05.12.2019 - 11:43 Uhr
EschenbachOberpfalz

Heimatforscher und Jagdhornbläser feiert 85. Geburtstag

1966 suchte er in Eschenbach beinahe vergebens ein Gymnasium. In dieser Woche feierte Studiendirektor i.R. Albert Furtner, ein Urgestein der Heimatforschung, seinen 85. Geburtstag.

Rege Gespräche führt Jubilar Albert Furtner (Zweiter von links) mit Pfarrer Thomas Jeschner, Bürgermeister Peter Lehr und Karlheinz Keck, den Vorsitzenden des Heimatvereins.
von Walther HermannProfil

Als der junge Oberbayer im September 1966 sein Referendariat in Eschenbach antreten sollte, glich ihm die nördliche Oberpfalz einer „Terra ingognita“. Bei der Anfahrt fielen ihm als Erstes die verwucherten Gärten neben der B 470 auf. Auf Nachfragen zum Gymnasium erhielt er nur negative Antworten: „Haben wir nicht.“ Mit der Absicht, am nächsten Tag nach Windischeschenbach weiterzufahren, nahm er sich im Gasthaus "Zur Krone“ ein Zimmer und versuchte beim Abendessen ein Gespräch mit drei Gästen: Johann Ott, Friseur Schreml und einem Herrn Löw (einarmig). Heute erinnert er sich daran: „Fast kein Wort verstanden.“ Bei einem weiteren Nachfragen am nächsten Morgen erhielt er schließlich die Auskunft: „Gleich hinter der Bergkirche haben wir eine Oberrealschule.“ Seine erste Ansprechpartnerin war dort Gertraud Oberndorfer (verehel. Wiesner). Noch im gleichen Jahr nahm ihn Fred Schuhmann zu einer Versammlung des Heimatvereins mit in die Gaststätte Ackermann. „An diesem Abend wurde ich als Nichtmitglied zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt“, erzählte er der Gratulationsrunde bei einem Glas Sekt. Von 1975 bis 1982 wirkte er als Vorsitzender und danach als Ausschussmitglied. Seit 1992 ist er Ehrenbeirat.

Seit Jahrzehnten ist der Jubilar auf der Suche nach Dokumenten und Niederschriften, die Zeugnis geben vom einstigen Leben und Geschehen in Eschenbach. Seine Forschungsergebnisse mündeten in zahlreiche Beiträge für die jährliche Publikation „Heimat Eschenbach“ und für Mitgliederversammlungen des Heimatvereins. Im Jahr 2009 setzte sich Furtner mit der Herausgabe der 540-seitigen Eschenbacher Familien- und Häusergeschichte ein bleibendes Denkmal. 15 Jahre lang war er dafür Dauergast in verschiedenen Archiven der Oberpfalz. Mit wissenschaftlicher Genauigkeit hat er die Geschichte von annähernd 200 Häusern in der Innenstadt im Zeitraum von zirka 1650 bis 1950 erforscht und aufgezeichnet.

Sehr aktiv ist der Jubilar auch bei der Kreisgruppe Eschenbach im Bayerischen Jagdverband (BJV). Nach langjähriger Pause baute er die Jagdhornbläser wieder auf und führte sie als Leiter 35 Jahre lang zu großen Erfolgen. Dafür erhielt er vom BJV das Ehrenzeichen „Jagdliches Brauchtum“ verliehen. Beim Landeswettbewerb 2004 wurde er mit dem goldenen Bläserabzeichen in der Wertungsklasse ES (Umschalthörner B/Es) ausgezeichnet. Auch auf Landkreisebene fand Albert Furtners Wirken Achtung und Anerkennung: Vor sieben Jahren verlieh ihm der damalige Landrat Simon Wittmann den Kulturpreis.

Während der Geburtstagsplauderei mit Bürgermeister Peter Lehr, Pfarrer Thomas Jeschner und Heimatvereinsvorsitzenden Karlheinz Keck kündigte der leidenschaftliche Heimatforscher weitere Publikationen an. „Fast fertig“ sind die Hausgeschichten von Tremmersdorf, Haselbrunn und Thomasreuth, die er mit Conny Götz seit mehreren Jahren erforscht.

Geboren wurde Albert Furtner 1934 in Tegernbach bei Pfaffenhofen an der Ilm. Dem Abitur in Dillingen folgte ein Lehramtsstudium mit anschließenden Verwendungen in Nürnberg, Neuburg/Donau und Ingolstadt. Verschiedene Gründe veranlassten ihn zu einem weiteren Studium an der TH München mit den Fächern Biologie, Chemie und Geografie für das höhere Lehramt. Von 1966 bis zu seiner Versetzung in den Ruhestand unterrichtete er am Gymnasium Eschenbach, heiratete 1968 Christa Winkler und schuf sich ein Eigenheim, in dem zwei Kinder aufwuchsen. Der umtriebige Opa freut sich über drei Enkelkinder. Die Ehefrau verstarb bereits vor elf Jahren.

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