Eschenbach
27.09.2018 - 16:42 Uhr

Kirchweih mit Jubel und Trauer

Bier ist gesund. Dieser medizinischen Weisheit frönen die Eschenbacher beim Taubnschuster und beim Scherm-Karl vier Tage lang.

Trotz Regens begann der Kirchweihsonntag mit einem Kirchenzug. Bild: rn
Trotz Regens begann der Kirchweihsonntag mit einem Kirchenzug.

Die Ankündigung von kulinarischen und musikalischen Leckerbissen bei der Kirchweih führte zu regen "Wanderungen" in die Altstadt. Bekannte Stätten von Geselligkeit - der "Taubnschuster" und der "Scherm-Karl" - wurden zum Treffpunkt von Jung und Alt. Die Kirwafans kannten den Gaumenreiz, den der Gerstensaft ausübt. Nur wenigen wird jedoch bekannt gewesen sein, dass Bier auch die Knochen stärken und Osteoporose vorbeugen kann. Dies hat Professor Dr. Alfred Walzel nachgewiesen. Der Psychiater und Neurologe an der Landesnervenklinik Graz hat Veröffentlichungen nach nachgewiesen, dass Bier große Mengen des Spurenelements Silizium enthält, das die Einlagerung von Kalzium in den Knochen fördert. Sein Vorbehalt, dass Bier in Maßen genossen werden sollte, dürfte nach den Erkenntnissen des Servicepersonals bei der Eschenbacher Kirchweih jedoch sehr relativiert worden sein.

Nicht nur der Heimatverein freute sich bei seiner Zoiglkirwa "beim Taubnschuster" über ein volles Haus. Der Kirchweih-Auftakt des Kirwa-Vereins am Samstag wurde nach dem Aufstellen des Kirwa-Baumes zu einem Treffen vieler Vereine "beim Scherm-Karl". Entsprechend dem Namen der Festlichkeit begann der Sonntag kirchlich. Angeführt von der Stadtkapelle, den Bürgermeistern Peter Lehr und Klaus Lehl sowie den Stadträten Udo Müller, Thomas Ott und Dr. Sabine Schultes als Repräsentanten des Stadtrats zogen Kirwa- Moila und -Boum trotz Regens über den Marienplatz in die Pfarrkirche. Den Festgottesdienst gestaltete die Stadtkapelle, die auch zum Frühschoppen und zum Mittagessen böhmisch-bayerisch aufspielte.

Dem Besuch nach zu schließen blieben an diesem Tag viele Küchen kalt. Dank hervorragender Organisation gab es nur kurze Wartezeiten. Küchengenüsse gingen nahtlos über zu Kuchen- und Tortenfreuden. Ab dem späten Nachmittag trumpften Ernst Bitterer und "De scho wieda" musikalisch auf. Körbe mit kaum überschaubaren Spirituosenvarianten machten die Runde.

Stimmliche und textliche Leckerbissen brachte der Kirwa-Ausklang am Montag. Den Ton gab dabei die Vorbacher Dorfmusik an. Das Quintett verstand es, die große Kirwa-Gemeinde zu Chorgesängen zu motivieren. Die Musiker wanderten durch die Reihen und ließen den Abend zu einem Wunschkonzert werden.

Am späten Abend entzündeten die Kirwa-Moila noch im Saal rote Grablichter und läuteten damit den theatralischen Schlussakkord der Kirchweih ein. Die Dorfmusik stimmte "Die Karawane zieht weiter" an und führte eine große "Trauergemeinde" zum Kirwa-Baum, wo hörbar Heulen und Zähneknirschen einsetzte. Der Mond zeigte sein volles Gesicht, als sich Sebastian Wohlrab, der Vorsitzende des Kirwa-Vereins, zunächst klagend an die Runde wandte und bedauerte: "Deine letzte Stunde ist gekommen; wir müssen dich beisetzen, schöne Kirwa." Gemeinsam mit seinem "Vize" Thomas Nasser versenkte er sehr bedächtig die Kirwa in Gestalt einer Flasche Bier im Grab.

Kurz vor den 24-Uhr-Schlägen der Pfarrkirche hob Fritz Gradl, der sich prädestiniert für die Bestattung "kulturträchtiger Größen" zeigte, zu einem wortgewaltigen Trauergesang an, der aber durchaus auch Hoffnung ausstrahlte. Zu aufmunternden Klängen ging es dann zurück zum "Scherm-Karl", wo sich die Kirwa-Fans in Vorfreude auf die Auferstehung der Kirchweih im nächsten Jahr weiteren Genüssen hingab.

Die Vorbacher Dorfmusik sorgte für einen stimmungsvollen Kirwa-Ausklang. Bild: rn
Die Vorbacher Dorfmusik sorgte für einen stimmungsvollen Kirwa-Ausklang.
Fritz Gradl (Mitte) gestaltete stimmgewaltig das "Eigrobm" der Kirchweih. Bild: rn
Fritz Gradl (Mitte) gestaltete stimmgewaltig das "Eigrobm" der Kirchweih.
Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:
Zum Fortsetzen bitte

Sie sind bereits eingeloggt.

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein OnetzPlus- oder E-Paper-Abo.