30.07.2019 - 10:23 Uhr
EschenbachOberpfalz

Kanadagänse werden zum Ärgernis in Eschenbach

In Eschenbach häufen sich sowohl im Freibad als auch auf den Wegen des Naturschutzgebiets die Hinterlassenschaften der Gänse. Das sorgt für Arbeit. Eine Teilschuld tragen auch die Badegäste und Spaziergänger.

Auf erstem Blick ein Naturidyll. Die Kanadagänse am Rußweiher zeigen keine Scheu vor Menschen. Viele füttern die Tiere. Doch die Hinterlassenschaften der Gänse werden zum Ärgernis für die Stadt.
von Walther HermannProfil

Die Kanadagans, fühlt sich seit der Jahrtausendwende zunehmend auch in der Eschenbacher Weiherlandschaft wohl - so sehr, dass sie inzwischen als Plage empfunden wird. "Die Bademeister im Freibad am Rußweiher sind täglich bis zu 90 Minuten damit beschäftigt, die Liegeflächen von den Hinterlassenschaften der Tiere zu säubern", beklagt Bürgermeister Peter Lehr. Stets in großer Anzahl versammeln sie sich auch an den Bänken am Obersee-Damm.

Vergnügen bereiten ihnen vor allem die "Leckerli", die ihnen Spaziergänger zuwerfen. Bei ihnen entwickelt sich dadurch das Gespür für einen Futterplatz. Die Folge ist, dass die Dammstraße an dieser Stelle mit Exkrementen der Tiere übersät ist. "Das Problem haben wir nun schon einige Jahre. Ich befürchte, dass es auch Auswirkungen auf die Wasserqualität des Rußweihers haben könnte", sagt Bürgermeister Lehr. Er kritisiert daher auch das Verhalten einiger Badegäste im Freibad und Spaziergänger am Obersee, die die Gänse füttern und sie dadurch anlocken. Eine Lösung für das Problem hat die Stadt nicht parat. "Wir treten hier auf der Stelle und können daher nur an die Besucher des Freibads und die Spaziergänger appellieren, das Füttern zu unterlassen. Auch, wenn es gerade für Kinder sehr verlockend ist", erklärt Lehr.

Stefan Falkensteiner ist Teil der Arbeitsgruppe "Wildtiere in der Agrarlandschaft" bei der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) in Freising, die sich auch mit Wildgänsen beschäftigt. Oberpfalz-Medien hat ihm den Fall in Eschenbach geschildert. Grundsätzlich helfe schon eine mobile Zäunung Richtung Wasser zur Zeit der Mauser (Großgefiederwechsel) und Jungtierführung (Kanadagans ca. Mai-Juli), da die Gänse zu dieser Zeit flugunfähig sind und Flächen ohne freien Zugang zur sicheren Wasserfläche meiden, erklärt der Experte. Eine weitere Möglichkeit sei die "Vergrämung im Bereich Freibad und Schaffung von Ablenkungs- oder Duldungsflächen". So könnten zum Beispiel Schwimmsperren eingerichtet werden, welche die Tiere daran hindern, bestimmte Flächen zu erreichen. Aber auch die Duldung der Gänse in bestimmten Flächen sei möglich. Gänseweiden könnten angelegt werden. "Am wichtigsten ist aber ein Fütterungsverbot und dessen konsequente Durchsetzung."

Info:

"Gänsemanagement" in Bayern

Auch bei der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) sind Wildgänsen ein Thema. Deswegen wurde bereits 2014 das Projekt „Gänsemanagement“ gestartet. Dazu wurden die beiden Projektgebiete „Main“, zwischen Bamberg und Haßfurt, und „Altmühlsee“ im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen eingerichtet. In den beiden Gebieten werden Lösungen zur Minimierung von Konflikten mit Wildgänsen entwickelt und umgesetzt. Außerdem wird auf Grundlage der Projektarbeit eine bayernweite Beratung in Konfliktregionen entwickelt und angeboten. Stefan Falkensteiner von der Arbeitsgruppe „Wildtiere in der Agrarlandschaft“ bei der LfL erklärt, dass es über die Population der Wildgänse in der Oberpfalz bisher keine konkreten Zahlen gebe. Bayernweit sei aber in Zukunft mit einer Zunahme der Population zu rechnen.

Auch andere Orte in Bayern haben bereits mit den Tieren zu kämpfen, entweder mit deren Vermehrung oder eben deren Verhalten. Für beide Probleme gebe es mögliche Maßnahmen. Diese erstrecken sich von Bejagung und Errichtung von Barrieren oder Gelegebehandlung bis hin zur Einrichtung von Duldungsflächen. (msh)

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