Wer nach einer Regennacht, wenn die Wiesen, Felder und Wälder im Morgennebel liegen, vor Aufgang der Sonne sehen kann, wie einige Leute zum Wald unterwegs sind und dort, den Blick nach unten gerichtet, weitergehen, weiß sofort: „Schwammerljäger sind auf der Pirsch.“
Es ist fast eine Sucht, auch wenn mancher Frühaufsteher Pilzgerichten keinen hohen Stellenwert einräumt. Doch das "Schwammerln" und der Wald bedeuten ihm Freiheit. Dafür bringt er das Opfer, „bevor der Hahn kräht“, sein Bett zu verlassen, um nicht zu spät zu den Plätzen zu kommen, wo Steinpilze, Rotkappen, Butterpilze sowie Eierschwammerln warten.
Schlimm ist nur, wenn am „Geheimplatz“ festgestellt wird, dass ein anderer "Schwammerljäger" noch eher da war, und sich anhand der Überreste zeigt, dass der Konkurrent eine große Ernte machen konnte. Ein einziges Steinpilzbaby, das Glück hatte und sein braunes Kopferl erst nach dem "Gemetzel" aus dem weichen Waldboden gesteckt hat, war der schwache Trost bei diesem misslungenen Ausflug. Wenn man aber auf dem Heimweg am Waldrand unvermutet noch einige stramme Rotkappen findet, ist der Vorsatz, wegen der Schwammerln nie wieder das warme Bett so früh zu verlassen, schnell vergessen.
Es gibt auch Pilzesammler, die außer einer guten „Schwammerlbrüh mit an Erdäpflstampf“ gegen eine Nachspeise nichts einzuwenden haben. Das „Schwarzbeerreißen“, wie das Ernten dieser Beeren früher auch genannt wurde, war ebenfalls eine Sucht. Einst hat man sich „abgebuckelt“, um möglichst viele Beeren heimzubringen und zur Aufbesserung der Haushaltskasse an Händler zu verkaufen.
Da jetzt für eine 125-Gramm-Schale gezüchteter Heidelbeeren in Lebensmittelmärkten als Sonderangebot 1,49 Euro zu bezahlen ist und außerdem diese Beeren wegen langer Transport-wege auch nicht mehr „taufrisch“ sein können, würde sich wieder eine Tour in den Wald zum "Schwarzbeerreißen" lohnen. Ein Stück Kuchen mit eigenhändig gezupften Schwarzbeeren und "a Schalerl" Kaffee dazu schmecken besser als im feinsten Café.
Die kostenlose Zugabe als „Zuckerl“ dieser Schwarzbeertour ist der Genuss der guten Waldluft. Auch wenn manche Waldbesitzer und Jäger fürchten, dass viele Spaziergänger das Wild verschrecken: Der Wald wird weiterhin ein Erholungsort sein, in dem man sich über seine Früchte, die Beeren und Pilze, freuen darf und sie auch nutzen kann.














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