27.02.2020 - 12:43 Uhr
EschenbachOberpfalz

So hat die Varroamilbe keine Chance

„Machen Sie Varroa-Diagnose bei jedem Volk. Ohne lückenlose, konsequente Befalls- und anchließende Erfolgskontrolle können Sie nicht erfolgreich sein. Wenn Sie hier nachlässig sind, bringen Sie alle Behandlungskonzepte zu Fall.“

Mit einem Vortrag über biotechnische Maßnahmen zur Bekämpfung der Varroamilbe stellt sich Renate Feuchtmeyer, die neue staatliche Fachberaterin für Bienenzucht, beim Eschenbacher Imkerverein vor.
von Georg PaulusProfil

Es waren klare Worte von Renate Feuchtmeyer, der staatlichen Fachberaterin für Bienenzucht, mit denen sie in der Jahreshauptversammlung der Imker im Kleintierzüchterheim biotechnische Maßnahmen zur Varroa-Bekämpfung erläuterte.

Die Völker seien längst am Höhepunkt ihrer Entwicklung angekommen, begann sie ihr Referat. Dies treffe leider nur für die Bienen, aber nicht für die Varroamilben zu. Hier gehe die Entwicklung beinahe ungebremst weiter. „Bisher haben die Völker für Sie gearbeitet, jetzt sollten Sie für ihre Völker arbeiten“, betonte Feuchtmeyer: "Die Varroa-Diagnose sollte für jeden Imker Pflicht werden.“

Die Milbenbelastung der Völker sei ein individuelles Problem und falle teils unterschiedlich aus. "Die Populationsdynamik der Varroamilbe gibt uns Rätsel auf, sorgt für Überraschungen", erklärte die Fachberaterin. Der Schlüssel zu verlustfreiem Imkern sei die Varroa-Diagnose. Regelmäßig kontrollieren und „schadschwellenorentiert“ handeln, lautete ihr dringender Rat.

Zur Varroa-Bekämpfung sei die Brutunterbrechung oder -entnahme gut geeignet. Das Bannwaben-Verfahren sei dafür eine bekannte biotechnische Maßnahme. Der Grundgedanke dabei vereine die Ansätze der kompletten Brutentnahme mit denen der künstlichen Brutunterbrechung, erläuterte Feuchtmeyer.

Mittels einer Wabentasche aus Absperrgittern werde dabei die Königin für 27 Tage „separiert“, damit sie nur in der Wabentasche Eier legen kann. Während dieser Zeit schlüpfen alle Bienen aus den übrigen Brutwaben außerhalb der Wabentasche. Neun Tage danach sei die bebrütete Wabe in der Tasche gegen eine „neue“ Leerwabe tauschen und neben die Wabentasche zu hängen. Dies sei drei Mal zu wiederholen.

Die Varroamilben fänden so nur noch auf kontrolliert bebrüteten Waben geeignete Brutzellen zur Vermehrung und drängen in sie ein. Nach ihrer Verdecklung könnten die Bannwaben mitsamt Milben entnommen werden. „So können Völker ohne Medikamente behandelt und gleichzeitig Altwaben entsorgt werden“, merkte die Referentin an. Die Königin könne stattdessen auch vier Mal im Abstand einer Woche umgesetzt werden: „Diese 28-Tage-Variante mit 4 Bannwaben eignet sich gut für Wochenend-Imker."

Im Gegensatz zum Bannwaben-Verfahren werden bei der kompletten Brutentnahme alle Brutwaben mit den darin befindlichen Varroamilben gleichzeitig entnommen. Da das Volk nach diesem Eingriff vollkommen brutfrei ist, könne mit Oxalsäure behandelt werden, sagte die Fachberaterin. Allerdings könne auch auf Medikamente verzichtet werden. Dazu sei eine Wabe mit möglichst viel junger Brut in das sonst brutfreie Volk zu hängen: "Dadurch lockt man die restlichen Milben in die Brutzellen." Feuchtmeyer sprach von einer biologischen Falle. Nach der Verdeckelung seien die Fangwabe einschließlich der Milben zu entnehmen, die entnommenen Brutwaben einzuschmelzen, dadurch die Wabenhygiene zu verbessern und das Wachs zu ernten.

Die Expertin beschrieb auch detailliert eine Alternative: Sammelbrut-Ableger. Drei Wochen nach der Bildung sei die alte Brut geschlüpft, und alte Waben könnten nach Bedarf ersetzt werden. Bei entsprechender Behandlung, zum Beispiel mit Oxalsäure, wachse rasch ein überwinterungsfähiges Jungvolk heran. Die behandelten Völker gingen ihrerseits verstärkt in Brut und holten so die Entnahme der alten Waben rasch auf. Gleichzeitig zur Varroa-Behandlung erhalte man somit "kompakt sitzende Brutnester auf hellem Wabenwerkideal für die kommende Winterbienen-Aufzucht".

Im Gegensatz zum Bannwaben-Verfahren werde die Königin bei der künstlichen Brutunterbrechung gänzlich an der Eiablage gehindert, machte Feuchtmeyer deutlich. Die zuvor angelegte Brut bleibe währenddessen im Volk und könne sich weiterentwickeln. Nach spätestens 25 Tagen schlüpfen die letzten Bienen und Milben aus den verbliebenen Brutzellen, das Volk sei somit brutfrei.

Wie beim Bannwaben-Verfahren und der kompletten Brutentnahme hemme schon das Einstellen der Bruttätigkeit das Populationswachstum der Milben, betonte die Fachberaterin. Zusätzlich ermögliche die Brutfreiheit eine effektive Behandlung mit Oxalsäure.

Das Volk hingegen könne die Unterbrechung gut ausgleichen und pflege meist schon wenige Tage nach der Befreiung der Königin wieder ein ansehnliches Brutnest. Damit die Königin wieder gut angenommen werde, müssten große, mit Absperrgittern versehene Durchlaufkäfige (Varroa-Kontrollkäfige) verwendet werden, in denen die Königin in ständigem Kontakt mit den Bienen bleibe.

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