19.03.2019 - 16:18 Uhr
EschenbachOberpfalz

Mit dem Mond säen, pflanzen und ernten

Was haben Steinkreise oder die Nebra-Scheibe mit Gartenbau zu tun? Auf diese scheinbar abwegige Frage gibt es beim Obst-und Gartenbauverein eine überraschende Antwort.

Hans Rupprecht (von links), der Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins, dankt Referent Arnold Kümmerl mit einem kleinen Spezialitätenkorb für seinen Mond-Vortrag. Auch Günther Volkmann gilt Dank für die Hilfe bei Baumschnitt und Insektenhotel-Bau.
von Walther HermannProfil

Was haben Steinkreise oder die Nebra-Scheibe mit Gartenbau zu tun? Auf diese scheinbar abwegige Frage gab es beim Obst- und Gartenbauverein eine überraschende Antwort. "Gärtnern mit den Mondphasen", lautete das Thema eines Vortrags, der viele Mitglieder anlockte. Vorsitzender Hans Rupprecht hatte einen Referenten engagiert, der den Gartlern von seinem vorjährigen Vortrag "Kompostieren" noch in guter Erinnerung war: Arnold Kümmerl aus Pfreimd.

"In früheren Zeiten hat sich der Mensch viel mit der Bewegung der Gestirne befasst." Nach dieser noch allgemein gehaltenen Aussage wurde der ehemalige Förster mit Hinweisen zu 4000 bis 5000 Jahre alten Steinkreisen "mit bestimmter Anordnung zu Mondaufgang und -untergang" und der etwa 7200 Jahre alten Steingrabenanlage Osterhofen in Niederbayern konkret.

All diese historischen Hinterlassenschaften, auch die beeindruckende Nebra-Scheibe, wertete er als Beweis dafür, dass der Mond als Zeiteinteilung und als Anhaltspunkt für wichtige Termine bei Tierzucht und Anpflanzungen gedient habe. Im Mondrhythmus sah der Referent einen Lichtphasenwechsel, der bewirke, dass mit Zeiten des aufsteigenden Mondes ein besseres Wachstum verbunden ist - "auch für Schwammerln". Er schrieb sogar den Tieren eine Fortpflanzung im Mondphasen-Rhythmus zu und nannte als Beispiel die Nachtschwalbe, die ihre Eier so lege, dass die Brut bei zunehmendem Mond schlüpft.

"Die Auswirkungen des astronomischen Mondtierkreis-Rhythmuses, aus dem die Tierkreiszeichen entstanden, sind seit alters her bekannt", erklärte Kümmerl und verwies auf Ergebnisse von Säversuchen in Sachen Keimkraft und Wachstum. Dann berichtete er von Versuchen, nach denen Pflanzen für Aussaat, Pflege und Ernte in vier Gruppen einzuteilen seien.

Wurzelfrüchte, Blatt-, Blüten- und Fruchtpflanzen ordnete er daher im 27-tägigen Umlauf des Mondes um die Erde Wurzel-, Blatt-, Blüten- und Fruchttagen zu, in denen gesät, gepflanzt oder geerntet werden sollte. "Die Erntezeit hat Einfluss auf die Haltbarkeit der Früchte", merkte er zudem an. Der ehemalige Forstmann stellte auch einen Aussaatkalender vor, der zu erkennen gibt, wie sich der auf- und der absteigende Mond, der nicht mit zu- und abnehmendem Mond verwechselt werden sollte, auf das Pflanzenwachstum auswirkt. "Im Zeitraum des absteigenden Mondes wurzeln in der Pflanzzeit die Setzlinge gut und verbinden sich schnell mit dem neuen Standort", gab er den Gartenfreunden mit auf den Weg. Zu bedenken sei aber, dass es der Mond "allein nicht macht". Wichtig sei daneben ein harmonisches Verhältnis von Dünger und Wasser.

"Der Mondrhythmus ist in allen Lebensbereichen ein wichtiger Faktor", betonte Kümmerl. Als Beweis dafür zeigte er ein Menschenbild des griechischen Arztes Hippokrates, um 460 vor Christus auf der Insel Kos geboren, der dem menschlichen Körper vom Hirn (Widder) bis zu den Füßen (Fische) Tierzeichen zugeordnet hat. Daraus ergebe sich, dass Operationen nicht zu beliebiger Zeit erfolgen sollten und Wunden bei Vollmond stärker bluteten.

Für den gut 100-minütigen besonderen Blick in die Natur bedankte sich Vorsitzender Hans Rupprecht beim Referenten mit einem kleinen Korb heimischer Spezialitäten. Dank und Anerkennung sagte er auch Günther Volkmann für die tatkräftige Mithilfe bei Baumschnitt und Bau eines Insektenhotels. Für Samstag, 23. März, ab 9.30 Uhr kündigte er einen Obstbaumschnittkurs am "Kalkofen" und für 24. April die Pflanzentauschbörse bei der Firma Zehrer an.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.