Eschenbach
27.12.2022 - 13:25 Uhr

"Stadtmusikant von Eschenbach": Trauer um Ernst Bitterer

Der Tod von Ernst Bitterer macht nicht nur einen großen Kreis von Musikfreunden betroffen. Über Jahrzehnte bereicherte er das gesellschaftliche Leben Eschenbachs. Heiner Kohl erweist seinem Musikfreund mit einem Nachruf die letzte Ehre.

Ernst Bitterer. Archivbild: rn
Ernst Bitterer.

Obwohl man seit geraumer Zeit um seine schwere Erkrankung mit stark eingeschränkter Bewegungsfreiheit wusste, löste die Nachricht vom plötzlichen Tod des Ernst Bitterer tiefe Betroffenheit in Eschenbach und in der gesamten Region der nördlichen Oberpfalz aus. Mit seinem Namen verbinden sich humorvolle Gespräche an den Stammtischen, launige Erinnerungen an den jahrzehntelangen Tanzmusiker, den geselligen Alleinunterhalter, schließlich an den musikalischen Begleiter mehrtägiger Wallfahrtsmärsche.

Besonders trauern die zahlreichen Musikfreunde, die mit „ihrem Ernst“ regelmäßig bei Musikantentreffen wie zum Beispiel in Steinamwasser aufspielten. Bitterer gehört zu den markantesten Vertretern der spontanen Wirtshausmusik.

Blenden wir zurück. 1942 in Mirschikau bei Bischofteinitz im südlichen Egerland geboren, war dem „böhmischen Buben“ die musikalische Begabung in die Wiege gelegt. Beim Schumann Fredi erlernte er das Akkordeon- und Klavierspiel, das er während seiner Gymnasialzeit im Augustinum Weiden verfeinerte. Zu seiner ausgeprägten Musikalität gehörte die besondere Fähigkeit, mit sicherer Hand in jede gewünschte Tonart zu wechseln. Deshalb konnte er sich in jede Gesangs-, Blas- oder Streichformation einklinken. Die Voraussetzungen für ein vielfältiges Musizieren waren gegeben, die der Ernst von Jugend an voll nutzte. Erinnert sei an die gleichnamige legendäre Tanzkapelle Bitterer ab den 1960er Jahren oder an die Vuastodtmusi, die er 1996 nach dem Tod seines Bruders Werner mit neuen Stilrichtungen belebte.

Sein schier unerschöpfliches Repertoire an volkstümlichen Musiktiteln und Moritaten machten es ihm leicht, seine Musik in Szene zu setzen. Garniert mit Witzen und Sprüchen umarmte er musikalisch sein Publikum, das ihm stets beifallstürmisch dankte. Sprang der Funke erst mal über, spielte der Uhrzeiger keine Rolle mehr. „Hedschern muss es“, so sein spitzbübischer Kommentar, waren die Gefühle der Lebensfreude geweckt.

Beruflich hielt Bitterer als diplomierter Straßenbaumeister bis ins hohe Alter dem Familienbetrieb die Treue. Nivellierte Geländeflächen und zahlreiche Tiefbauten bekunden seine professionelle Fachlichkeit. Nur die engsten Weggefährten kannten seinen sensiblen Charakter. Es war die Musik, die ihm half, schmerzhafte Erfahrungen in seiner beruflichen Laufbahn zu überwinden. Was bleibt ist die Erinnerung an einen lebensfrohen Musiker mit dem wohl treffenden Ehrentitel „Stadtmusikant von Eschenbach“. Danke, lieber Ernst Bitterer!

 
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