09.10.2019 - 14:19 Uhr
EschenbachOberpfalz

Ein heimtückischer Schwan

„Ihr seid sehr aufmerksame Kinder gewesen.“ Dies bescheinigt Jürgen Piller den Erst- bis Fünftklässlern der Markus-Gottwalt-Schule, die er in zwei Unterrichtsstunden in die Geheimnisse der Glasbläserei einweist.

Die Experimentierschwäne bewirken Überraschung und Heiterkeit.
von Walther HermannProfil

Die Schulturnhalle wurde dabei zu einer Schauwerkstatt. Einen großen Tisch zierten unzählige Schmuck- und Dekorationsstücke aus Glas, auch in bunten Variationen. Sehr schnell zog jedoch Jürgen Piller aus Coburg die Schüler in seinen Bann. Geradezu mit Spannung verfolgten die Kinder das Erhitzen des Glasrohres unter ständigem Drehen und Zuführen von Farbe. Nach mehreren Arbeitsgängen präsentierte ihnen der Meister schließlich eine „echte mundgeblasene Rosenvase“.

Piller, der in Zwiesel Laborapparatemacher gelernt und familienbedingt mit dem Besuch der thüringischen Glasfachschule in Lauscha zur Kunstglasbläserei gewechselt hat, weihte die Schüler zunächst in die Fertigung von Glas ein und nannte ihnen die wichtigsten Grundstoffe dafür: Quarzsand, Soda, Pottasche und Kalk. Die Mädchen und Buben stauten, als sie erfuhren, dass daraus im Schmelzofen bei circa 1000 Grad Glas entsteht. Zur Frage, wie das Glas farbig wird, verwies Piller unter anderem auf Eisen, durch dessen Zugabe ein bräunlich-roter Farbton entstehe.

Als Glaslehrer wechselte er wiederholt die Unterrichtsinhalte und erreichte damit große Aufmerksamkeit. Nach der Vase entstand mit Hilfe einer sehr geräuschvollen Flamme und unter stetem Blasen, Drehen und Biegen ein kleiner Schwan. Eine Solar- oder Lichtmühle stellte Piller als kleinstes Kraftwerk vor, das saubere Energie liefere, und zeigte ein Pendel als weiteres Beispiel für die Erzeugung von Wärmeenergie. Rege Mitarbeit erzielte er beim Ergründen der Bewegungsvielfalt von Flaschenteufelchen.

Viele Interessenten meldeten sich für einen Blasversuch mit Schwänen. Piller führte vor, wie durch das Blasen Wasser aus dem Schnabel spritzt und holte sich Jonathan und Sebastian als Freiwillige. Er verschwieg ihnen jedoch, dass sich im Hals der Schwäne ein weiteres Loch befindet, das mit einem Finger abgedeckt werden kann. So erreichte beim Blasen nicht nur ein kleiner Wasserstrahl die vor ihnen sitzenden Schüler: Zur Erheiterung der Klassengemeinschaften traf ein Rückstrahl die Gesichter der Freiwilligen.

Jürgen Piller kam den Kaufwünschen der Schüler entgegen und bot am Nachmittag im Zuge einer Ausstellung den Erwerb von kleinen bunten Dekorationsstücken an. Auf seine Frage „Kinder, hat es Spaß gemacht?“ erschallte ein vielstimmiges und lautes „Ja“.

 

 

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