18.07.2019 - 15:22 Uhr
EschenbachOberpfalz

Mutig aufstehen gegen Unrecht

Lautstark feiert die Markus-Gottwalt-Schule einen besonderen Titel: Im Beisein zahlreicher Ehrengäste wird sie als "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" zertifiziert. Auch die von den Schülern gewünschten Paten fühlen sich geehrt.

"Wir wollen Zeichen setzen für ein vorurteilsfreies Denken", betonen die Schüler Jana Kraus und Kevin Forster.
von Walther HermannProfil

Hochstimmung und Szenenjubel erlebte die Turnhalle der Schule zum Ende des Festakts. Verantwortlich dafür waren die "Troglauer Buam", die sich die Kinder und Jugendlichen als Paten auserkoren hatten. "Domml", Danny, Nicki, Willi, Mike und Roy jagten mit einem prominenten Viererbob durch den „Eiskanal“ der Bühne.

Zum Auftakt des Festakts begrüßten Schüler in zehn Varianten - von „Guten Morgen“ über „Salem aleikum“ bis „Servus“ - die Festversammlung. Einen besonderen Willkommensgruß entbot Rektor Wolfgang Bodensteiner Andrea Glaubitz von der Regionalkoordination Oberpfalz. Nicht minder herzlich begrüßte er Schulamtsdirektorin Elisabeth Junkawitsch, die Rektoren der Verbundschulen Pressath und Grafenwöhr, Ulrike Neiser und Thomas Schmidt, die Leiter der Nachbarschulen am Eschenbacher Bildungshügel, Peter Schobert, Thomas Reitmeier und Andreas Demleitner, Bürgermeister Peter Lehr sowie Vertreter von Schülermitverwaltung, Elternbeirat und Offener Ganztagsschule.

Der Rektor hinterfragte die Bedeutung der sechs Wörter, die Schüler und Lehrkräfte der Markus-Gottwalt-Schule (MGS) für diese erreichen wollten: "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage". Er konkretisierte diese mit ohne Beleidigungen und Benachteiligungen, Mut haben, mutig aufstehen und zitierte aus einem Schulzeugnis dieser Tage, das die beachtenswerte Bemerkung enthält: „Er setzte sich für Schwache ein und übernahm Verantwortung für ein friedvolles Miteinander.“ Bodensteiner leitete daraus den Appell ab: „Lasst uns mutig aufstehen, wenn einem Mitschüler Unrecht geschieht.“

Die Auszeichnung der Schulfamilie wertete Peter Lehr als beispielgebend für alle anderen Gesellschaftsbereiche. Der Bürgermeister bescheinigte der Bildungseinrichtung eine Geisteshaltung, die im Grundgesetz verankert ist und ihre Wurzeln in den unsäglichen Rassismus-Gräueltaten des NS-Regimes hat. Er sah im Grundgesetz, das er in Auszügen zitierte, ein Werk, „das Leitfaden und Verpflichtung für alle kommenden Generationen unseres Heimatlandes werden sollte“. Lehr würdigte die Einstellung der Schulfamilie, die getreu dem Motto „Wehret den Anfängen“ auf dem richtigen Weg sei.

Für Elisabeth Junkawitsch ist Courage etwas, das "zwischen Kühnheit und Wahnsinn angesiedelt ist", und bei der es auch ganz persönliche Ängste zu überwinden gelte. Die Schulamtsdirektorin nannte Beispiele und sah in der MGS eine Gemeinschaft, die zeigen wolle, „wir sind Menschen, um in der Welt aktiv positiv zu wirken". Viele Erwachsene könnten dies allerdings heute nicht mehr.

Das Schild mit der Aufschrift „Schule mit Courage“ wertete sie als Aushängeschild für Schule und Stadt. Junkawitsch leitete über auf den zweiten Begriff - Rassismus - und zeigte sich überzeugt, dass das eine das andere fordere: „Wenn es Menschen mit Courage gibt, dann gibt es weniger Diskriminierung.“ Sie zeigte sich stolz auf Schüler und Schule in Eschenbach.

Nach einem szenisch begleiteten „Ausgrenzungslied“ von Schülern stellte Andrea Glaubitz „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ als europaweites Demokratie-Netzwerk und größtes Schulnetzwerk in Deutschland vor, das vor 31 Jahren als Gegenpol zum stärker werdenden Rassismus in Belgien entstanden ist und seitdem auch auf Nachbarländer "übergegriffen" hat. Sie sprach von gewissen Voraussetzungen für den Titel, der erst der Anfang des Projekts gegen Diskriminierung, Mobbing und Rassismus sei, gegen die es dauerhaft anzukämpfen gelte.

„Informiert zu Beginn jeden neuen Schuljahres eure neuen Mitschüler über das Projekt und eure Erfolge und plant gemeinsam für jedes Schuljahr Projekte und Aktivitäten“, rief Glaubitz den Kindern und Jugendlichen zu. Sie sah in dem Titel keinen Preis und keine Auszeichnung für bereits geleistete Arbeit. Für ein friedlich es Zusammenleben hielt sie es vielmehr für erforderlich, andauernd aktiv zu sein. Gemeinsam mit den "Troglauern" übergab sie Urkunde und Schild.

Die überraschende Frage „Was haben Ilse Aigner, Kaya Yanar, Gregor Gysi und Ursula von der Leyen mit den 'Troglauern' gemeinsam?“ beantwortete Anja Bräu mit: „Sie sind Paten für das Projekt 'Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage'.“ Die Konrektorin ging auf Inhalte und Aussagekraft der beiden Worte sowie auf die von der Klasse M 10 mit Schulsozialarbeiterin Maria Rübe-Hitzinger entworfenen Projekt-Konzepte ein.

Jana Kraus und Kevin Forster zeigten sich stellvertretend für alle Schüler stolz auf die Zertifizierung. Ihr Wunsch war es, dass sich alle Kinder, gleich welcher Hautfarbe oder Herkunft, an der Schule wohl fühlen. Die jungen Redner zeigten sich zuversichtlich, ein Zeichen setzen zu können und das vorurteilhafte Denken aus den Köpfen der Menschen zu bekommen. An die "Troglauer" gewandt, versicherten sie: „Wir sind richtig begeistert, dass ihr euch Zeit für uns nehmt und uns in unserem Vorhaben unterstützt. Wir hätten keine besseren Paten als euch finden können.“

Damit war die Stunde der Paten gekommen. Thomas Wöhrl, genannt "Domml", dankte dafür, bei dem Festakt dabei sein zu dürfen und sah in der Patenschaft eine große Ehre. Als er fragte, „Wollt ihr Musik auch noch hören?“, dröhnte ein geradezu markerschütternder "Ja"-Schrei durch die Halle. Eingebunden in den Auftritt, der mit den „Haberfeldtreibern“ endete, war eine sehr bewegungsreiche "Bobfahrt" mit "Steuermann" Wolfgang Bodensteiner und den „Anschiebern“ Anja Bräu, Peter Lehr und Maria Rübe-Hitzinger.

Schulleitung, "Troglauer Buam", Ehrengäste und Schüler bejubeln die Übergabe des Schildes "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage".
"Wir sagen 'Hey, hey, wir sind die harten Männer, wir fahren mit dem Bob'": "Domml" (links) stellt einen Vierbob mit Wolfang Bodensteiner, Anja Bräu, Peter Lehr und Maria Rübe-Hitzinger (von rechts) zusammen und führt die Mannschaft nach links, nach rechts, nach hinten und über vieler Hopser.
Im Blickpunkt:

Diskriminierung überwinden

93 Prozent der Schüler und der an der Markus-Gottwalt-Schule tätigen Erwachsenen unterzeichneten die Verpflichtung:

"1. Ich werde mich dafür einsetzen, dass es zu einer zentralen Aufgabe meiner Schule wird, nachhaltige und langfristige Projekte, Aktivitäten und Initiativen zu entwickeln, um Diskriminierungen, insbesondere Rassismus, zu überwinden.

2. Wenn an meiner Schule Gewalt, diskriminierende Äußerungen oder Handlungen ausgeübt werden, wende ich mich dagegen und setze mich dafür ein, dass wir in einer offenen Auseinandersetzung mit diesem Problem gemeinsame Wege finden, uns zukünftig zu achten.

3. Ich setze mich dafür ein, dass an meiner Schule einmal pro Jahr ein Projekt zum Thema 'Diskriminierungen' durchgeführt wird, um langfristig gegen jegliche Form von Diskriminierung, insbesondere Rassismus, vorzugehen."

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