23.04.2019 - 12:09 Uhr
EschenbachOberpfalz

Die "Grande Dame" der Missionshilfe

Die Leitfigur und gute Seele des Eschenbacher Missionsausschusses strebte gen Himmel: Im Alter von 93 Jahren verstarb Lidwina Wiedenhofer. Die gebürtige Neustädterin hat in Eschenbach Missions- und Kulturgeschichte geschrieben.

So kannten sie die Eschenbacher: Lidwina Wiedenhofer bei der Kräuterbuschenaktion zu Mariä Himmelfahrt 2004
von Walther HermannProfil

Als sie schwere Krankheiten wie Hepatitis und Krebs glücklich überstanden hatte, hatte sie ihrem Herrgott versprochen, dies in irgendeiner Weise zurückzugeben. „Sie bekam Liebe, Gesundheit und die Kraft des Herrn, um etwas zu bewegen“, beschreibt eine der engsten Mitarbeiterinnen den weiteren Lebensweg Wiedenhofers. Schwerpunkte ihrer segensreichen Initiativen waren Indien, Mosambik, Simbabwe und Sibirien.

Die Arbeit der "Grande Dame" der Eschenbacher Missionsinitiativen begann in wechselnden Räumen des „Missionszentrums Wiedenhofer“ am Kalvarienberg mit Basteln, Stricken und Häkeln, sowie der Herstellung von Wein und Likör. Bei lokalen Veranstaltungen war ihr Frauenkreis zudem stets mit Kaffee und Kuchen präsent.

Regelmäßige Unterstützung erfuhr zunächst die Lepra-Station Pattuvam des Ordens der „Dienerinnen der Armen“ in Indien. Zu den Hilfslieferungen zählten neben erheblichen Geldzuwendungen vor allem Nähmaschinen, Hörgeräte, Krücken und Brillen. Im Oktober 2004 feierte der Missionskreis mit Schwester Assumpta und vielen Gästen im Pfarrsaal "25 Jahre Leprahilfe Eschenbach".

Als Wiedenhofer ihre Schulfreundin Anni Gleißner traf, die als Schwester Maria Rosa seit 1958 in Mosambik tätig ist, verlegte sich die Hilfe zunehmend auf dieses südafrikanische Land und auf Simbabwe. Die Hochwasserkatastrophe, über die Schwester Rosa im April 2000 im Pfarrheim berichtete, steigerte die Spendenbereitschaft der Eschenbacher und vieler umliegender Pfarreien enorm. Sogar in Berlin erbrachte eine von Wiedenhofer initiierte Benefizaktion 15 000 Mark.

Im Juli 2000 fanden die Hilfsleistungen des Missionsausschusses sogar die Anerkennung und Unterstützung staatlicher Stellen. Das Auswärtige Amt und die Deutsche Botschaft in Maputo starteten flankierende Maßnahmen. Als „schicksalhaft im positiven Sinn“ wertete Wiedenhofer dabei den Dienst des Eschenbachers Christof Rauh an der Botschaft in Maputo. Als im Mai 2001 im Pfarrheim "20 Jahre Mosambik-Hilfe" gefeiert wurde, bezeichnete Bürgermeister Robert Dotzauer die bisherigen Hilfsleistungen aus Eschenbach im Wert von 1,5 Millionen Mark für Mosambik, Sambia, Simbabwe, Tansania, Indien, Kroatien und Albanien vor allem als „sensationellen Erfolg für Afrika“.

Als sich die Situation in Indien verbessert hatte, nahmen Geldtransfers, Pakete, Überseekisten und Seecontainer ihren Weg nur noch ins südliche Afrika. Das Material der Überseekisten bestand stets aus Spenden örtlicher und umliegender Firmen. Schreiben an größere Firmen führte zu erheblicher Unterstützung in Form von Lebensmitteln, Textilien und Kleingeräte.

Sogar der Bayerische Rundfunk warb für Wiedenhofer und ihren Missionskreis, der in Kleinarbeit Palmschmuck, Kräuterbuschen und Allerheiligengestecke fertigte und damit alljährlich mehrere tausend Euro erwirtschaftete. Sie waren ein Beitrag zum Kauf eines geländegängigen Fahrzeugs, zum Bau von Brunnen, Bewässerung und Hilfe zur Selbsthilfe. Und so ganz nebenbei gingen Arbeiten des Strickkreises an ein Altenheim im sibirischen Omsk. Auch die Station der Eschenbacher Schwester Gottharda Metzner in Sambia wurde beliefert.Vor vier Jahren musste Lidwina Wiedenhofer aus gesundheitlichen Gründen ihr Wirken einstellen.

Dieses wurde auch in Form von Ehrungen öffentlich anerkannt. Der „Hilfsbotschafterin des Kreises, die in aller Welt gegen Elend ankämpft, seit rund 30 Jahren die Mission unterstützt und Egoisten ins Abseits stellt“, verlieh Landrat Simon Wittmann im Januar 2009 den Sozialpreis des Landkreises Neustadt/WN. In Würdigung ihres „Lebens für die Mission“ zeichnete Bürgermeister Peter Lehr die Eschenbacher Bürgerin im Juli vergangenen Jahres mit der Ehrennadel in Gold der Stadt aus.

Lidwina Wiedenhofer, geborene Schreglmann, erblickte Ende Januar 1926 in Neustadt/WN das Licht der Welt und wuchs dort mit fünf Geschwistern auf. Nach dem Abitur in Weiden studierte sie Lehramt in Regensburg und begann nach der Eheschließung 1951 mit Georg Wiedenhofer ihre Unterrichtstätigkeit in Eschenbach. In der Pressather Straße und bald im Eigenheim am Kalvarienberg bereicherten die Söhne Bernhard und Winfried das Leben der jungen Familie.

Die Folgen tückischer Krankheiten führten bereits Mitte der 1960er Jahre zur Versetzung von Lidwina Wiedenhofer in den Ruhestand. Doch schon in dieser schweren Zeit zeigten sich ihr Kampfesgeist und ihr Optimismus. Als sie bei einem Kuraufenthalt ihre Nachbarinnen mit Bastelarbeiten ablenkte und beschäftigte, bescheinigte ihr der Kurarzt begeistert: „Sie hat der Himmel geschickt.“ Und bei einem Kuraufenthalt im Frühjahr 1955 in Bad Mergentheim maß sich das Ehepaar Wiedenhofer jeden Abend mit Sepp Herberger sowie den Nationalspielern Karl Mai, Max Morlock und Jupp Posipal im Mikado-Spiel.

Lidwina Wiedenhofer (Zweite von links) im Kreis ihrer engsten Mitarbeiterinnen bei einer ihrer letzten Kräuterbuschenaktionen
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