11.12.2018 - 18:05 Uhr
EschenbachOberpfalz

Neue Sanitäranlagen für Hotel "Rußweiher"

Den Sanitärräumen der Camping- und Freizeitanlage steht eine „Verjüngungskur“ bevor. Bei einem Ortstermin verschaffte sich der Stadtrat erste Eindrücke und Erkenntnisse über die aus den frühen 1980er Jahren stammenden Räum und Anlagen.

Nach rund 35-jähriger Nutzung durch Camper entsprechen die Sanitäranlagen nicht mehr die heutigen Erfordernissen.
von Walther HermannProfil

Beim Gang durch die auf mehrere Räume verteilten Sanitäreinrichtungen zeigten sich die Kommunalpolitiker überzeugt, dass diese nach 35-jähriger Nutzung nicht mehr heutigen Ansprüchen und Erfordernissen entsprechen. Seniorenbeauftragter Udo Müller mahnte zudem das Fehlen behindertengerechter Einrichtungen an, wie Toilette und Zugang zum Restaurant. Diesen beiden Mängeln räumten die Besucher oberste Priorität ein. Ziel des Ortstermins mit Pächterin Brigitta Rodler war es, den Stadträten für anstehende Entscheidungen Kenntnisse aus erster Hand zu verschaffen.

Bauhofleiter Norbert Braun wies noch auf Mängel an der Bedachung mit Welleternit hin. Sie stammt noch aus der Bauzeit des Gebäudes. Das ehemalige Schullandheim wurde im Juli 1956 erstmals durch eine schottische Schulklasse genutzt, die der damaligen Privaten Realschule (heute Gymnasium) einen Besuch abstattete. „Bei Starkregen treten Wasserschäden auf“, berichtete Braun.

Das Schicksal des Gebäudes führte Ende der 1970er Jahre zu landesweiten Reaktionen. Vorausgegangen waren in den 1950er Jahren langwierige Verhandlungen der Stadt zum Erwerb der Grundstücke, die sie mit notariellem Vertrag vom 30. März 1955 dem Schullandheimverein für Oberpfalz und Niederbayern ohne Gegenleistung übereignete. Die Gesamtfläche betrug nahezu 12 000 Quadratmeter. Zusätzlich stellte die Stadt das Holz für die Dachkonstruktion und die Masten für die Stromversorgung zur Verfügung. Weiterhin waren die am Bau beteiligten Firmen gehalten, auf Spendenbasis Preisnachlässe zu gewähren. Die unverständliche Praxis des Schullandheimvereins ließ jedoch langfristig nur eine unbefriedigende Belegung und Ausnutzung des Gebäudes zu: Eingelassen wurden nur Volksschüler aus Niederbayern und der Oberpfalz. In den 1970er Jahren wurden Stimmen laut, die einen Weiterbestand infrage stellten. Karl Männer, Direktor des Schullandheimwerks, versprach jedoch anlässlich eines Informationsbesuchs im Februar 1976, sich aufs äußerste für den Weiterbestand einzusetzen. Die Belegungsquote lasse eine Weiterführung des Hauses zu. 1975 war übrigens erstmals ein Verkauf zur Debatte gestanden. Der Stadt die Anlage für 800 000 bis zu einer Million DM zum Kauf angeboten worden.

Wie eine Bombe schlug daher im Februar 1979 die Nachricht von Bürgermeister Walter Ficker ein, er habe durch die Gemeinde Speinshart zufällig erfahren, dass das Schullandheim mit Vertrag vom 18. Januar 1979 bei einem Regensburger Notar für 400 000 DM an die Firma „Treuhand Bau- und Immobiliengesellschaft“ mit Sitz in Alkofen (Niederbayern) verkauft worden sei. Und dies, obwohl die Stadt bereits mit Schreiben vom 15. April 1966 bei einem eventuellen Verkauf den Wertersatz für die Grundstücke und das Bauholz nach dem Zeitwert eingefordert hatte.

Walter Ficker richtete daraufhin Beschwerdeschreiben an die Regierung der Oberpfalz und an das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus, der Eschenbacher Kreisrat Ernst Sondermann informierte in der Kreisausschusssitzung vom 26. Februar 1979 über den „dubiosen Verkauf“ und am 3. April 1979 bat der Weidener MdL Willibald Moser die bayerische Staatsregierung um Aufklärung über die Vorgänge beim Verkauf des Heimes. Der Stadtrat warf dem Schullandheimverein vor, jahrelang keine Instandhaltungsmaßnahmen veranlasst und sich auf Kosten der Stadt bereichert zu haben. Der Kreistag sprach von einem Akt der Unfairness und davon, das Haus ohne Erhaltungsaufwand seinem Schicksal überlassen zu haben. Das Kultusministerium übte Kritik an der Überlassung des Grundstücks im Jahr 1955 und begründete dies mit der offensichtlich nicht erfolgten Meldung an das Landratsamt als Aufsichtsbehörde und mit der Bayerischen Verfassung, nach der das Verschenken von Grundvermögen unzulässig ist. Das Ministerium merkte zudem an, dass nach der Richtwertübersicht vom 31.12.1977 im Landkreis Neustadt an der Waldnaab für den Wert der Grundstücke ein Betrag von 32 DM pro Quadratmeter zugrundzulegen sei. Aus Eschenbach wurden die alljährlichen Sammlungslisten des Schullandheimvereins, versehen mit entsprechenden Vermerken, nach Regensburg zurückgesandt.

Noch im Jahr 1979 gelang der Stadt nach Rücktritt der Alkofener Gesellschaft vom Kauf die Anlage vom Schullandheimwerk zu erwerben. Der Vertrag vom 12. Dezember 1979 wurde damals als Weihnachtsgeschenk betrachtet. Nach Investitionen von 5,4 Millionen Mark in zwei Bauabschnitten wurde die neugeschaffene Hotelanlage am 26. April 1984 offiziell eingeweiht. Erster Pächter war Werner Spillner. Im Jahr 2011 folgte eine aufwändige Renovierung der Fremdenzimmer und des Gastronomiebereichs.

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