08.06.2021 - 16:34 Uhr
EschenbachOberpfalz

Musikschulen im Landkreis Neustadt/WN: Ensembles kehren zu "Normalbetrieb" zurück

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Musik geht immer – auch in der Pandemie. Alleine Geige oder Trompete zu spielen, ersetzt aber nicht das Musizieren im Streichorchester oder in der Blaskapelle. Nun sind gemeinsame Proben in Musikschulen wieder möglich. Wie laufen sie an?

Nummerierte Gitarren für den Musikunterricht hängen an einer Wand. Nach monatelanger Corona-Zwangspause dürfen an den Musikschulen in Bayern seit Montag Gruppen und Ensembles wieder gemeinsam proben.
von Anita Reichenberger Kontakt Profil

Für Laienmusiker gab's bereits in der zweiten Maihälfte "Feuer frei". Seit Anfang dieser Woche dürfen nun auch Ensembles und Gruppen von Musikschulen wieder zusammen üben: wenn auch mit vielen Vorgaben. Drei Beispiele aus dem Landkreis:

Musikschule Vierstädtedreieck

Alles regeln, damit der Unterricht wieder in vollem Umfang stattfinden kann: Das ist die Aufgabe, der sich Joachim Steppert, der Leiter der Musikschule Vierstädtedreieck in Eschenbach, derzeit widmet. "Wir brauchen diese Woche, um zu organisieren", macht er deutlich. Denn vorzubereiten und zu berücksichtigen gibt es viel.

Das beginnt schon bei den Räumen bzw. deren Größe. Die Musikschule ist an den fünf Unterrichtsorten Eschenbach, Grafenwöhr, Kirchenthumbach, Pressath und Speinshart in Pfarrheimen und Schulen zu Gast. Deren Räume seien in der Zwischenzeit jedoch in manchen Fällen "anders genutzt worden, zum Beispiel als Klassenzimmer".

Teilweise müssten nun andere Räume organisiert werden, teilweise aber auch Ensembles geteilt werden: Da aufgrund der Abstandsregeln manche "Gruppen in der ursprünglich geplanten Größe nicht" möglich seien, erklärt Steppert anhand des Kinderchores.

Bei den Gruppen und Ensembles komme außerdem manches hinzu, was "wir noch gar nicht einschätzen können": Sind Schüler, die das Abitur gemacht haben, noch da? Stehen amerikanische Schüler, deren Sommerferien früher beginnen, zur Verfügung? Haben sich die Stundenpläne an den Schulen geändert oder die Termine der Freizeitaktivitäten? "Das ist eine ganz spannende Geschichte."

Folglich gestalte sich vor allem bei den Orchestern, insbesondere beim Nachwuchsblasorchester, die Abstimmung schwierig. Sie erfolge deshalb hauptsächlich direkt über die Lehrkräfte. Denn eventuell müssten diese ihre Stundenpläne so verändern, "dass es wieder passt".

Dagegen rechnet Steppert damit, dass bei den Erwachsenen die Veeh-Harfen und auch das Gitarrenensemble schon bald starten können. "Noch diese Woche" würden bereits die Blockflötengruppe in Kirchenthumbach und die Percussiongruppe in Speinshart, die in Verbindung mit den Schulen bzw. der Ganztagsbetreuung dort stehen, wieder anfangen: "Wir haben nur auf das Okay des Bayerischen Musikschulverbandes gewartet." Dieses sei jedoch erst am Sonntagvormittag eingetroffen. Zuvor "wussten wir nicht sicher, ob wir bei der Öffnung dabei sind: Das war wieder so offen formuliert."

Trotz alledem: Der Musikschulleiter ist optimistisch, dass die Organisation des Gruppen- und Ensembleunterrichts klappt. In den vergangenen Monaten habe man sich "so durchgehangelt, dass wir über die Zeit gekommen sind". Nun "sind wir glücklich, dass wir wieder dürfen".

Froh ist er noch über etwas anderes: "Wir haben keine coronabedingten Abmeldungen erlebt. Das hat uns sehr gefreut." Angemeldet sind an der Musikschule Vierstädtedreieck derzeit 414 Schüler: 346 Kinder und Jugendliche sowie 68 Erwachsene.

Da die Gruppen und Ensembles monatelang pausieren mussten, seien die Gebühren dafür ausgesetzt worden. Für die Lehrkräfte – insgesamt 15 an der Zahl – sei das über Kurzarbeit geregelt worden, die durch die Musikschule finanziell aufgestockt worden sei: "Die Lehrkräfte hatten keine Einbußen", betont Steppert.

Beim Einzelunterricht habe man "eigentlich keinen Unterrichtsausfall" gehabt, da dieser online erfolgt sei. Zum 4. Mai sei "wieder mit Freude in Präsenz umgestellt" worden, wobei es auch dabei "immer noch Einschränkungen" gebe.

Im Klavierunterricht etwa dürften nach wie vor Schüler und Lehrer nicht am gleichen Instrument sitzen, erläutert Steppert. Deshalb unterrichte der Lehrer an einem E-Piano oder Keyboard, während der Schüler das Klavier benutze. Und bei Blasinstrumenten kämen, weil dabei ja keine Masken getragen werden könnten, mobile Trennwände zum Einsatz. "Das wird uns weiter begleiten", schätzt Steppert.

"Wir hoffen jetzt auf ein normales Jahr", ist sein Blick aber auch bereits auf das Schuljahr 2021/2022 gerichtet. Normalerweise lade die Musikschule zur Information darüber zu einem Tag der offenen Tür ein. "Veranstaltungen aller Art", darunter öffentliche Vorspiele, seien aber weiter gestrichen. Nun gelte es, das mit Einzelterminen zu regeln. "Und wir haben die Homepage aufgerüstet."

Anton-Bruckner-Musikschule Eslarn

"Wir müssen erst einmal gar nichts", erklärt dagegen Jürgen Rohr in Sachen Ensembles und Gruppen. "Wir wissen, wir dürfen wieder; wer es machen will, der macht es." Der musikalische Leiter der Anton-Bruckner-Musikschule Eslarn allerdings setzt andere Prioritäten: Er ist dafür, "langsam wieder hochzufahren" – zumal die Möglichkeit zu gemeinsamen Proben etwa von Akkordeonorchester, Bigband und Gitarrenspielkreis erst seit Sonntag bekannt sei.

Nach etlichen Monaten Online-Einzelunterricht sei es seiner Ansicht nach zunächst wichtig, "dass sich die Schüler an das normale Unterrichtsgeschehen gewöhnen": "Alle haben danach gelechzt" – die 120 Schüler an den Unterrichtsorten Eslarn, Vohenstrauß, Luhe und Oberviechtach ebenso wie die fünf Lehrkräfte einschließlich Tanzlehrerin.

Denn der virtuelle Unterricht "war in den ersten vier bis fünf Wochen ganz witzig; aber je länger es gedauert hat, desto anstrengender war es", berichtet Rohr: Die Musikschule biete praxisorientierten Unterricht und der sei "über den Laptop bedingt machbar".

Die Online-Stunden sieht er deshalb nur als "eine Notlösung", um "wenigstens ein bisschen was" zu machen und Kontakt zu halten. Nun "schauen wir erstmal, dass wir die Schüler in ihren eigenen Bedürfnissen verbessern, verändern", sagt der musikalische Leiter mit Blick auf individuelle Schwächen, die im virtuellen Unterricht nicht ausgeglichen werden konnten.

Für bestehende Ensembles wie die Blaskapelle kann er sich gemeinsame Proben "schon eher" vorstellen. Das entscheide jedoch "der betreffende Lehrer für sich", auch abhängig vom vorhandenen Raum und dessen Größe. Für Rohr selbst steht Gruppenarbeit jedoch hintenan: "Das ist mir noch etwas zu heikel." Und er verweist auf einen weiteren Aspekt: "Wir haben gerade noch acht Wochen" in diesem Musikschuljahr.

Musikschule Neustadt/WN

Die Musikschule Neustadt/WN geht nach der Erlaubnis zu gemeinsam Proben gleich wieder in die Vollen: "Manche Ensembles beginnen bereits diese Woche, andere Spielkreise nächste Woche", teilt der musikalische Leiter Karl Wildenauer mit. Das sei den Lehrern freigestellt worden.

Keinen Spielraum gibt es dagegen bei den Vorgaben: "Die Schutz- und Hygienemaßnahmen sind sehr streng einzuhalten", betont er. Dabei sei man "sehr gewissenhaft" und "lieber übervorsichtig". So benutze die Musikschule in ihren Räumen in der Stadthalle beispielsweise nun Holzbänke statt gepolsterte Stühle.

Und das 88 Mitglieder starke Veeh-Harfen-Orchester sei auf sieben Gruppen aufgeteilt worden, da viele ältere Frauen und Männer mit von der Partie seien. Bei zwei Gruppen bestehe zudem die Möglichkeit, online mitzumachen.

Generell habe man "unheimlich früh" Online-Angebote gestartet, und zwar "eigentlich für alles" – auch für die Gruppen, also Stadtkapelle, Akkordeonorchester, Percussionorchester, Blockflötengruppe sowie Gitarrenensemble, und sogar für die Musikalische Früherziehung und den Musikgarten. Das sei "gleich von Anfang an gut angenommen worden". Und wer dies aus technischen Gründen nicht wahrnehmen konnte, habe in den Ferien den Unterricht in Präsenz nachholen können, informiert der musikalische Leiter.

Er verweist daneben auf weitere Änderungen im Musikschulbetrieb: kürzere Unterrichtsstunden, längere Pausen dazwischen – auch zum gründlichen Lüften – sowie Proben bei durchgehend geöffneten Fenstern. Und schließlich sei Einzelunterricht auch auf den Samstag gelegt worden,

Für die Lehrer bedeute dies zwar eine längere Verweildauer an der Musikschule, erläutert Wildenauer. Doch der große Organisationsaufwand und die viele Mühe zahlen sich aus: Unter den 577 Musikschülern und 22 Lehrkräften sei bisher kein Coronafall aufgetreten, merkt er erfreut an.

Auch deshalb traut sich die Musikschule an eine öffentliche Veranstaltung heran. Die Stadtkapelle, die als Laienmusik-Ensemble bereits seit drei Wochen wieder mit großer Freude probe – im Außenbereich der Stadthalle –, gibt am 22. Juli eine Serenade in der Freizeitanlage. Dies geschehe in Absprache mit der Stadt und "im Rahmen des Hygienekonzepts", stellt Wildenauer klar: "Dass sich was rührt musikalisch."

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Pressath
Hintergrund:

Die Bestimmungen für den Musikschul-Unterricht

  • 13. Bayerische Infektionsschutzmaßnahmenverordnung erlaubt Musikschulen bei
    Sieben-Tage-Inzidenz von unter 100 umfassende Öffnung – ohne Personenbe- und Facheinschränkung – ab 7. Juni. Instrumental- und Gesangsunterricht in Präsenzform danach unter folgenden Voraussetzungen möglich:
  • Mindestabstand von 1,5 Meter muss "durchgehend und zuverlässig eingehalten werden"; bei Blasinstrumenten und Gesang erweiterter Mindestabstand von 2 Meter in Sing-/Blasrichtung, bei Querflöte 3 Meter.
  • Für Lehrpersonal Pflicht zum Tragen einer medizinischen Gesichtsmaske im Rahmen der arbeitsschutzrechtlichen Bestimmungen. Für Schüler ab sechs Jahren FFP2-Maskenpflicht. Pflichten "entfallen nur, soweit und solange das aktive Musizieren eine Maskenpflicht nicht zulässt".
  • Betreiber hat Schutz- und Hygienekonzept auszuarbeiten. (rca)

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