16.04.2019 - 16:09 Uhr
EschenbachOberpfalz

Realschule gegen Wirtschaftsschule: Grafik sorgt für Ärger

Konkurrenzkampf um Schüler ist normal. Aber ist die Realschule Kemnath mit einer Vergleichsgrafik zu weit gegangen? Der Schulleiter schweigt, das Ministerium fordert ein faires Miteinander.

Die Realschule Kemnath.
von Matthias Schecklmann Kontakt Profil

Weiterführende Schulen stehen in Konkurrenz zueinander. Es wird aktiv um Schüler geworben, oft durch Tage der offenen Tür oder andere Aktionen. Doch wie weit darf der Konkurrenzkampf gehen? Die Realschule Kemnath veröffentlichte am 30. März auf ihrer Facebook-Seite und der Schul-Homepage eine Grafik über einen Vergleich, der die Vorteile einer Realschule gegenüber einer Wirtschaftsschule aufzeigen sollte.

Dabei wird unter anderem die Stundenanzahl der sechsstufigen Realschule mit der einer fünfstufigen Wirtschaftsschule verglichen. Im Fazit des Vergleichs heißt es: "Das Niveau der Realschule ist etwas höher als auf der Wirtschaftsschule, das macht sich u.a. auch dadurch bemerkbar, dass Wirtschaftsschüler es auf der FOS nicht so einfach haben und ihnen die Vorklasse bzw. der Vorkurs empfohlen wird."

An den Wirtschaftsschulen Eschenbach und Weiden, an der ab dem kommenden Schuljahr ein Übertritt bereits ab der 6. Klasse möglich ist, kam dieser Vergleich nicht gut an. "Die Schulen in Bayern stehen selbstverständlich im Wettbewerb. Dieser sollte sich jedoch auf den Wettbewerb um die bestmögliche Bildung jedes einzelnen Lernenden beschränken. Die Schülerinnen und Schüler sollten nach ihrer Eignung, Leistung und Befähigung die für sie passende Schulart wählen", sagt Schulleiter Thomas Reitmeier auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien mit. Der Vergleich der Unterrichtsstunden sei in mehrerlei Hinsicht nicht nachvollziehbar. Dass in fünf Jahren an der Wirtschaftsschule weniger Stunden zusammenkommen als in sechs Jahren an einer Realschule, sei zwangsläufig so.

Thomas Reitmeier, Schulleiter der Wirtschaftsschulen Eschenbach und Weiden.

Gleichwertige Abschlüsse

Zu der Behauptung, dass das Niveau an der Wirtschaftsschule niedriger sei, erklärt Reitmeier: "Beide Schularten vermitteln gleichwertige Bildungsabschlüsse. In der Übersicht wird den Wirtschaftsschülern die Vorklasse oder der Vorkurs empfohlen, wobei die Wirtschaftsschule bereits im zweiten Jahr die Abschlussprüfung nach ,LehrplanPLUS' ablegt. Mathematik ist demnach Pflichtfach und Abschlussprüfungsfach, so dass Wirtschaftsschüler in der Regel gar nicht mehr in die Vorklassen oder -kurse der FOS aufgenommen werden."

Als "faktisch unmöglich" bezeichnet er den Vergleich, "aufgrund der unterschiedlichen Ausrichtungen der Schularten und der Zugehörigkeit zu allgemeinbildendem (Realschule) und beruflichem Schulwesen (Wirtschaftsschule)".

Dieser Beitrag auf der Facebook-Seite der Realschule sorgte für Aufregung. Inzwischen ist er gelöscht.

Beitrag gelöscht

Auch auf einer Fachtagung von Wirtschaftsschulexperten wurde Anfang April über den Schulvergleich gesprochen. "Ein aufgewühlter Schulleiter hat daraufhin die zuständige Ministerialbeauftragte für die Realschulen in der Oberpfalz kontaktiert", erklärt Reitmeier. So erklärt er sich, dass die Realschule Kemnath den Beitrag inzwischen sowohl auf Facebook als auch auf der Homepage gelöscht hat. Er selbst sei zwar verärgert über den Vergleich und die Vorgehensweise der Kemnather Schule gewesen, habe sich aber gegen eine "intervenierende Vorgehensweise" entschieden.

German Helgert, Direktor der Realschule Kemnath, wollte auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien keine Stellungnahme abgeben und verweist auf das Kultusministerium. Die Pressesprecherin dort, Julia Kuntz, erklärt auf Nachfrage, dass Schulen durchaus aus Informationsgründen ihre Stärken und Profile darstellen dürfen, um die Kinder und Eltern bei der Wahl der richtigen Schulart zu unterstützen. "Dies sollte aber im Miteinander, nicht im Gegeneinander der verschiedenen Schularten geschehen. Alle Schulen haben im Rahmen ihres gemeinsamen Bildungs- und Erziehungsauftrags eine eigenständige und gleichwertige Aufgabe. Dies sollten die Schulen auch bei ihrer Eigenwerbung und Informationspolitik berücksichtigen", informiert Kuntz.

Info:

Social-Media-Auftritt von Schulen

Die Realschule Kemnath betreibt seit März 2019 eine eigene Facebook-Seite. Dort wurde auch die Grafik veröffentlicht, die Wirtschafts- und Realschulen vergleicht. Das Ministerium erklärt dazu auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien: "Generell empfiehlt das Bayerische Kultusministerium seinen Schulen, auf Social Media Auftritte zu verzichten, insbesondere aus datenschutzrechtlicher Sicht."

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