11.11.2018 - 15:29 Uhr
EschenbachOberpfalz

Harald Grill liest zum Abschluss der Eschenbacher Mundarttage

Seine Geschichten und Gedichte sind Wegmarkierungen. Poesie, die dem Alltag Glanz gibt.

Harald Grill: "Mir ist es wichtig, dass die konkrete, anschauliche Ebene des Dialekts nicht in die Enge führt."
von Walther HermannProfil

In seinen Werken thematisiert er die Unterdrückung des bairischen Dialekts. Mit Harald Grill stellte sich beim Heimatverein ein bairisch-europäischer Regionalist vor, der neben der Aufmerksamkeit für seine Heimat auch den Blick für den Gesamtzusammenhang nicht verliert. Zu den zahlreichen Auszeichnungen des PEN-Mitglieds gehören der Friedrich-Baur-Preis der Bayerischen Akademie der schönen Künste (1992), der Kulturpreis des Bezirks Oberpfalz (2006) und der Nordgaupreis des Oberpfälzer Kulturbundes (2012).

Vor einem "vollen Haus" kündigte der Vorsitzende des Heimatvereins, Karlheinz Keck, geradezu den Höhepunkt der Eschenbacher Mundarttage mit "toller Musik" an. Weil sich Grill sichtlich wohl im "Eschenbacher Literatur-Café" fühlte, stellte er die spontane Frage, ob sein Auditorium Schlafsäcke dabei habe, "weil's vielleicht bis vier Uhr dauert". Es blieb dann aber doch bei etwa 150 Minuten.

Die Beschreibung seines Wegs zum Dialekt verband Grill mit einem variantenreichen Blick auf die Familiengeschichte. Die evangelische Familie seiner Frau stammt aus Breslau, wo "anständig" gesprochen wurde, sein Vater war ein schwer kriegsversehrter niederbayerischer Bauernsohn, der als Telefonvermittler bei der Post Probleme wegen seines "hoglbouchan" Dialekts hatte.

Seine Mutter versuchte ihm daher einigermaßen Hochdeutsch beizubringen. Das Ergebnis war, dass er dann Zeit seines Lebens "eine Art baierisches Schlesisch" sprach. Grill gab einen Einblick in seine "verordnete hochdeutsche Kinderzeit", die erst endete, als er seine nur bairisch sprechende Frau kennenlernte: "Was eine Befreiung!"

Die erwähnte Befreiung trug dem 1951 bei Hengersberg geborenen freiberuflichen Schriftsteller und Mitarbeiter beim Bayerischen Rundfunk Mitte der 1970er Jahre Früchte, als er von einem Wettbewerb des Bayerischen Rundfunks unter dem Motto "In der Sprache barfuß gehen" sein erstes Dialektgedicht schrieb.

Grill bekannte, dass die Texte seiner ersten Gedichte nur in Kurzform "relativ naiv" waren, "nur so hingeschleudert, nicht gereimt". Mit vielen Beispielen machte Grill deutlich, dass wir mit dem Dialekt eine Sprache haben, die auf konkrete Wahrnehmungen baut.

Grill bezeichnete Gedichte als ein Medium, in dem Dinge und Zusammenhänge miteinander verbunden werden, die auf den ersten Blick nicht zusammengehören. Der Kontrast, der dabei entsteht, spanne ein Denkfeld auf, das den Leser ermutigt und fast zwingt, Augen und Ohren weit aufzusperren und die Welt neu wahrzunehmen. Hintergrund

Mit dem "Stodldouadierl" setzte die Stodtbergsaitn einen musikalischen Schlusspunkt.
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