend doch ein Gang mit Suche nach einer Schatzkiste angekündigt worden.
Nach beruhigenden Worten des „Schutzpersonals“ begann Gradl mit theatralischen Einlagen mit der Geschichte vom kleinen Gespenst, das seit uralten Zeiten auf der Eschenbacher Burg Eulenstein haust und tagsüber in einer schweren, eisenbeschlagenen Truhe schläft. Die Kinder erfuhren, dass das harmlose kleine Nachtgespenst erst dann erwacht, wenn die Rathausuhr Mitternacht schlägt. Der Bürgermeister lüftete das Geheimnis vom Gespensterwunsch, Eschenbach auch einmal bei Tageslicht zu sehen. Als dieser Wunsch auf mysteriöse Weise in Erfüllung ging, erschreckte es als schwarze Gestalt an den verschiedensten Stellen der Stadt die Leute. Gradl schilderte verschiedene „Vorkommnisse“ und leitete über zum letzten Szenenspiel in seinem Amtszimmer.
Dort war das kleine Gespenst einmal mit letzter Kraft in eine Truhe geschlüpft, war eingeschlafen und schnarchte. Als Gradl es weckte und die Rückkehr zur Burg ermöglichte, füllte es zum Dank die Rathaustruhe mit der Vorgabe, sie erst dann zu öffnen, „wenn sich einmal ganz mutige Kinder in die unterirdischen Gänge von Eschenbach trauen“. Nach kurzer Pause ließ er die Nachricht folgen: „Heute ist es so weit.“ Als er den Deckel zur Kiste frei gab, setzte ein wahrer Sturm auf das Gespensterversteck ein. Besonders begehrt waren bunt leuchtende Gespensterbälle, die während des Rückwegs zum Kindergarten Markierungshilfe waren.













Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.
Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.