15.07.2019 - 12:33 Uhr
EschenbachOberpfalz

Kollektiver Ohrenschmaus

Einmal die Heimat von Dirigentin Riita Michelson kennen lernen und gleichzeitig das weltberühmte Sängerfest der Esten miterleben: Dieser Traum wird für die Liedertafel Eschenbach Wirklichkeit.

Hin und weg sind die Teilnehmer an der Reise nach Estland, der Heimat von Dirigentin Riita Michelson (vorne, Mitte): Das kleine Land an der Ostsee und ganz besonders das Jubiläums-Sängerfest der Esten, das Kult-Status hat, hinterlassen bleibende Eindrücke.
von Robert DotzauerProfil

Estland, das kleine Land im Norden Europas, war das Ziel einer Studienreise der Liedertafel. Seit dem 13. Jahrhundert stand es immer wieder unter Fremdherrschaft. Zuletzt gehörte es 50 Jahre lang zur UdSSR. 1990 erklärte es seine Unabhängigkeit, 2004 trat es der Europäischen Union bei. Seit 2011 zahlen die Esten auch mit dem Euro.

Das Land mit seinen 1,4 Millionen Einwohnern weckte in doppelter Hinsicht die Neugierde des Eschenbacher Männerchores: Es ist die Heimat von Dirigentin Riita Michelson und ein Land mit langer Sängertradition. Da hieß es, "nix wie hin". Das Programm war dicht gedrängt, wollte die Gruppe doch nicht die schönsten Gesangsveranstaltungen versäumen. So wurde die Reise zu den Balten zu einem besonderen gesellschaftlichen und kulturellen Erlebnis.

Bei einer geführten Rundfahrt durch die Hauptstadt Tallinn mit ihren monumentalen Bauten, einem Besuch der Altstadt der 400 000-Einwohner-Metropole und einem Busausflug in den Kadriorg Park, dem großzügigsten Schloss- und Parkensemble der estnischen Architektur, lernten die Oberpfälzer den Alltag der Menschen und die Geschichte des kleinen Landes kennen. Selbstverständlich waren auch ein Hafenbesuch und viele kulinarische Kostproben landestypischer Gerichte. Insbesondere die Fischspezialitäten hatten es den Eschenbachern angetan.

Dass für die Esten ein Liederfest viel mehr als eine reine Gesangsveranstaltung ist, davon ließ sich die Liedertafel spätestens bei den Besuchen des berühmten Sängerfestes überzeugen. Während der fast 50 Jahre währenden sowjetischen Besatzung wurden traditionelle Weisen und Hymnen verboten oder deren Texte geändert. Ihre Darbietungen waren daher ein Akt des Widerstands, der besonders deutlich wurde, als zwei Millionen Einwohner im Baltikum einst eine 600 Kilometer lange Menschenkette bildeten, um mit einem Lied gegen die Besetzung zu demonstrieren. Esten sagen gerne, dass es das Singen war, das zur Befreiung beitrug.

Dieser "singenden Revolution" ging nun auch die Liedertafel nach - beim Tanzfest mit 1000 Chören und 35 000 Sängern im Kalevi-Keskstaadion wieder: eine Veranstaltung mit "Gänsehaut-Feeling", wie die Teilnehmer feststellten. In Feierlaune organisieren die Esten alle fünf Jahre ein viertägiges Festival. Die Unesco hat dieses „Laulupidu“ als Kulturerbe der Menschheit anerkannt.

Die Liedertafel war diesmal mittendrin. So bestaunten die Sänger aus der Oberpfalz den bunten und volkstümlichen Festumzug im Zentrum der Hauptstadt zur Festwiese und als Höhepunkt das Hauptkonzert dort mit zirka 90 000 begeisterten Besuchern. Das wohl größte Volksliedfest beschwor friedfertig und freudig das nationale Bewusstsein - ein kollektiver Ohrenschmaus. In diesen Stunden musste der Männerchor ganz einfach die Esten um ihre Heimatliebe fast beneiden.

Die schönsten Lieder, die die Heimat priesen, und schließlich das enthusiastisch gesungene „Minu isamaa on minu arm“ – „Mein Vaterland ist meine Liebe“ - trafen die Reisegruppe ins Herz. Auch für Riita Michelson, als Dirigentin der Liedertafel mitverantwortlich für den guten Tipp zum Besuch des Festivals, war dieses Singen ein "Glaubensbekenntnis" an die Zusammengehörigkeit.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.