14.11.2018 - 14:16 Uhr
EschenbachOberpfalz

Hunde und Halter an der kurzen Leine

Immer wieder treffen Spaziergänger in der Region auf freilaufende Hunde - mit oder ohne Herrchen an der Seite. Doch ist Gassigehen ohne Leine bei uns erlaubt? Das regelt die Anleinverordnung der Städte und Gemeinden.

Kurzhaardackel Emil rennt beim Dackeltreffen auf der Dackelranch Lichtenrade über den Platz. Ein Hund muss sich viel bewegen.
von Anne Spitaler Kontakt Profil

Mit dem Schäferhund kurz mal vor die Haustür auf die benachbarte Wiese oder mit dem Dackel zum Einkaufen. Dass Hundebesitzer ihre Vierbeiner auf öffentlichen Plätzen oder schon beim kurzen Spaziergang durch die Nachbarschaft an die Leine nehmen müssen, ist nicht überall so. Denn jede bayerische Gemeinde kann selbst entscheiden, ob sie eine Hundeanleinverordnung erlässt, oder nicht. Doch wo ist was erlaubt und was verboten?

Grafenwöhr, Pressath und Speinshart haben beispielsweise eine solche Anleinverordnung. Dort müssen Hunde, deren Schulterhöhe mindestens 50 Zentimeter beträgt, angeleint werden, sobald sie öffentliche Anlagen oder Wege betreten. Ausgenommen davon sind beispielsweise Polizei-, Blindenhunde und kleinere Hunde. Circa sechs Kilometer weiter südlich von Speinshart sieht es schon wieder anders aus: In Eschenbachbrauchen Hunde keine Leine, teilt ein Sprecher des Rathauses auf Anfrage mit. Eine solche Verordnung würde die Tiere zu sehr einschränken, sagt er. Trotzdem sind die Hundehalter aber verpflichtet, dafür zu sorgen, dass nichts passiert. "Beißen darf der Hund natürlich nicht", sagt der Sprecher. Auch Schwarzenbach hat keine Anleinverordnung, teilt Rudi Fuchs, Ordnungsamtsleiter der Verwaltungsgemeinschaft Pressath, mit. Vorfälle habe es dort noch keine gegeben. Die Stadt Pressath und die Gemeinde Trabitz haben dagegen schon eine solche Verordnung erlassen. Hier müssen Hunde mit einer Schulterhöhe ab 50 Zentimeter auf allen öffentlichen Wegen, Straßen und Plätzen im Gemeindegebiet an die Leine genommen werden. "Die Leine muss reißfest sein und darf eine Länge von drei Metern nicht überschreiten", heißt es da.

Öffentliche Sicherheit

Für Trabitz gilt noch ein Zusatz: Dort sind Hunde auch in einem Abstand von 100 Metern vom bebauten Gemeindegebiet an der Leine zu führen, weiß Fuchs. Warum die Verordnungen für Pressath und Trabitz eingeführt wurden, ist für den Ordnungsamtsleiter aus den damaligen Stadtratsbeschlüssen nicht mehr ersichtlich. "Vielleicht gab es den ein oder anderen Fall und dann hat man sich gedacht, es muss eine generelle Regelung her", mutmaßt er.

Für Grafenwöhr und seine Ortsteile Gmünd, Gößenreuth und Hüttengilt seit vielen Jahren ebenfalls eine Hundeanleinverordnung, informiert Geschäftsleiter Lorenz Kraus. 1797 eingeführt, wurde sie erst 2017 neu erlassen. Hundebesitzer müssen demnach auch hier große Hunde auf allen öffentlichen Plätzen und Straßen innerhalb des bebauten Stadtgebietes sowie auf allen Geh- und Radwegen anleinen. Dadurch solle vor allem die öffentliche Sicherheit gewährleistet sein. Die Verschmutzung landwirtschaftlicher Flächen durch Hundekot soll außerdem vermieden werden. "Wenn ein Hund frei läuft und verrichtet sein Geschäft auf einem Acker, dann schmiert sich das ins Gerät und ins Futter. Möglicherweise könnte das zu einem gesundheitlichen Problem für Kühe werden", meint Kraus. Ein weiterer Grund sei das Wohl der Waldtiere, denen freilaufende Hunde sonst hinterherjagen könnten. Probleme mit uneinsichtigen Hundebesitzern seien ihm derzeit aber nicht bekannt, berichtet Kraus.

Alle Hunde an die Leine

In Kirchenthumbach, Schlammersdorf und Vorbach gilt ebenfalls eine Hundeanleinverordnung. Während diese in den letzten beiden Orten nur große Hunde betrifft, müssen in Kirchenthumbach alle Hunde an die Leine. Wer sich nicht daran hält, dem kann sogar ein Bußgeld drohen. Läuft ein Hund nicht nur frei herum, sondern beißt auch noch zu, dann kann das sogar noch weitere Konsequenzen haben: "Wenn jemand einen Hund hat, und der verletzt jemanden, dann ist der Hundehalter in der Verantwortung", weiß Werner Stopfer, Dienststellenleiter der Polizeiinspektion Eschenbach.

Das könne sogar so weit gehen, dass sich der Hundehalter wegen Körperverletzung verantworten und für die Behandlungskosten aufkommen muss. Jeder Tierhalter sei daher in der Pflicht, einen Schaden zu verhindern: "Wenn jemand weiß, dass sein Hund schnell beißt, dann muss er dafür sorgen, dass das nicht passiert." Das könne auch bedeuten, dass er das Tier an die Leine nehmen müsse, auch wenn das in der Gemeinde keine Pflicht ist.

Hundehalter meldet sich bei der Polizei:

Erst am 23. Oktober sorgte ein freilaufender Hund in Eschenbach für Ärger: Ein Schäferhund, der offensichtlich ausgebüxt war, schnappte zu, als eine 18-jährige Passantin nachschauen wollte, ob das Tier eine Hundemarke oder ein Halsband trägt. Die Zähne des Hundes gruben sich in die rechte Hand der Eschenbacherin, die zu Fuß in der Jahnstraße unterwegs war. Die Bisswunden ließ sie im Kemnather Krankenhaus behandeln. Der Hundehalter war laut Werner Stopfer, Dienststellenleiter der Eschenbacher Polizei, zunächst unbekannt. Nach einem Presseaufruf meldete er sich jedoch. „Offensichtlich war der Hund vom Grundstück ausgerissen“, teilte Stopfer mit.

Eine Nachbarin, die gesehen hatte, dass das Tier ausgebüxt war, konnte das bestätigen. „Der Halter hat den Hund offensichtlich nicht ordnungsgemäß eingesperrt“, berichtete der Dienststellenleiter. Weil der Schäferhund die 18-Jährige verletzt hat, beschäftigt sich die Staatsanwaltschaft mit dem Fall wegen fahrlässiger Körperverletzung.

Einen zweiten Vorfall – ebenfalls in der Jahnstraße – hat ein Mann am 9. November der Polizei gemeldet. Die Gegebenheiten waren ähnlich, denn wieder war es ein Schäferhund. Dieser sprang eine Frau an, die daraufhin ziemlich erschrak. „Der Hund hat aber nicht zugebissen“, betonte Stopfer den Unterschied. Ob es sich um denselben Schäferhund handelt, muss die Polizei jedoch erst noch klären. Wäre jedoch noch mehr passiert, müsste auch hier der Halter für einen Schaden haften.

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