09.01.2019 - 16:03 Uhr
EschenbachOberpfalz

Polizei geht freiwillig ins Gefängnis

Könnte die Alte Fronveste sprechen, hätte das historische Gemäuer viele spannende Geschichten zu erzählen - von "Leichten Mädchen" und Alkohol-Schmugglern. Jahrhunderte später wird nun ein neues Kapitel aufgeschlagen.

Rohbau-Atmosphäre herrscht im alten Gefängnis neben der Eschenbacher Polizeidienststelle.
von Anne Spitaler Kontakt Profil

Noch hallen die Schritte von Werner Stopfer in den leeren Räumen des alten Gefängnisses wider. Noch riecht es nach Mörtel. Noch erinnern die Innenwände an Flickenteppiche, in denen neue und alte Ziegelsteine, Sandsteine und alles, was die Erbauer 1817 finden konnten, ineinander verwoben sind. Noch ist das ehemalige Gefängnis neben der Eschenbacher Polizeistation, das immer wieder neu genutzt wurde und von 1989 bis dato sogar komplett leer stand, ein Rohbau. Doch das könnte sich heuer ändern, hofft der Dienststellenleiter. 2019 könne hoffentlich die restliche Innensanierung starten. Denn die Eschenbacher Polizei will es sich zusätzlich in dem ehemaligen Gefängnis gemütlich machen und so dem bisherigen Platzproblem entkommen. "Es ist alles ziemlich beengt", sagt Stopfer über die jetzige Wache. Schlecht sei auch, dass der Beamte, der am Funktisch sitzt, keinen Sichtkontakt in den Verhörraum hat. Der Sozialraum sei winzig und habe nicht einmal ein Fenster. Überhaupt habe die Dienststelle schon bessere Zeiten gesehen: Der Bodenbelag wölbt sich, die Einrichtung ist alt. Seit 1972 hat die Dienststelle innen kaum eine Sanierung erlebt. "Nur was dringend erforderlich war."

Denkmalgeschütztes Haus

Deshalb will Stopfer mit der Sanierung des ehemaligen Gefängnisses gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Ist dieses saniert, können die Polizisten dort übergangsweise einziehen, damit das Hauptgebäude ebenfalls saniert werden kann - vorausgesetzt das Innenministerium gibt für eine Förderung grünes Licht. "Die Zusage für die Sanierung haben wir schon." Beide Gebäude wären dann auf dem neuesten Stand und könnten genutzt werden. Platz sei nach den Umbauten genug. Es werde aber noch drei bis vier Jahre dauern, bis alles fertig ist, schätzt Stopfer. Die Arbeiten seien aufwendig und teuer. "Mehrere 100 000 Euro für ein Gebäude."

Damit das neue Kapitel im Buch der Alten Fronveste aufgeschlagen werden kann, war und ist noch viel Arbeit notwendig. Nicht nur bröckelige Mauern, ein maroder Dachstuhl und Feuchtigkeit in den Räumen erschweren die Sanierung, das Gebäude steht auch noch unter Denkmalschutz. Besondere Auflagen müssen eingehalten werden. "Das Einzige, das nicht mehr so umgesetzt werden konnte wie früher, ist das Sichtmauerwerk", berichtet der Grafenwöhrer. Damit die neuen Außenwände den alten optisch trotzdem ähneln, malte ein Maler Hunderte graue Striche auf den weißen Putz und ahmte so das Mauerwerk nach.

Dachstuhl wie früher

Innen möchte Stopfer ein besonders schönes Stück Sandsteinwand an der Treppe erhalten und den Putz dort außen herum anbringen lassen. Urig und modern sollen sich abwechseln. Modern wird es zum Beispiel, wenn der Verbindungsgang zwischen Fronveste und jetziger Dienststelle entsteht. Vom ersten Stock aus verbindet er die beiden Gebäude, damit die Beamten schnell zu den neuen Verhörräumen gelangen können, sollte es dort mal Ärger geben. Einen detaillierten Plan zu dem sieben Meter langen Übergang gibt es aber noch nicht. Der Dachstuhl hingegen ist schon fertig. Er musste komplett erneuert werden - der Holzwurm hatte an ihm genagt. "Der Dachstuhl wurde wieder so hingestellt wie er war", erzählt Stopfer. Der Duft von frischem Holz durchströmt den großen Raum. Dort sollen die Umkleiden entstehen. In den anderen beiden Stockwerken sind Verhörzimmer, Besprechungsräume, Büros und für das Übergangsjahr auch die Wache geplant. Die beiden Zellen bleiben aber im Hauptgebäude und ziehen nicht mit ins alte Gefängnis um, in dem dann endlich wieder Leben einkehrt.

Die Sandsteine will Werner Stopfer in Szene setzen.
Holzsprossenfenster und aufgemaltes Mauerwerk geben der Alten Fronveste ihren historischen Charme zurück. Werner Stopfer, Dienststellenleiter der Polizeiinspektion Eschenbach, gefällt das neue Schmuckstück.
Der Dachstuhl ist komplett neu. Im alten Gebälk hatte sich der Holzwurm zu schaffen gemacht.
Die derzeitige Polizeiwache in Eschenbach hat schon ein paar Jahre auf dem Buckel.
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