06.04.2020 - 12:36 Uhr
EschenbachOberpfalz

Jung und Alt finden in Krise zusammen

„Helfen heißt, dem anderen begegnen“, sagt Papst Franziskus in einer Videobotschaft. Das erleben zur Zeit auch die Helfer der Service-Gruppe „Eschenbach hält zam“ und die, die von dem Einkaufs- und Botendienst profitieren.

Die 19-jährige Lisa Gilch ist eine der jüngsten Helferinnen bei „Eschenbach hält zam“.
von Externer BeitragProfil

Mitte März wurde die Gruppe von dem gebürtigen Eschenbacher Matthias Hild ins Leben gerufen, unterstützt von einem Netzwerk an Kontakten von Marcus Gradl. So gelang es, innerhalb kürzester Zeit ein Helferteam von 35 Personen organisieren - und es kommen immer wieder weitere hinzu.

Personell derart gut aufgestellt, kann die Servicegemeinschaft nach gut zwei Wochen stolz von sich behaupten: "Wir können vieles leisten." Die Menschen sollten sich nicht scheuen, den Service in Anspruch zu nehmen: Denn bekanntlich helfen die Menschen lieber, als dass sie Hilfe in Anspruch nehmen. Das Angebot richtet sich an alle Eschenbacher Bürger, die zur Corona-Risikogruppe gehören.

Eine von ihnen ist die 88-jährige Anna Ertl, die auf telefonische Rückfrage voll des Lobes über den Einkaufsservice und die „netten Leute“ ist. Bisher erledigte sie ihre Einkäufe noch selbst mit dem eigenen Auto, und sie hofft, dass sie dies auch nach der Krise wieder tun kann.

Nun aber freut sie sich, dass sie die bestellten Waren meist innerhalb von nur einigen Stunden nach dem Anruf bei „Eschenbach hält zam“ vor der Haustüre stehen hat und sie so ihre Gesundheit schützen kann. Vorher wird bereits das Geld für den Einkauf abgeholt, das Wechselgeld liegt dann bei den Waren.

Somit besteht keinerlei Kontakt zwischen Helfer und Auftraggeber. Von Gartenzaun zu Haustür entwickeln sich aber oft längere Gespräche, so auch zwischen Anna Ertl und der 19-jährigen Einkaufshelferin Anna Gilch. „Als ich in die Einkaufstasche blickte, sagte ich: 'Die Blumen standen doch gar nicht auf meinem Einkaufszettel'“, erzählt Ertl.

Die Tulpen waren ein kleines Geschenk der Helferin, die die nette rüstige Seniorin sofort in ihr Herz geschlossen hat. Auf diese Geste angesprochen, winkt Lisa Gilch ab: „Das war doch nur eine Kleinigkeit, und es ist schön, den Menschen, die zur Zeit nicht das Haus verlassen dürfen, auf diese Weise ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern.“

Sie habe schon immer eine soziale Ader gehabt und bereits in der neunten Jahrgangsstufe des Gymnasiums ein Freiwilliges Soziales Jahr für Schüler absolviert, merkt die 19-Jährige an. Die dafür geforderten 60 Stunden leistete sie im BRK-Seniorenheim Eschenbach und im Kindergarten Trabitz ab. Auch habe sie vor, ein Studium der Sozialen Arbeit zu absolvieren.

„Der Aspekt der sozialen Kontakte bei diesem Einkaufsservice darf keinesfalls übersehen werden. Gerade diese Gartenzaun-Gespräche oder auch die Telefonate bei der Bestellung haben einen großen Wert für die älteren und kranken Mitbürger“, sagt Matthias Hild. Er ermuntert weiterhin alle Eschenbacher dazu, keine Scheu zu haben, den Einkaufsservice zu nutzen. Auch für Dienstleistungen, wie Botengänge zur Post und für Gassigänge mit dem Hund, stünden die Helfer zur Verfügung. Unter Telefon 0152/52 74 7600 können Personen der Risikogruppe den kostenlosen Dienst jederzeit gerne in Anspruch nehmen.

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