29.11.2019 - 12:18 Uhr
EschenbachOberpfalz

Gießende Waldbauern die Zukunft?

Borkenkäfer, Stürme und der aktuelle Holzmarkt: Die Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Eschenbach wartet in den Gebietsversammlungen 2019 mit einer großen Informationsbreite auf.

Forstamtsrat Mathias Rupp und FBG-Geschäftsführer Reinhard Wiesent informieren über die aktuelle Situation auf dem Holzmarkt und über Erfordernisse bei der Waldbewirtschaftung.
von Walther HermannProfil

Mit den Veranstaltungsorten Kirchenthumbach, Schlammersdorf und Pressath war die FBG den Waldbesitzern entgegengekommen. Sie empfahl sich mit Veranstaltungen der kurzen Wege. Die überschaubare Zahl der Teilnehmer schuf zudem die Möglichkeit zu regen Aussprachen.

„Der Schnittholzmarkt ist stark unter Druck, bei Papierholz besteht eine zögerliche Nachfrage und auch bei Sägenebenprodukten wie Hackschnitzel führt ein geringer Absatz zu einem Preiseinbruch.“ Mit dieser Schilderung der Marktlage eröffnete FBG-Geschäftsführer Reinhard Wiesent die Versammlung und begründete den Preisverfall mit großen Mengen an Käferholz in Nordbayern, den nördlich angrenzenden Bundesländern und auch in Tschechien. Regional ging er auf die Situation in Neuzirkendorf ein, wo nach einem Windwurf von 6500 Festmeter im Sommer nochmal die gleiche Menge an Käferholz zu vermarkten war.

Mit Blick auf die Situation im vierten Quartal rief er dazu auf, Holzeinschläge frühzeitig anzumelden, um die Abnahme mit Sägewerken zu vereinbaren. Eindringlich riet Wiesent den Waldbauern, in die Lieferungen kein schlechtes Holz einzumischen. Dies senke nur den Gesamtpreis. Mit Bildern vom Borkenkäferbefall verband er seinen Appell zu regelmäßigen Kontrollgängen in den Wäldern. Eingehend befasste sich Wiesent mit der Wiederaufforstung mit wurzelnackten Pflanzen und Topfpflanzen, stellte Vor- und Nachteile gegenüber und sah Zeiten kommen, „in denen Waldbauern ihre Pflanzen gießen müssen“.

Auf großes Interesse stieß sein Bildvortrag über die Waldbewirtschaftung in Finnland, wo Großheizwerke selbst größere Städte mit Fernwärme versorgen, Baumschulen jährlich 32 Millionen Nadelholzpflanzen ausliefern und Waldbestände nach 80 Jahren eine Kompletternte erfahren. Nach Aufrufen zu einem abfuhrgerechten Waldwegebau kündigte er für 2020 Waldbegehungen, Neuanpflanzungen mit neuen Baumarten und die 50-Jahr-Feier der FBG für den 13. März an.

Aus Sicht des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten beleuchtete Forstamtsrat Mathias Rupp das Waldgeschehen. Die erheblichen Wurfschäden des Sturms „Fabienne“ schrieb er insbesondere der geringen Wurzeltiefe der Fichte von nur 25 Zentimeter zu und rief dazu auf, die Förderung für Wiederaufforstung, einschließlich der Markierungsstäbe, zu nutzen. Auch die Nachbesserungsförderung nach Trockenschäden nannte er ein „gutes Programm“. Zur Baumartenwahl in Zeiten des Klimawandels lautete seine Vorgabe: „Die Mischung macht’s.“ Zu den „möglichst vielen Baumarten“ zählte er auch Flatterulme und Esskastanie. Gute Überlebensfähigkeit bescheinigte der Forstmann der Tanne mit ihrer intensiven Pfahlwurzel. „Das bayerische Standortinformationssystem bietet digitale Informationen über das aktuelle und zukünftige Anbaurisiko der einzelnen Baumarten auf unterschiedlichen Waldstandorten.“ Mit diesem Hinweis bot Rupp Entscheidungshilfen zu Aufforstungsmaßnahmen an.

Die Jungbestandspflege und das "Z-Baum-Konzept" waren für ihn ein weiteres wichtiges Thema. Er rief dazu auf, die Pflege frühzeitig zu beginnen und Bedränger herauszunehmen und bot dazu an, dass er sich die Bestände gerne mit ansehe. Aus Erfahrung kam Rupp noch auf eine andere Angelegenheit zu sprechen, die zu Problemen führen kann: die Grenzensicherung. Er rief dazu auf, die Grenzsteine zu sichern und das Wissen über die Waldgrenzen an die Kinder weiterzugeben.

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