03.06.2020 - 16:33 Uhr
EschenbachOberpfalz

Schlammschicht geht es an den Kragen

Ein ungewöhnliches Wasserfahrzeug zieht seit Dienstag seine Kreise im Rußweiher. Das gelegentliche Anlegen im Bootshafen dient der Aufnahme von insgesamt neun Tonnen Schlammlöser.

Die "Oase" bringt insgesamt neun Tonnen "Schlixx-Plus" in den Rußweiher ein.
von Walther HermannProfil

„Unsere Zukunft liegt auf dem Wasser“, erklärte 1898 Kaiser Wilhelm II. Vor 125 Jahren, am 21. Juni 1895, hatte er bei einer internationalen Flottenparade den Kaiser-Wilhelm-Kanal, den heutigen Nord-Ostsee-Kanal, mit seiner Kaiserjacht „Hohenzollern“ eröffnet.

Die Zukunft des Rußweihers liegt möglicherweise im Schlammlöser „Schlixx-Plus“, mit dem an Bord die Firmenjacht „Oase“ des Hofer Unternehmens Söll in See stach. Ziel ist es auch heuer, durch Injizieren des hochwirksamen mineral-biologischen Produkts die Schlammschicht im Rußweiher zu minimieren.

Eine erste derartige Aktion hatte im Herbst 2016 im oberen Teil des Gewässers stattgefunden. Das nur einige Wochen später erfolgte Ablassen des Obersees minderte den erhofften Erfolg jedoch erheblich. Die Stadt zog daraus die Konsequenzen und ließ die nächste Aktion bereits im April 2019 folgen.

Im Gegensatz zur Arbeitsweise im September 2016, als ein Rohrstab zum Einbringen des Schlammlösers verwendet wurde, glich das neue System im vergangenen Jahr dem Einbringen von Dünger in der Landwirtschaft. Effizienter und zugleich einfacher war die GPS-überwachte und teilautomatisierte Arbeit dadurch geworden, dass auf einem Tablet nicht bediente Stellen erkennbar gemacht und nötigenfalls Nacharbeiten empfohlen wurden. Das Einbringen von 7,5 Tonnen des Materials gestaltete sich dadurch sehr einfach und wenig zeitaufwändig.

Das gleiche Verfahren wird auch diesmal angewendet. Beobachtet wird die Schlammkur als umfassendes Gewässermonitoring-Programm vom Bayerischen Landesamt für Umwelt in Zusammenarbeit mit dem Wasserwirtschaftsamt Weiden. Als dessen Vertreterin ist Biologin Dr. Andrea Gall vor Ort. Zu ihr gesellen sich als weitere hochkarätige Gäste Professor Tilmann Lüders, Experte für Umweltökonomie und Toxikologie für Gewässer und Sedimente und Biologin Juliane Valle, beide von der Universität Bayreuth, sowie der an einem Dresdner Umweltbüro tätige Dr. Kai-Uwe Ulrich.

Während Lüders Untersuchungen von Sedimenten durch geochemische Messungen vor und nach dem Einbringen des Schlammlösers vornimmt und Bakterienarten bestimmt, erstellt Ullrich Gutachten zur Veränderung der Schlammhöhe. Für die letztjährige Maßnahme im oberen Teil des Rußweihers hatte er einen durchschnittlichen Schlammabbau von 22 Zentimeter ermittelt, der einer Gesamtmenge von 30 000 Kubikmeter entspricht.

Bei dem auch jetzt verwendeten Mittel „Schlixx-Plus“ handelt es sich um ein mineralisch-biologisches Produkt für die ökologische Sanierung von Gewässern aller Art. Seine Komponenten machen das Mittel hochwirksam gegen organische Gewässerschlämme und Ablagerungen, da sein mineralischer Bestandteil die Sedimentschicht am Grund mit Aktivsauerstoff direkt oxidiert. Zusätzlich beginnen hochaktive Mikroorganismen umgehend nach dem Einbringen ins Gewässer mit dem Abbau von organischem Schlamm, Ablagerungen und Mulm, einem lockeren Sediment aus organischem Material wie Pflanzenresten.

Söll-Geschäftsführer Thomas Willuweit betonte zum Auftakt der Aktion die Vorteile des Schlammlösers. Dieser sei umweltverträglich und kostengünstig. Nach seinem Kenntnisstand könne von keiner akuten, nur von einer abstrakten Gefährdung ausgegangen werden, erklärte der Diplom-Chemiker mit Blick auf das zweiwöchige Badeverbot, das das Gesundheitsamt als vorbeugende Maßnahme erlassen hat.

Geballte wissenschaftliche Kraft begleitet die Schlammbehandlung im Rußweiher: Im Bild (von links) Thomas Willoweit, Dr. Andrea Gall, Juliane Valle und Professor Tilmann Lüders.
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