Die neue Coronawelle im Herbst kommt – da war sich der Bayerische Gesundheitsminister, Klaus Holetschek, bei seinem Besuch in Eschenbach am Freitagabend in der Freizeitanlage am Rußweiher sicher. Die Lehren aus der Pandemie zu ziehen sei für ihn ein wichtiges Momentum. Er beleuchtete, welche Vorbereitungen das Gesundheitswesen, Politik und Wissenschaft bereits getroffen haben.
Diese Ausführungen gefielen jedoch nicht allen: Begleitet wurden die Informationen von Pfiffen, Zwischenrufen und vom Gelächter der circa 20 mutmaßlichen Impfgegner, die den Gesundheitsminister bereits beim Eintreffen mit Protestrufen überschütteten. „Halt' mas aus, aber bitte mit mehr Respekt und Fairness“, so die gelassene Reaktion des Staatsministers.
Freiwillige Selbsttests in Schulen
Die Rufe wollten auch zu Beginn der Ministerrede nicht enden. Aus dem mit circa 100 Besuchern überfüllten Biergarten des Hotels Rußweiher kam die prompte Reaktion: „Wir sind gekommen, um dem Minister zuzuhören und nicht euer Gebrüll." Eine Aufforderung, die einige Störer wenig beeindruckte. Holetschek konnte die Geräuschkulisse allerdings nur wenig beeindrucken. Er führte Bayerns neue Corona-Kommunikationskampagne für Herbst und Winter aus. Eindringlich plädierte Holetschek für die Auffrischimpfungen und für die Aufrechterhaltung der Test-Infrastruktur. Mit Blick auf die Risikogruppen kündigte der Minister an: „Auf Kosten des Freistaates ermöglichen wir in den Alten- und Pflegeheimen ab Herbst freiwillige PCR-Testungen für Bewohner und Beschäftigte.“
Auch im Bildungsbereich setzt der Minister auf freiwillige Selbsttests. Anlasslose verpflichtende Tests werde es zum Schuljahresbeginn nicht geben, versicherte der Staatsminister. Stattdessen setze die Staatsregierung nach den Ferien auf freiwillige Testungen für Kinder und Personal, die jeder zuhause vornehmen könne. Die Beschaffung der Tests übernehme der Freistaat, die Verteilung erfolge über die Kreisverwaltungsbehörden.
"Pflegepersonal darf nicht ausbrennen"
Ein weiteres Schlaglicht warf Klaus Holetschek auf die Herausforderungen im Pflegebereich. Der Minister spannte einen Themenbogen von der stationären Krankenhausbehandlung bis zur Langzeitpflege in den Seniorenheimen, von der generalistischen Pflegeausbildung bis zum Personalmangel. Ein Themenkatalog mit riesigem Konfliktpotential und mit der Gefahr einer humanitären Katastrophe, wie der Fachminister besorgt feststellte.
Holetschek würdigte in diesem Zusammenhang die Zuwendung von Familienmitgliedern für pflegebedürftige Angehörige. Gleichzeitig warb er für eine verstärkte Unterstützung im Bereich der Kurzzeit- und Tagespflege und in der Hospiz-Versorgung. „Das Pflegepersonal brennt für seinen Beruf, aber es darf nicht ausbrennen.“ Feststellungen des Ministers, die auch in den Diskussionsbeiträgen Beachtung fanden. Besonders Mitarbeiterinnen des BRK-Seniorenheimes Eschenbach machten den Minister auf Defizite in der stationären Altenpflege aufmerksam.
Einladung nach München
Ein Fragebogen mittels Flipchart unterstrich die Sorgen und Anregungen des Pflegepersonals für Maßstäbe eines würdevollen Lebens im Alter. "Die Hand am Bett ist wichtiger als die Hand am Kugelschreiber“, hieß es dort. In diesem Sinne lautete eine weitere Kernforderung der Pflegekräfte, die ausufernde Dokumentation im Pflegebereich einzudämmen. Beeindruckt von den Argumenten der erfahrenen Fachkräfte lud der Minister zu einem Gespräch in das Ministerium nach München ein.
In vielen weiteren Wortmeldungen wurde die große Bandbreite der Gesundheitspolitik und ihrer Auswirkungen auf die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung deutlich. Facharztmangel mit langen Wartezeiten für Arzttermine, Klagen über stationäre Versorgungsmängel, Wünsche zu einer lebenslangen Nachsorge für Krebspatienten, Alarmsignale bei der finanziellen Unterversorgung der Krankenhäuser und bei den Einnahmedefiziten der Krankenkassen und mehr bestimmten den intensiven Meinungsaustausch, den Klaus Holetschek mit der Feststellung beendete: „Niemandem macht es Freude, Verbote auszusprechen. Jeder sehnt sich nach Normalität. Aber es gilt, die Menschen dort zu schützen, wo es die Verantwortung verlangt.“















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