15.11.2019 - 12:06 Uhr
EschenbachOberpfalz

Neue Perspektive für historische Gemäuer

Fällt im Zusammenhang mit Baumaßnahmen der Begriff "Denkmalschutz", beschleicht viele Bauherren ein ungutes Gefühl. In den Sinn kommen eine Flut von Auflagen, komplizierte Bauarbeiten und horrende Zusatzkosten – aber nicht nur.

Das frühere Landratsamt in Eschenbach ist aktuell eine der größten und aufwändigsten Baustellen des Landkreises. Landrat Andreas Meier (Mitte) lässt sich von Architekt Karlheinz Beer, Kreisbaumeister Werner Kraus sowie von Simon Herbert und Heribert Eckl vom Bauunterhalt des Landratsamtes den Baufortschritt zeigen.
von Externer BeitragProfil

Dieses Dinge kommen vielen – nicht ganz zu Unrecht – in den Sinn. Es sind aber auch Begriffe wie "Bewahrung von Geschichte", "Verantwortung für Besitz und Eigentum" und "Wohn-, Arbeits- und Lebensqualität", die mit einem historischen Objekt verbunden sind. Um letztere Sichtweise geht es auch auf einer der momentan größten und aufwändigsten Baustellen des Landkreises: das frühere Landratsamt in Eschenbach. Prominent gelegen am oberen, westlichen Ende des Stadtplatzes der ehemaligen Kreisstadt stellt das historische Pflegschloss aus den Anfängen des 18. Jahrhunderts einen wichtigen Eckstein dieses Areals dar.

Bis zum vorübergehenden Umzug in die Räume des ehemaligen Kreiskrankenhauses waren in dem Gebäude unter anderem die Zulassungs- und Führerscheinstelle des Landkreises, ein Schilderverkauf und hauptsächlich die VHS Eschenbach untergebracht. Der zunehmend schlechte bauliche Zustand des Objekts, das sich im Eigentum des Freistaates Bayern befand, stellte den Landkreis vor die Frage, ob man generell in andere Räume umziehen wolle oder nach einem Kauf eine umfangreiche Generalsanierung in Angriff nehmen sollte. Unterstützt durch die Stadt Eschenbach, die sich im Rahmen der Städtebauförderung finanziell beteiligt, fiel nach reiflichen Diskussionen und Überlegungen der Entschluss zum Erwerb.

Seitdem hat sich auf der Baustelle direkt neben der Polizeiinspektion viel getan. Am auffälligsten ist der Rückbau aller Räume bis aufs Mauerwerk, die komplette Erneuerung der Holzfußböden sowie die umfangreichen Arbeiten vor allem an den historischen Holzdecken. Diese sind zum Teil mit Stuck verziert. Der Dachstuhl ebenfalls wurde saniert, die Eindeckung erneuert und im Gebäude der Aufzugsschacht eingezogen. Dieser sorgt für die nötige Barrierefreiheit. Um den Brandschutz und die Fluchtwege sicherzustellen, ergänzt künftig ein im Innenhof angebautes, zweites Treppenhaus das Sicherheitskonzept.

Die vielleicht weitreichendste Veränderung sieht man im ehemaligen Turn- und Gymnastikraum der VHS im Erdgeschoss. Indem eine Zwischendecke entfernt wurde, entstand ein zweigeschossiger Veranstaltungsraum, der künftig auch für Veranstaltungen im kulturellen Bereich genutzt werden kann, wie Architekt Karlheinz Beer erklärte. Er leitet federführend das Projekt und stellte Landrat Andreas Meier gemeinsam mit den für den Hochbau zuständigen Fachleuten des Landratsamtes, Kreisbaumeister Werner Kraus, Heribert Eckl und Herbert Simon, bei einem Baustellentermin den aktuellen Stand vor.

Die Gesamtkosten der Generalsanierung betragen laut Kostenberechnung Stand Oktober rund 3,5 Millionen Euro, wobei in denkmalgeschützten Objekten immer gewisse finanzielle Risiken und Unsicherheiten mit eingepreist werden müssen. Landrat Meier jedenfalls ist überzeugt, dass die Entscheidung für den Erhalt und die Sanierung des ehemaligen Landkreissitzes richtig war: "Wenn wir als öffentliche Hand keine Verantwortung für solche Gebäude übernehmen, dann wird es auch kein anderer tun. Somit gingen bedeutende Teile unserer Geschichte dann unwiederbringlich verloren", betonte Meier. Wichtig sei ihm auch, dass mit der Zulassungsstelle und der VHS nach Abschluss der Arbeiten Mitte 2021 wieder eine optimale Nutzung und somit "Leben" in die historischen Gemäuer zurückkehren wird.

Das frühere Landratsamt in Eschenbach ist aktuell eine der größten und aufwändigsten Baustellen des Landkreises. Landrat Andreas Meier (Mitte) lässt sich von Architekt Karlheinz Beer, Kreisbaumeister Werner Kraus sowie von Simon Herbert und Heribert Eckl vom Bauunterhalt des Landratsamtes den Baufortschritt zeigen.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Aktuell und Wissenswert

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.