23.10.2018 - 16:16 Uhr
EschenbachOberpfalz

"Wo i dahoam bin"

"Selbstlaut(h)e" halten Einzug "beim Taubnschuster": Hans Günther Lauth wird im Kulturzentrum zu einem gefeierten Interpreten. Der Wiesauer zieht in der zweiten Runde der "Eschenbacher Mundarttage" die Zuhörer in seinen Bann.

Nahezu zwei Stunden lang begeistert Schriftsteller Hans Günther Lauth, begleitet von den Musikern Walter Pilsak und Martin Betz (von rechts), bei den „Eschenbacher Mundarttagen“ die Zuhörer „beim Taubnschuster".
von Walther HermannProfil

Auch der Mitbegründer der "Grenzlandschreiber" schwärmte: und zwar vom besonderen Ambiente des Veranstaltungsraumes. Heiteres, Nachdenkliches und Amüsantes wechselten sich ab und schufen eine Atmosphäre wie bei einem Hutzaabend. Die Zuhörer fühlten sich wiederholt in eigene Gedankenwelten versetzt.

Lauth räumte ein, dass es weder in der Oberpfalz noch in anderen Teilen des Freistaats einen einheitlichen Dialekt gebe. "Mundart ist regional sehr verschieden und hängt stark vom Lebensmittelpunkt des Einzelnen ab", bekräftigte der in Falkenstein im Landkreis Cham geborene Autor der beliebten Publikationen "Grenzlauthe". Er begründete dies mit eigenen Erfahrungen und Erkenntnissen, die er sich während seiner Schulzeit in Regensburg, seiner Studienjahre in München, seinen Referendarzeiten in Mittel- und Unterfranken sowie in den vergangenen 32 Jahren in Wiesau erworben hat. Unterschiedlich waren auch die Mundarten seiner Eltern, Vertriebene aus dem Sudetenland und dem Banat.

"Beim Schreiben meiner mundartlichen Gedichte bin ich immer davon ausgegangen, dass ich so formuliere, wie mir der Schnabel gewachsen ist", versicherte Lauth. Er sieht die Oberpfalz wegen ihres eigentümlichen Dialekts als einen der ursprünglichsten Regierungsbezirks im Freistaat an und schätzt das Selbstbewusstsein des besonderen Menschenschlages an der Grenze zu Franken und Böhmen.

Mit "Wo i dahoam bin" widmete er der Oberpfalz auch seine ersten Gedanken, mit denen er spontane Zustimmung fand: "Wo i dahoam bin, is de Natur no reichlich vorhandn. De Leit san bodenständig und kritisch und macha net jede modische Geckerei mit. Es gibt no an Zoigl und an billigen Baugrund und ma kon a schnell an behmischen Nachbarn bsuacha und ... de Landeshauptstadt is weit weg und dort woas ma oft gor net, dass' uns überhaupt gibt."

Sich selbst bezeichnete der einstige TU-Student nachdrücklich als "Selbstlaut(h)" und begründete dies mit Wortspielereien wie: "Also i gher zu de Selbstlaut(h)e. I bin koa Mitlaut(h), der jede Mode mitmacht und se im Mainstream wohlfühlt. Und i bin scho gar koa Umlaut(h), der umständlich theoretisch mit viel Laut(h)malereien nach irgendwelche Lösungen suacht. I bin halt a Selbstlaut(h)."

Erinnerungen an die eigene Kinder-und Jugendzeit rief der Teilnehmer an Poetenabenden in Waldsassen bei den "älteren Semestern "unter den Zuhörer hervor, als er sich mit "alte Bildln" aus scheinbar fremden und vergangenen Zeiten befasste: "Meist sans in Schwarz-Weiß oder in Sepia und ham scho Kratzer und Riss. Aber sie zeign uns a fremde und vergangene Zeit ... wo in de Dörfa oft no mehr Leb'n war und no koane Supermärkt. Wo de Braut no a schwarz Hochzeitskleidl o'ghabt hod, damit se's später a no oziagn ko."

Lauth nahm seine Zuhörer pointiert, ironisch, aber immer mit viel Wärme und Herzblut in dem ihn prägenden Dialekt und auch in Schriftdeutsch mit auf seine Gedankengängen und Beobachtungen, in Vers- aber auch in Prosaform. Dabei lenkte er den Blick auf gesellschaftliche Entwicklungen, nutzte eigene jugendliche Erinnerungen an die "Zeitenwende" und ließ unter "Heast es net" gar die AfD nicht ungeschoren.

Mit Walter Pilsak und Martin Betz hatte er zwei Musikanten dabei, die ihre Beiträge auf seine Vortragsinhalte abstimmten. Mit stürmischem Applaus erreichte das Publikum mehrere Zugaben, etwa zum Münchner Oktoberfest mit dem Resümee: "Egal wie teuer ist das Bier, wir kommen wieder. Mia san mia!"

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