Eschenbach
06.03.2022 - 10:36 Uhr

Monika Diertl wagt mit 51 den Schritt in die Selbstständigkeit: Podologin eröffnet neue Praxis in Eschenbach

Auch wenn manche darüber staunen: Auch mit Ü50 lässt sich einer neuer Beruf erlernen. Dazu gehören allerdings Ehrgeiz und Begeisterung. Podologin Monika Diertl beweist es eindrucksvoll mit der Eröffnung einer neuen Praxis

Michael Dromann entspannt sich auf einem bequemen Luxussessel mit Fußrastern und lässt sich seine Füße pflegen. Der Chef des neuen Eschenbacher Vitalparks, die Liegenschaft gehörte bis 30. April 2021 zu den Kliniken Nordoberpfalz, strahlt bei der Behandlung seiner eigentlich gesunden Gehwerkzeuge. Es ist ein besonderer Tag im ehemaligen Kreiskrankenhaus. Ab sofort praktiziert Monika Diertl in Räumen, in denen früher Chirurgen und Internisten Patienten behandelten. Auf 70 Quadratmetern Größe ist sie nun „eigener Herr“ einer Fachpraxis für Podologie.

Die 51-jährige Eschenbachern wagte mutige Schritte. Nach dem schweren Schicksalsschlag mit dem tragischen Tod des Ehemannes, der Erziehung zweier Töchter und beruflichen Stationen als Metzgereifachverkäuferin und Servicekraft in der Aafes-Cafeteria Netzaberg suchte sie nach neuen beruflichen Herausforderungen. Voller Begeisterung und mit großem Engagement erlernte sie spät den Beruf der Podologin. Nach zweijähriger Ausbildung beim Deutschen Erwachsenenbildungswerk Schwabach und bestandener staatlicher Prüfung wagt sie nun den Schritt in die Selbstständigkeit. „Den Füßen einmal etwas Gutes tun“ heißt der Leitgedanke von Monika Diertl.

Im Mittelpunkt steht im großen Behandlungszimmer ein bequemer, vermeintlich überdimensionierter, ergonomischer und elektrisch bedienbarer Behandlungsstuhl. Ihm zu Füßen pflegt Monika Diertl fürsorglich, ja zärtlich die Füße ihrer Kunden. „Wir Menschen neigen dazu, unsere Füße zu wenig zu schätzen, obwohl sie uns unser Leben lang überall hin tragen“, betont sie. Für den ersten „Patienten“ ist es das reine Vergnügen auch ohne das „Vorglühen“ mit lauwarmen Wasser in der Schüssel. Smalltalk herrscht bei der Praxiseinweihung.

Das große Wissen über die Fußheilkunde erlernte Diertl spät. “Mit meinem Alter erstmal etwas komisch“, erklärte sie rückblickend. Die Ausbildung habe aus verschiedenen Teilgebieten wie Krankheitslehre, Orthopädie, Dermatologie, Psychologie und Soziologie und ganz besonders auch aus Hygiene bestanden. Eine Vollzeitausbildung mit Praktikas in den Kliniken in Bayreuth und Kemnath und in einem Podologiestudio. An einen Mangel an Patienten glaubt Monika Diertl nicht und verweist auf ihre umfassende Ausbildung zur Behandlung auch von Diabetes-, Parkinson-, Schlaganfall- und MS-Kranken.

Dazwischen genießt Michael Dromann die sorgsame Pflege seiner Fuße freudestrahlend. Gute Laune verbreiten auch die weiteren Gäste der kleinen Einweihungsfeier unter Beachtung der Corona-Infektionsschutzbestimmungen. Für Diertl ganz selbstverständlich: die kirchliche Segnung der schmucken Praxis. So weit die Füße tragen, lautet das Thema der örtlichen Geistlichkeit. „Wir brauchen im Leben einen festen Stand“, betont Pfarrerin Anne Utz und Stadtpfarrer Thomas Jeschner erinnert an die Fußwaschung Jesu am Gründonnerstag. Das künftige Behandlungsangebot der neuen Podologin sei letztlich ein Dienst am Mitmenschen auch im Auftrag Jesu Christi. Eine Orchidee als Symbol für Hingabe, Schönheit und Jugend überreicht Bürgermeister Marcus Gradl. Ein wohltuender Start mit vielen Gefühlen, gibt Monika Diertl zu. Dieses Wohlbehagen will sie künftig vielen Patienten vermitteln.

Info:

Was machen Podologen?

  • Podologie steht für medizinische Fußpflege
  • Dabei geht es nicht nur um die Optik der Füße, sondern vor allem um die Gesundheit
  • Podologen behandeln etwa Patienten mit Nagel- oder Fußpilz, helfen Menschen mit Fußfehlstellungen, übermäßiger Hornhautproduktion oder einem diabetischen Fußsyndrom
 
Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:
Zum Fortsetzen bitte

Sie sind bereits eingeloggt.

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein OnetzPlus- oder E-Paper-Abo.