06.12.2019 - 08:44 Uhr
EschenbachOberpfalz

Hans Rupprecht aus Zubza zurück

Cultural Day, Reisernte, Wiedereröffnung „Children‘s Park Eschenbach“, landwirtschaftliche Erfolge und Zahnputzaktion sind für Hans Rupprecht Meilensteine seines Aufenthalts im Nagaland. Nun ist er zurück – und hat viel zu berichten.

Das Willkommensfest für eine Abordnung aus Weisendorf für Entwicklungshelfer Hans Rupprecht (rechts oben), die Kinder verschiedener Stämme sowie für die Weisendorfer Ehrengäste zu einem "Cultural Day".
von Walther HermannProfil

Zum vierten Mal hatte es in diesem Sommer den Eschenbacher Entwicklungshelfer Hans Rupprecht in die Ausläufer des Himalajas gezogen. Im August hatte sich einem Lauffeuer gleich seine Wiederkehr herumgesprochen: „Sir Hans is back again!“ Nach zwei Zwischenberichten lässt er nun die letzten Wochen im Dorf Zubza Revue passieren. Er berichtet von erheblichen Nachwirkungen des Monsunregens, der Erdrutsche brachte, Brücken beschädigte und große Umwege erforderlich machte. „Für Strecken, die man zuvor in zwei Stunden zurücklegte, benötigten wir fünf bis sechs Stunden.“

Bei nicht „optimalem Wetter“ gestaltete er den in die Jahre gekommenen Altarraum der Hauskapelle der „Don-Bosco-Schule“ ein wenig um und gab ihm einen neuen Anstrich. Zur Willkommensfeier für eine Abordnung aus Weisendorf bei Erlangen, dort startete vor mehr als zehn Jahren das ökumenische Projekt „Hand in Hand fürs Nagaland“, übten die Schulkinder über mehrere Wochen Tänze und Gesänge. Zum Festtag kam gar eine Abordnung vom nahe gelegenen Militärcamp. Für den Schutz der Kinder hatten die Soldaten vorher bereits Zelte aufgebaut. Rupprecht erinnert sich: „Alle Kinder waren in der traditionellen, farbenprächtigen Stammestracht erschienen. Eine unbeschreibliche Farbenpracht, die den Kopfjägern alle Ehre macht.“ (Anm.: Vor zirka 50 Jahren gingen die Nagas noch der Kopfjagd nach.)

In den Reisfeldern setzte die Erntezeit ein. Dazu berichtet Hans: „Relativ flott waren die einzelnen Parzellen trockengelegt und die Reispflanzen dorrten schnell ab. Egal ob Internatskinder, Küchenmädchen oder Patres, alle waren sie jede freie Minute in den Feldern anzutreffen, um die Ähren mit einer Art Sichel abzuschneiden und zu Büscheln zu binden. Nach einigen Tagen wurden diese Büschel dann in den Parzellen auf Planen und Steinen ausgeschlagen. Nach weiteren Tagen des Trocknens wurde das Spreu vom Reis getrennt und dieser in riesigen Körben in die Unterstände gebracht.“

„Im landwirtschaftlichen Bereich konnte ich wieder viel erreichen, weitergeben und auch einige neue Sachen ausprobieren und pflanzen“, versichert der Nahrungsexperte und dankt einer Eschenbacher Gärtnerei für die Vielzahl an gespendetem Saatgut. Sollte sich bei „verschiedenen Dingen“ ein Erfolg einstellen, denkt Hans an die Anlage von Plantagen, um Arbeiter in Lohn zu bringen.

Sechs Tage vor seinem Heimflug kam dann endlich das langersehnte Kinderkarussell in Zubza an, das nach eigenen Plänen in der Don-Bosco-Werkstatt im tiefer gelegenen Dimapur gefertigt worden war. Einige Tage vorher hatte Ruppecht bereits Gruben für das Fundament ausgehoben, das bei den Schülern zu großem und spekulativem Raten führte. Vor dem Einbetonieren waren an dem neuen Spielgerät allerdings noch Nachbesserungsarbeiten erforderlich. Auch der frische Farbanstrich verhinderte eine baldige Nutzung. Pater John erhielt daher den Torschlüssel und der Schülersprecher hatte bis zum Tag der Wiederöffnung des „Children’s Park Eschenbach“ eine Strichliste zu führen. Dank sagt Rupprecht der Spenderin des Karussells, die ihr Geburtstagsgeld dafür zur Verfügung stellte, aber nicht genannt werden will. Er berichtet auch von Spielgeräten, die wegen der extremen Nutzung geschweißt werden mussten und einen neuen Farbanstrich erhielten.

Als nicht zu unterschätzenden Meilenstein nennt er die Zahnputzaktion. Er kennt die Nagas als von Haus aus sehr reinlich, auch was die Mundhygiene betrifft. Eine Vielzahl der Kinder besitzt aus Kostengründen jedoch keine Zahnbürste und verwendet faserige Hölzer. „Als ich für die untersten Klassen altersgerechte Zahnbürsten aus Deutschland ausgab, waren die Kinder total aus dem Häuschen“, berichtete Rupprecht. Erneut konnte er bedürftigen Kindern durch Schulgeldpatenschaften seiner Eschenbacher Unterstützer einen Platz in der Schule der Salesianer sichern. Für die bisherigen Pateneltern hatte er Dankesbriefe, teilweise mit kleinen Präsenten, mitgebracht. Den Spendern der zahlreichen Messstipendien lassen die Patres ein „herzliches Vergelt‘s Gott“ ausrichten. Die letzten Tagen vor seinem Rückflug begleiteten ihn mit Dankesworten wie „Thank you, Sir“ und „When you’re back?“.

Zubza steht für die nächsten Tage ein weiterer Höhepunkt bevor. Die Ortskirche „Maria Goretti“ feiert 50-jähriges Bestehen. Sie wird erstmals eine Glocke erhalten. „Die Arbeit in Zubza geht weiter“, versichert Rupprecht und denkt hier vor allem an den Ausbau der äußerst dürftigen Außenschule in Peducha, für die durch eine großherzige Spende der Firma Lippert bereits eine Teilfinanzierung gesichert ist.

Die Kinder der 1. Klasse mit Schwester Promotti und Miss Katschini bedanken sich bei der Spenderin des Karussells aus dem Eschenbacher Umland
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