08.01.2021 - 14:47 Uhr
EschenbachOberpfalz

Langholz, Blochholz und Brennholz aus dem Eschenbacher Stadtwald

„Der eine trägt Holz, der andere wärmt sich daran“, schrieb einst Wilhelm Busch. Das Holz aus Eschenbacher Wäldern dient auch anderen Zwecken.

Aufbereitet zu Poltern erleichtert das hier zusammengesammelte Stammholz den Abtransport.
von Walther HermannProfil

Mit 2500 Festmetern (fm) erreicht der kommunale Holzeinschlag in diesem Jahr wieder seine normale Größenordnung. Nicht nur vom „Birschling“ bis zum „Abgebrannten Schlag“ ist der Maschinenring mit Fällarbeiten am Werk. Langholzpolter und der würzige Duft frisch geschlagenen Holzes begleiten seit Tagen Spaziergänger in Richtung Bärnwinkel. Hier, im Waldgebiet "Birschling", entnimmt der Maschinenring dem Stadtwald zirka 500 fm Stammholz, für das nach Aussage von Revierförster Martin Gottsche eine sehr gute Nachfrage besteht. „Dies lässt auf einen hohen Bedarf schließen“, folgert der Forstmann und berichtet von einer großen Nachfrage nach Kiefern, „auch auf dem US-Holzmarkt“.

In den vergangenen beiden Jahren hat der mit der Betreuung des Eschenbacher Waldbestandes beauftragte Forstbeamte mit dem Holzeinschlag gebremst. Grund war der stark zurückgegangene Preis. Statt der üblichen 2500 fm wurden nur jeweils 1000 fm entnommen. „Wir haben daher noch 3000 fm gut“, resümiert Gottsche. Dennoch soll der Einschlag in diesem Jahr bei der üblichen Menge bleiben. Als Abnehmer nennt er das Holzunternehmen Ziegler, das einen hohen Kiefernbedarf angemeldet habe. Für einen weiteren Interessenten liegen prächtige zirka fünf Meter lange „Blochholz“-Stämme zur Abholung bereit, die nach Eigenschaften und Merkmalen sortiert sind und am Zopf mindestens eine Stärke von 35 Zentimetern aufweisen.

Ausgewählte Blochholz-Stämme, das sind gefällte und entastete Bäume, versprechen einen höheren Verkaufserlös als normale Hölzer.

Der Einschlag erfolgt zum Teil über bestehenden Kulturen. Da viele der in den vergangenen Jahren nachgepflanzten Buchen eine stattliche Größe erreicht haben, muss für ein gesundes Weiterwachsen Licht geschaffen werden. Die für die Zeit des Anwachsens der Buchen erhaltenen Kiefern haben ihre Schuldigkeit getan und werden gefällt. Aus Sicherheitsgründen müssen während der Arbeiten hin und wieder Forstwege gesperrt werden. Kein Verständnis haben Gottsche und Reinhard Wiesent, Vorsitzender der Forstbetriebsgemeinschaft, für das Verhalten von Spaziergängern, die die deutlich erkennbaren Absperrbänder missachten und sich in Lebensgefahr begeben. Spaziergänger werden darauf verwiesen, auf den Waldlehrpfad auszuweichen.

„Den Kiefern geht es verdammt schlecht“, sagt Gottsche mit Blick auf die Wipfel. Die dort sehr licht gewordenen Kiefern zeigen nur noch ein bis zwei Nadeljahrgänge. Der Forstmann beklagt einen „massiv hohen Mistelbewuchs“, der das wenige Wasser für das eigene Wachstum anzapft.

Die Bäume kommen vom Kühlschrank des heutigen Klimas in den Backofen von morgen.

Förster Martin Gottsche

„Mit unserer Fällaktion schaffen wir auch Pflanzflächen“, versichert der Revierförster. „Mit zukunftsstabilen Bäumen wie Küstentanne, Zeder, Esskastanie, Buche und Eiche erreichen wir neben einer bunten Mischung eine wichtige und gesunde Vielfalt.“ Er sieht darin einen Beitrag zum Waldumbau und zur nachhaltigen Bewirtschaftung der städtischen Forsten. Ihm geht es darum, stabile Wälder für kommende Generationen zu schaffen. Gelegen ist ihm an der Rückkehr zu Mischwäldern, von denen der Mensch in den vergangenen Jahrhunderten zugunsten nadelholzreicher Forste abgekommen ist. Da sich das Klima schneller verändern wird, als sich der Wald aus eigenen Kräften anpassen kann, betrachtet er es als Aufgabe, dem Wald dabei zu helfen. Zur Klimaveränderung hat der Forstmann einen drastischen Vergleich parat: „Die Bäume kommen vom Kühlschrank des heutigen Klimas in den Backofen von morgen.“

Gottsche spricht von einer „relativ großen Nachfrage nach Brennholz“, insbesondere von Selbstwerbern. Auch der Anspruch auf Rechtholz liegt seit mehreren Jahren auf hohem Niveau. Zur Zeit haben sich mehr als 60 Berechtigte bei der Stadt angemeldet. Im Umfeld des "Lubermarterls" im Oberwald sollen bis Ende Januar die Rechtholzpolter zur Verfügung stehen.

Bereits vor Jahrzehnten hat die Stadt auf Nachfrage zu Gemeindenutzungsrechten vom Staatsarchiv Amberg eine Antwort zum Thema Rechtholz erhalten. In ihr wird auf den dortigen Bestand „Amt Eschenbach“ verwiesen, in dem Abschriften einer Urkunde aus dem Jahr 1442 vorliegen, Mit ihr bestätigt Herzog Johann dem Rat und der Gemeinde Eschenbach, dass man zu jedem Haus, das innerhalb der Ringmauer liegt, aus des Herzogs Wäldern jährlich vier Fuder Holz hauen und nehmen darf. Nach dem Rat der herzoglichen Förster soll dazu nach Bedarf „Zaunholz“, „Pachtholz“, „Kyen“ und „Heyde“ genommen werden. Als Gegenleistung erhielten der Herzog acht Pfund Pfennige, der Förster ein Pfund Pfennige und die Forstknechte Trinkgeld „nach iren Ehren“.

Zusätzlich verleiht der Herzog den Eschenbachern die besondere Gnade, dass zu jedem Haus in Eschenbach, in dem die genannte Menge an Holz nicht ausreicht, der Mehrbedarf ebenfalls aus den herzoglichen Wäldern bezogen werden darf, jedoch nur zur Verwendung im eigenen Haus, also nicht zum Verkauf an Dritte. Das Staatsarchiv räumt ein, dass nicht bekannt ist, ob aus den in der genannten Urkunde genannten herzoglichen Wäldern die heutigen städtischen Waldungen oder aber Staatswaldungen betroffen sind.

Eine rechtliche Bedeutung misst das Archiv einem Liquiditätsprotokoll vom 8. Juli 1842 für das der Stadt Eschenbach gehörende Anwesen Hausnummer 144 bei, in dem die Nummern der Häuser aufgeführt sind, deren Eigentümern damals Nutzungsanteile zustanden. Eingetragen seien auch die Namen der damals Nutzungsberechtigten und enthalte zum Schluss den Vermerk: „Der Gesamtinhalt dieser Liquiditionsverhandlung mit Renten und Rechten wird auf Vorlesen als vollkommen richtig anerkannt und zur Bestätigung eigenhändig unterzeichnet.“ Das Archiv verweist auch darauf, dass das Liquiditätsprotokoll als Grundstückkataster verwendet wurde.

Wertvolle Hölzer von der Forstbetriebsgemeinschaft Eschenbach

Eschenbach

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