30.03.2020 - 11:41 Uhr
EschenbachOberpfalz

Mariensäule prägt seit 300 Jahren das Eschenbacher Stadtbild

Seit 300 Jahren ziert ein frei stehendes Denkmal den unteren Stadtplatz in Eschenbach. Die Mariensäule hat den Stellenwert eines Namenspatrons.

Am Sockel des Säulendenkmals am Eschenbacher Stadtplatz ist nachzulesen: "Zum Gelöbnis errichtet vom edelsten Pfarrherrn Wolfgang Erasmus Prieschenk Pfarrer zu Eschenbach 1720".
von Walther HermannProfil

Die möglicherweise erste offizielle Erwähnung findet die Mariensäule in dem 1909 aufgelegten Werk „Kunstdenkmäler von Bayern, Bezirksamt Eschenbach“. Beschrieben wird sie als „Marienstatue in der Hauptstraße, Stein, auf geschweiftem hohem Sockel, gesetzt 1720“. Ihr heutiges schmuckes Aussehen verdankt das Denkmal der Altstadtsanierung. In feierlichem Rahmen wurde deren Teilabschnitt "Marienplatz" am 1. August 1999 abgeschlossen.

Ausführlich mit der Geschichte der Mariensäule hat sich Heimatpfleger Hannes Oberndorfer in der Publikation „Heimat Eschenbach 1999“ befasst. Darin verweist er darauf, das die restauratorische Sanierung der Mariensäule – verbunden mit einer angemessenen Gestaltung des unmittelbaren Umfeldes – bereits in den ersten Entwürfen des Architekten Klaus Stiefler zur Neugestaltung des Platzes als zentrale Forderung enthalten war. Er berichtet aber nicht nur von einem Sanierungskonzept mit Abbau und weitergehender Behandlung in der Werkstatt des Restaurators G. Doreth in Neustadt am Kulm.

Beim Abbau der einzelnen Teile fanden sich nämlich weitere und bisher unbekannte Sandsteinteile, die teilweise als Fundament des Sockels gedient hatten: zwei Säulenfragmente, ein Säulenkapitell, ein Sockelteil und Brocken aus einem ehemaligen Säulenfuß.

Oberndorfers Ausführungen zum Standort der Säule lassen darauf schließen, dass dieser 1840 geringfügig verändert worden war. Die Inschriften an der Rückseite verweisen auf die drei Erneuerungs- und Renovierungsmaßnahmen des vergangenen Jahrhunderts: 1928, 1977 und 1999. Bereits 1881 hatte Oberamtsrichtersgattin Margaretha Plasi eine Restaurierung veranlasst. Auf dem Sockel des Denkmals ist an der Frontseite beiderseits einer Wappenabbildung folgender Text zu lesen: EX VOTO POSUIT/PRD W.E (= Praenobilis Reverendus Dominus)/PRIE SCHENK/PE (= Parochus Eschenbachensis)/1720. Übersetzt bedeutet das: "Zum Gelöbnis errichtet/vom edelsten Pfarrherrn Wolfgang Erasmus/Prieschenk/Pfarrer zu Eschenbach/1720".

Zum heutigen Aussehen der Mariensäule schreibt Oberndorfer: "Die Figur der Hl. Maria Immakulata, stehend auf einem Mond (mit Gesicht) und der Schlange, deren Schwanz als Pfeilspitze ausgeformt ist; es handelt sich um eine typische Darstellung der Maria Immakulata, wie sie in Süddeutschland sehr häufig anzutreffen ist. Im Vergleich zu den Barockfiguren aus Sandstein in den Fluren um das Kloster Speinshart ist die Gestaltung weniger aufwendig – der Kopf der Maria ist auffallend klein, was möglicherweise auch in Verbindung mit Verwitterungserscheinungen zu erklären ist".

Der Faltenwurf des Gewandes lässt eher auf das frühe 18. Jahrhundert als Entstehungszeitpunkt schließen als auf das späte 18. Jahrhundert. Ähnlichen Faltenwurf zeigt die Figur der Heiligen Maria in der Katholischen Pfarrkirche in Kirchenthumbach auf – sie ist datiert auf 1719. An der Figur sind kleine Reste einer früheren Farbfassung gefunden worden, die aber keine zusammenhängende Rekonstruktion zulassen. Der Mantelsaum zur Figur ist ebenso in Gold gefasst wie der Sternenkranz und die Lilie in ihrer rechten Hand.

Der Posamentensockel, also der Teil, auf welchem die Figur steht, lässt mit einen Roccailles auf eine Entstehung schließen, die wohl nicht später als zu Mitte des 18. Jahrhunderts einzuordnen ist. Bei den genaueren Untersuchungen haben sich mit Bearbeitungsstufen und Schmuckinterpretation Hinweise auf die richtige Aufstellungsform ergeben. Stilistisch ist der Postamentensockel kaum in Einklang zu bringen mit den darunter liegenden Steinteilen.

Der Mittelteil zeigt als Schmuckelemente Roccailles, die typisch sind für die Entstehungszeiten des Rokoko. Um das Medaillon mit der Aufschrift "Imacvlatae virgine Mariae" ist ein Lorbeerfeston dargestellt. Die Darstellung fügt sich sehr gut zur hier ebenfalls eingehauenen Jahreszahl 1788. Gleiches gilt für die Schmuckteile am oberen Ende des Zwischenteiles, die Phallairen. Ähnliche Gestaltungselemente finden sich in den Klosteranlagen von Michelfeld und Ebrach. Sie treten in der Oberpfalz mit dem beginnenden Klassizismus, also um oder vor 1780, in Erscheinung.

Der Sockel zeigt um das Prieschenk’sche Familienwappen ebenfalls Roccaillien in C-Form. An seinem oberen Rand befindet sich ein Perlstab-Motiv. Mit den Sanierungsarbeiten wurde dem Sockel eine Fußplatte unterlegt, um eine stärkere optische Gewichtung zu erwirken. Stilistisch fügen sich der Sockel und das Mittelteil recht gut zusammen.

In seinem Beitrag beschränkt sich Oberndorfer nicht nur auf die Statue. Ihn interessiert auch die Vita von Pfarrer Prieschenk, der zwischen 1717 und 1732 Pfarrer in Eschenbach und Sekretär des Ruralkapitels Kemnath war. Zuvor hatte er acht Jahre die Pfarrei Grafenwöhr geleitet. Zu Hilfe kam ihm dabei Hermann Prüschenk. Der Kirchenthumbacher lieferte ihm aus seiner Ahnentafel Einzelheiten zur Person des damaligen Pfarrers.

Wolfgang Erasmus Prieschenk ist am 26. November 1679 in Kemnath als Sohn des Johann Prieschenk (Schuhmacher und Bürger zu Kemnath) und Katharina Prieschenk, verwitwete Müllner, geboren. Die Prieschenks aus Kemnath, beziehungsweise zugezogen aus Kastl, entstammen der Lindenhofer Linie des Adelsstammes, der sich bis in das erste Jahrtausend unserer Zeitrechnung zurückverfolgen lässt. In Kenntnis dieser Abstammung wird auch schnell deutlich, dass die auf dem Wappen des Sockels abgebildeten beiden Hirsche nicht wie zunächst angenommen in Verbindung mit dem Adelsgeschlecht derer von Hirschberg stehen, sondern es sich dabei eindeutig um das Familienwappen der Prüeschenck – die Schreibweise wandelte sich in den verschiedenen Zeitabschnitten – aus der Lindenhofer Linie handelt.

Wolfgang Erasmus Prieschenk war möglicherweise wohlhabend, wie man aus verschiedenen Notizen im Kemnather Heimatblatt des Jahres 1954 schließen kann. Er scheint ein spendabler Pfarrer gewesen zu sein. Heimatpflegerin Leonore Böhm berichtet aus einer Kirchenrechnung von 1718 zu Grafenwöhr: „Herr Wolfgang Erasmus Prieschenk, gewesten Pfarrer allhier hat bei sein abzug so von allhiesiger uf die Eschenbacher Pfaar beschehen, als ein sonderbarer Gutthäter des allhiesigen Gotteshaus zu Beyschaffung neuer seithen altär 36 fl verschafft".

Da sich in den Eschenbacher Kirchenbüchern keine Rechnungsbelege über die Anschaffung der Säule finden lassen, ist davon auszugehen, dass die Stiftung, wie auf dem Stein beschrieben, von Pfarrer Prieschenk persönlich erfolgte.

Vor der Altstadtsanierung haben mächtige Kastanienbäume die Mariensäule umgeben.
An der Rückseite des Mittelteils sind die Erhaltungsmaßnahmen des vergangenen Jahrhunderts festgehalten.
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