Die Kreuzkirche war am Nachmittag des Heiligen Abends das Ziel von Gläubigen beider Konfessionen. Den Gottesdienst gestaltete Lektorin Gabi Scherl gemeinsam mit Jugendlichen und Kindern. Angeführt von einem kleinen Engel zogen sie in das Gotteshaus ein und sangen dabei "Mache dich auf und werde Licht". Schließlich verkündeten sie: "Seht, die gute Zeit ist nah, Gott ist da, lasst uns singen und fröhlich sein."
Diesem Aufruf folgte die Gemeinde gerne. Anstatt einem Krippenspiel lauschten sie dem Gespräch von vier Kerzen. Drei von ihnen, sie hießen Frieden, Glaube und Liebe, zeigten sich enttäuscht über Gewohnheiten und Verhaltensweise der Menschen und wollten deshalb kein Licht und keine Wärme mehr spenden. Doch dank der vierten Kerze - sie nannte sich Hoffnung - begannen auch die anderen wieder zu leuchten. Nicht fehlen durften kirchengeschichtliche Schilderungen zur Volkszählung, Herbergssuche, Geburt im Stall und zu den Hirten. Ein Video versetzte die Gläubigen zurück in das einstige Geschehen im Heiligen Land.
Bei der etwas anderen Art des Krippenspiels entführten die Kinder ihre Zuhörer zu einer Familie, bei der an Heiligabend vor der Bescherung ein großer Mann mit Bart an der Tür läutete und um "etwas Essen oder ein bisschen Geld" bettelte. Während die nachdenkliche Tochter Amelie ein schlechtes Gewissen bekam, kramte der Papa eine Zwei-Euro-Münze aus der Tasche. Auf dem Weg zur Kirche sah Amelie den ärmlich gekleideten Mann an einer Straßenecke stehen und beobachtete, dass ihm niemand half oder auch nur schöne Weihnachten wünschte.
"Jesus ist doch gerade für die armen Menschen gekommen. Lasst uns ihnen Geschenke oder eine Freude bereiten, dann wird Weihnachten wirklich ein Fest der Liebe." Diese Predigtworte des Pfarrers setzte Amelie zu Hause schließlich in die Tat um. Sie rannte in die Küche und packte in eine Tüte alles rein, was die Familie doppelt hatte. Danach lief sie zum Kleiderschrank und verstaute in einer weiteren Tüte, was ihr oder ihrem Vater nicht mehr passte. Als sie nach dem Dank des Bettlers wieder zu Hause war, wurde ihr warm ums Herz vor Freude und glaubte, dass sie an diesem einzigen Tag mehr Weihnachten erlebt hatte als alle anderen.
Nach der Vorführung erklärte Scherl, dass Amelie "instinktiv das tat, wozu Jesus uns in seinem Gleichnis auffordert". Sie sah in dem Bettler all jene, denen wir im Alltag begegnen und die Hilfe und Nähe brauchen. Anderen mit Respekt und Freundlichkeit zu begegnen, koste nichts, "sondern wir bekommen auch etwas zurück, nämlich ein wunderbares Glücksgefühl".
Nach einem Dankgebet, verbunden mit dem Wunsch, dass der weihnachtliche Friede in den Alltag hineinreicht, erteilte sie den Segen. Während das Licht in der Kirche erlosch, verteilten die Mädchen Leuchtstäbe. Beim Abschlusslied "Stille Nacht" machte sich eine Stimmung breit, die mehrere der Gläubigen mit der verglichen, wie sie vor 200 Jahren wohl in Oberndorf bei Salzburg geherrscht haben müsse.















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