07.02.2020 - 14:36 Uhr
EschenbachOberpfalz

Kampf gegen den Schlamm im Rußweiher soll weitergehen

Die Schlammschicht im Rußweiher hat sich reduziert, die Behandlung mit dem Schlammlösemittel "Schixx plus" war also erfolgreich, heißt es in einer Sondersitzung des Eschenbacher Stadtrats. Doch es ist immer noch zu viel Schlamm da.

Dr. Kai Uwe Ulrich und Thomas Willoweit (von rechts) berichten dem Eschenbacher Stadtratsgremium im Detail von der Behandlung des Rußweihers mit dem Schlammlösemittel "Schlixx plus".
von Walther HermannProfil

Die Stadt Eschenbach wirbt zwar seit Jahrzehnten mit dem Rußweiher, dem „größten Moorbad Nordbayerns“. Den Weiherboden bedeckt jedoch eine jährlich zunehmende Schlammschicht. Mit diesem Problem und einer möglichen Lösung befasste sich der Stadtrat während einer zweistündigen Sitzung mit Experten.

Auf Antrag der Freien Wähler hatte sich das Gremium erstmals am 28. Januar 2016 mit der Möglichkeit einer biotechnologischen Entschlammung befasst und im Herbst des gleichen Jahres im Umfeld des "Hexenhäusls" das Schlammlösemittel "Schlixx plus" in den Rußweiher einbringen lassen. Der „mäßige Erfolg“ wurde mit dem nur wenige Wochen später einfließenden Wasser des Obersees begründet. Vom 15. bis 17. April 2019 brachte die Firma Söll aus Hof deshalb in einem zweiten Anlauf auf einer Fläche von 16 Hektar 8250 Kilogramm des mineralisch-biologischen Mittels von einem Boot aus in den Weiher ein.

Thomas Willoweit, Geschäftsführer der Firma, war nun zu Gast im Eschenbacher Stadtrat und teilte mit, dass zwar 22 Zentimeter Schlammschicht abgebaut werden konnten, doch sich bis zum Herbst naturbedingt wieder einiges gebildet habe. Die Gesamtmenge des Schlammabbaus bezifferte er mit zirka 30 000 Kubikmeter. Derzeit betrage die Sedimentschicht noch 60 bis 70 Zentimeter. Er versicherte, dass die Behandlung mit dem Schlammlöser keine negativen Auswirkungen auf die Wasserwerte oder auf die Akzeptanz von Plankton einschließlich der Teichrosenbestände habe. Vielmehr seien durchwegs positive Effekte auf die Gewässerökologie festgestellt worden.

Mit großem Interesse nahmen die Stadträte die Ausführungen Willoweits zur Kenntnis. Es sei wünschenswert, die Schlammschicht weiter zu vermindern, hieß es. Willoweit schlug vor, im Frühjahr eine erneute Behandlung vorzunehmen, diesmal jedoch auf der gesamten Wasserfläche und „unter Verzicht auf ein Badeverbot“.

Mit einem „Steckbrief Kleiner Rußweiher“ wandte sich auch Biologe Dr. Kai Uwe Ulrich an die Stadträte und beschrieb das Gewässer als sehr nährstoffreich, leicht braun und mit Moorwassercharakter, mit geringer Sichttiefe und mit Faulschlammsedimenten mit hohem Organik-Gehalt. Der Steckbrief enthielt auch einen Hinweis zum Auftreten von Cyanobakterien (Blaualgen). Mit vielen Details stellte der Biologe aus Dresden das erfolgte Effektmonitoring mit Überwachung vor und sprach von einem vorgegebenen Zeitraster zur Ermittlung der Tiefenprofile, der Wasseranalysen in See und Zuläufen und der Messung der Photopigmente und der Sedimentationsrate. Regelmäßig erfasst worden sei der Bestand von Phyto- und Zooplankton, von Wasserpflanzen und Makrozoobenthos.

Sein Fazit enthielt eine „deutliche Verminderung von Sedimentvolumen und organischem Gehalt“. Für Ulrich ein Indiz für die Steigerung der mikrobiellen Aktivität im von dem Schlammlösemittel beeinflussten Sediment. Er fand keinen Anstieg der Nährstoffkonzentration im Seewasser und auch „keine Unterschiede zwischen behandeltem Bereich und Referenz für Artenzusammensetzung und Abundanz von Phytoplankton, Zooplankton, Makrozoobenthos und Makrophyten inklusive Teichrosen“.

Gerne nahmen die Stadträte seine Zusicherung zur Kenntnis, dass kein Anlass für eine Einschränkung der Seenutzung außerhalb der Behandlungsphase bestehe. Der Mitarbeiter des Instituts für Hydrobiologie hielt eine Karenzzeit von zwei Wochen nach der Behandlung mit "Schlixx plus" für ausreichend. Er begründete dies mit der Absetzzeit des Mittels.

Ulrich betonte, dass die Blaualgen ein ständiger Bestandteil des Lebens im Rußweiher seien. Er bezog sich auch auf das am gleichen Tag mit Vertretern des Landratsamts und des Gesundheitsamts geführte Gespräch. Demnach sei 2019 erstmals eine Untersuchung auf Blaualgen durchgeführt worden, und das im August ausgesprochene Badeverbot sei eine „subjektive Entscheidung des Bearbeiters“ gewesen. Der Biologe unterschied zwischen giftigen und ungiftigen Blaualgen. Vom Vertreter des Gesundheitsamt habe er erfahren, dass „keine giftigen Algen“ vorgefunden wurden. Ihm sei auch bestätigt worden, dass das Einbringen von "Schlixx plus" keine negativen Auswirkungen auf die Wasserqualität gehabt habe.

Zur weiteren Vorgehensweise traf das Gremium deshalb folgenden Beschluss: „Der Stadtrat stimmt einem Einbringen von ,Schlixx plus' im Jahr 2020 grundsätzlich zu, vorbehaltlich eventueller Auflagen im Wasserrechtsbescheid. Ein Angebot der Firma Söll ist einzuholen.“

Mit einem speziellen Arbeitsboot brachten Mitarbeiter der Firma Söll im April 8250 Kilogramm "Schlixx plus" in den Rußweiher ein.
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