Eschenbach
24.11.2019 - 11:19 Uhr

Stadtrat informiert sich über Naturschutzmaßnahmen am Obersee

Förster Martin Gottsche führt die Stadträte tief in den Wald des Naturschutzgebietes. Bei seiner Führung erklärt er den Grund für die jährlichen Arbeiten mit schwerem Geräte und will so auch "inkompetenten Äußerungen" entgegenwirken.

Baumstümpfe zeugten in der Verlandungszone des Böllerweihers von der Arbeit der Waldläufer. Damit ist auch der Erhalt von Moosbeeren, Sonnentau und Wollgras gesichert. Bild: rn
Baumstümpfe zeugten in der Verlandungszone des Böllerweihers von der Arbeit der Waldläufer. Damit ist auch der Erhalt von Moosbeeren, Sonnentau und Wollgras gesichert.

Aus der alljährlichen Waldbegehung des Stadtrats machte Martin Gottsche für einige Kommunalpolitiker eine Geländeerkundung. Ziel der Begehung war die Information über laufende Naturschutz- und Biotoppflegemaßnahmen und erfolgten Mulcharbeiten. Am Oberseedamm informierte er über die Gründe zum Fehlen des Fernrohres. Abgebaut wurde das "Adlerhorstrohr" bereits im März nach einem Wasserschaden. Die sich hinziehenden Reparaturarbeiten kommentierte er mit der Bemerkung: "Die Kundendienstpflege lässt zu wünschen übrig." Obwohl die Rücklieferung noch für den Monat Dezember zugesagt ist, kündigte er die Montage erst für März 2020 an.

Vom Oberseemönch aus war auch zu erkennen, dass in der Verlandungszone des Gewässers Baggerarbeiten im Gange sind. Gottsche begründete sie mit einer erforderlichen Biotoppflege, die nach mehrjährigen Gesprächen mit der Oberen Naturschutzbehörde veranlasst wurden. Es geht dabei um die Brutsicherung von Möwen und der seltenen Schwarzhalstaucher. Für Letztere gebe es oberpfalzweit neben dem Obersee nur noch im Raum Cham eine nachgewiesene Brutstätte. Zu diesem Artenschutzprojekt zählte er auch die Anlage von Gumpen für Moorfrösche. Auf Nachfrage beklagte Wolfgang Traßl, der Pächter des Obersees, die stets zunehmende Zahl von "Mitfressern". Der Fischertrag sei aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr tragbar. "Fischotter, Kormoran, Mink und Adler verursachen Verluste von 70 bis 80 Prozent", ließ er wissen.

Von der Holzmühle aus führte der Revierförster das Gremium über Straßweiher, Kulmbergweiher, Stockweiher, Schwarzweiher und Fußweiher zum Böllerweiher. "Wir befinden uns bereits tief in der Gemeinde Schlammersdorf," erklärte er seinen Zuhörern. In der südlichen Verlandungszone des Böllerweihers begründete er die seit mehreren Jahren laufenden Entnahmearbeiten der Waldjugend. Aus biologischen Gründen hielt er es für erforderlich, Fichten- und Kiefernanflug zu entfernen, der sich auf dem Moorboden nicht ausbreiten darf. Kurze Baumstümpfe zeugten von der Arbeit der Waldläufer. Er zeigte sich erfreut über deren große Bereitschaft. Mit ihrer Arbeit sorgen sie dafür, dass die Fläche feucht bleibt. Nebeneffekt ist, dass Moosbeeren, Sonnentau und Wollgras erhalten bleiben. Als weitere Maßnahme der Waldjugend kündigte er Sanierungsarbeiten und Neuanlagen am Waldlehrpfad ein. Mittels einer großen Karte stellte er den Stadträten die Kette der Haarweiher vor, die einst angelegt wurden, um die Wasserversorgung der unterliegenden Weiheranlagen der Stadt zu sichern.

Zurück im Oberseegebiet begründete der Forstmann an einer Stelle mit Mulchrelikten derartige Arbeiten. Er reagierte damit auf "inkompetente Äußerungen und Verlautbarungen" zu den diesjährigen Arbeiten. Er sah in ihnen Wegeunterhaltsmaßnahmen, für die es keine Alternative gibt. "Die Wege müssen offen bleiben für LKW", forderte er. Da derartige Maßnahmen, "die leider stets für Furore sorgen", aus finanziellen Gründen händisch nicht möglich sind, müssten Mulchgeräte zum Einsatz kommen. Der Verbleib von Kleinteilen im Wald fördere die Schaffung von Lebensraum für Kleingetier und Insekten. Einem aufgefransten Baumstummel bezeichnete er daher als "Insektenhotel" und erkannte darin ebenso eine Naturschutzmaßnahme wie in dem erwünschten Verbleib von schwachem und starkem Totholz im Wald. "Die Wälder werden nicht mehr geleckt", versicherte er mit Nachdruck, denn dies widerspreche dem Naturhaushalt.

Mit Blick in die Baumwipfel vermittelte er den Stadträten die Erkenntnis, dass 60 Prozent des Nadelbestandes fehlt. Den Grund dafür gab er der seit Jahren anhaltenden Trockenheit und dem zunehmenden Schmarotzer Mistel, der den Bäumen zusätzlich Wasser entnimmt. "Reine Kiefern- und Fichtenbestände bereiten Sorgen", resümierte er und kündigte weitere Informationen bei der anschließenden Abschlussbesprechung im Tagungsraum der Kläranlage an.

Diesem aufgefransten Baumstummel misst Martin Gottsche den Stellenwert eines Insektenhotels bei. Bild: rn
Diesem aufgefransten Baumstummel misst Martin Gottsche den Stellenwert eines Insektenhotels bei.
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