24.07.2019 - 13:14 Uhr
EschenbachOberpfalz

Idee „Kommunbier“ mit Leben zu erfüllen

Die kulturtragenden Vereine erhielten Nachwuchs: Beim "Taubnschuster" wurde der „Kommunbier-Verein Eschenbach“ gegründet. Als Taufwasser diente Eschenbacher Zoigl.

Viele Taufpaten hat der neue Kommunbier-Verein im "Taubnschuster"-Hof. Der gewählte Vorstand mit Thomas Riedl, Thomas Ott, Hans Ziegler und Matthias Haberberger (von links) stoßt mit Eschenbacher Zoigl auf eine erfolgreiche Zukunft an.
von Walther HermannProfil

Die Gründung eines solchen Vereins bewegte seit einigen Jahren die Gemüter von Kommunbrau-Interessenten. Nach Vorarbeiten – auch rechtlicher Natur – hatten diese nun zeur Gründungsversammlung geladen, bei der die Ziele des Vereins und die Vereinssatzung vorgestellt wurden. Höhepunkt eines lauschigen Sommerabends in der "Taubnschuster"-Remise war die Wahl des Vorstands.

Als Wahlleiter dankte zweiter Bürgermeister Karl Lorenz den Initiatoren für die Mühen „zur Bereicherung des Kulturlebens“. Lorenz erhielt stets die Zustimmung der motivierten Interessengemeinschaft für seine Vorschläge zur Wahl von Thomas Ott zum Vorsitzenden, Thomas Riedl zum zweiten Vorsitzenden und von Matthias Haberberger sowie Hans Ziegler zum Kassier beziehungsweise zum Schriftführer. Die Beisitzer Davis Collins, Werner Gradl, Christian Kraus, Alfons Müller, Armin Schmidt, Alexander Schuller und Erwin Traßl stärken den Vorstand den Rücken.

„Die Gründerväter des Vereins sind viele Köpfe“, hatte Matthias Haberberger in seiner Begrüßung herausgestellt. Dabei hieß er auch Bürgermeister Karl Lorenz, Stadtverbandsvorsitzenden Dieter Kies und Heimatvereins-Vorsitzenden Karlheinz Keck willkommen geheißen. Lorenz räumte ein, dass er sich als Kulturbeauftragter der Stadt dazu berufen gefühlt hat, die von seinem Vorgänger Willi Trummer angestoßene Idee „Kommunbier“ mit Leben zu erfüllen.

Mit viel Motivation und geschichtlichen Betrachtungen ging Thomas Ott der Frage nach: Warum gründen wir einen Kommunbrauverein? Ott sah in Bier eine Massenware, die heute immer und überall erhältlich sowie lange haltbar ist. Da Bier aber auch ein alkoholisches Suchtmittel ist, das „mit Köpfchen“ genossen werden sollte und dessen Wertschätzung durch das Dauerangebot sinke, verkomme es zum „zweifelhaften Durstlöscher, Aufheiterer, Vorglüher oder Sorgenkiller“. Er erinnerte an frühere Zeiten, in denen Bier regional und saisonal begrenzt gebraut wurde und es meist etwas Besonderes war. Der Stadtrat wusste auch: „Im Winter wurde auf Grund der Kühlung untergärig gebraut, im Sommer eher obergärig. Bockbier zur Fastenzeit galt als Nahrungsersatz oder -ergänzung.“ Die Herstellung von Bier schrieb er zunächst Klöstern und Adeligen, später auch privaten Brauern zu. Ott verwies auch auf Kommunbrauhäuser, in denen jeder, der über ein Braurecht verfügte, sein eigenes Bier brauen konnte. „Diese historisch gewachsene Tradition und Wertschätzung des Bierbrauens wollen wir mit diesem Verein in Eschenbach wiederbeleben“, lautete seine Botschaft an die Runde der Taufpaten.

In einem kurzen Rückklick ging er auf Daten der Jahre 1966 und 1971 ein, als im örtlichen Kommunbrauhaus letztmals gebraut und das Gebäude abgebrochen wurde, und nannte April 1975 als Zeit, in der bei Alfons Rohrer zum letzten Mal in Eschenbach Bier gebraut wurde. Er wusste von Protagonisten, in deren Köpfen schon lange der Gedanke war, diese Tradition wieder zu beleben. Auch Hubert Schug habe sich mit der Idee der Gründung eines Vereins und der Anschaffung einer kleinen Brauerei befasst – und „Hans Ziegler hatte die Satzung dazu schon lange in seiner Schublade liegen“.

Ott nahm die "Taubnschuster"-Runde mit ins Jahr 2014, als er mit Hans Ziegler „rein zufällig“ im Arbeitskreis Wirtschaft des Stadtentwicklungskonzepts beisammen saß und sie die gleiche Idee verfolgten. Er berichtete: „Daraufhin taten wir uns mit Erwin Trassl und meinem Bruder zusammen, entwickelten ein Konzept und trugen es der Heber-Bräu vor, die es begeistert aufnahm.“ Das erste Eschenbacher Bier „ESBier“ seit 40 Jahren sei daraufhin im Juni 2015 im "Taubnschuster"-Hof vorgestellt worden.

Der Lehrer an der Markus-Gottwald-Schule (MSG) versäumte nicht, die Verdienste von Karlheinz Keck und Bernd Thurn zu Erforschung und Dokumentation der Geschichte des Brauens in Eschenbach zu würdigen und auf die Nachforschungen des Biologen Albert Furtner zum Hopfenwachstum in Eschenbach zu verweisen. Darüber hinaus bemühe sich seit Jahren Hubert Schmidt um ein eigenes Eschenbacher Bier. Nun gelte es, all diese Kräfte zu bündeln.

In einer rege geführten Aussprache ging es auch um mögliche Räumlichkeiten und um das Einbeziehen der örtlichen Braurechtler. Zweiter Bürgermeister Karl Lorenz sicherte die Unterstützung der Stadt zu, die Ziele des Vereins zu erreichen. Dieter Kies sah im Bierbrauen eine alte und wichtige Handwerkskunst und schrieb es Kirchenmännern zu, die „Deutschlands Rauschgetränk Nummer eins über Jahrhunderte in ihren Sudkesseln gekocht und gepflegt haben. Der Mönch ist im Laufe der Jahrhunderte geradezu das Symbol für den Beruf des Brauers geworden“. Der Wunsch des Stadtverbandsvorsitzenden war es, dass auch in Eschenbach das Brauchtum Bierbrauen wiedergenutzt und gepflegt wird.

Info:

Ziele des Vereins

Bevor er die fünfseitige Satzung vorstellte – sie wurde einstimmig angenommen – legte Vorsitzender Hans Ott dar, welche Ziele der Verein verfolgt. Er sprach von der Anschaffung einer Kleinbrauerei mit Leader-Förderung, von Erhalt und Betreuung der Eschenbacher Felsenkeller („Die Stadt Eschenbach hat für 2020/21 fast 400.000 Euro in den Vermögenshaushalt eingestellt, um diese wieder begehbar zu machen“), der Betreuung des schon lange geplanten Bierweges und von der sich daraus ergebenden Zusammenarbeit mit anderen Kultur tragenden Vereinen in Eschenbach. (rn)

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