26.04.2019 - 10:57 Uhr
EschenbachOberpfalz

Der Surfer aus der Oberpfalz

Richard Richter hat ein Hobby, das er nicht in seiner Heimat betreiben kann: Er surft gerne. Das geht so weit, dass er sich sogar zum Surflehrer hat ausbilden lassen.

Das Aufstehen auf dem Brett ist beim Surfen das schwerste.
von Matthias Schecklmann Kontakt Profil

Indonesien, Frankreich, Spanien, Portugal - in diesen Ländern war Richard Richter aus Eschenbach schon surfen. Inzwischen ist er sogar ausgebildeter Surflehrer, obwohl er damit in der Oberpfalz nicht viel anfangen kann. "Es ist aber nicht nur das Surfen an sich, was mir gefällt, sondern auch die Lebensweise und das Drumherum", sagt er. Was er damit meint, entspricht schon ein wenig den typischen Klischees über Surfer: Viel am Strand chillen und auch mal das ein oder andere Bierchen trinken. Aber es geht weit darüber hinaus: "Beim Surfen ist man viel im Wasser und merkt dann erst richtig, welche Gewalt von der Natur ausgeht. Man sich seiner Umwelt und der Natur bewusster."

Richard Richter.

Begonnen hatte alles mit einer Reise nach Bali im August 2015. Dort belegte Richter einen dreitägigen Anfängerkurs. "Dass ich früher Skate- und Snowboard gefahren bin, hat mir schon geholfen. Richtig schwierig ist aber das Aufstehen auf dem Brett. Da habe ich schon sehr viel Wasser geschluckt", gibt er zu. 2016 folgte eine dreiwöchige Reise nach Frankreich und Spanien an die Atlantikküste mit dem Fokus auf das Surfen. "In Frankreich habe ich mir noch ein Brett und einen Neoprenanzug ausgeliehen. In Spanien habe ich mir dann mein erstes Brett gekauft", erzählt er. Der Preis für ein brauchbares Surfbrett liegt zwischen 300 und 500 Euro. Schnell kam aber die Erkenntnis, dass drei Wochen nicht reichen, um wirklich Surfen zu lernen.

Am Strand von Carcans-Plage in Frankreich lässt es sich aushalten.

Deswegen ging es im Dezember 2017 für fünf Monate nach Asien, um etwas Routine zu bekommen. "Dort herrschen tropische Temperaturen und die Wellen sind sehr konstant zur richtigen Jahreszeit." Richter nahm sich eine Auszeit vom Studium, besuchte mehrere Länder, machte Inlandsreisen und lernte viele andere Surfer kennen. "Gelebt haben wir in Surf-Häusern am Strand. Dort kam dann auch der Entschluss ein Praktikum bei einem Surf-Camp in Frankreich zu machen", erinnert er sich.

Dieses Praktikum absolvierte er im Mai 2018 während eines siebenwöchigen Aufenthalts in Carcans-Plage an der französischen Westküste bei "Summer Surf". "Ich habe dort bereits viel von der Ausbildung zum Surflehrer mitbekommen, sowohl Theorie als auch Praxis. Ich habe enorm viel gelernt, denn in Frankreich gibt es mit die schwersten Wellen für Surfer, da sie sehr unterschiedlich brechen", erklärt er. Surfen findet vor allem zu Beginn an Land statt - Klassenzimmer statt Meer. "Man muss die Wellen lesen, den Wind beachten, lernt viel über Gezeiten und Wetterprognosen", fasst der 28-Jährige zusammen.

Wenn man mal steht, entstehen solche Bilder.

Außerdem werde jedem auch der bewusste Umgang mit der Natur näher gebracht. "Man lernt nachhaltiger zu denken und viel über die Plastik-Problematik in den Meeren. Schließlich schwimmen Surfer ja in der Brühe rum. Deswegen wird in Surf-Camps schon bewusster gelebt. Wir versuchen zum Beispiel auf Plastik zu verzichten und den Strand sauber zu halten", erläutert er. In Asien hat er eine einschneidende Erfahrung gemacht. Dort war Richter surfen, als es zu regnen begann. "Durch den Regen kam viel Müll von den Dörfern auf dem Berg runter ins Meer. Nach einiger Zeit schwammen wir neben Verpackungen und Windeln in einer braunen Brühe."

Ganz ungefährlich ist Surfen außerdem auch nicht. "Klar, vor allem die Strömungen können gefährlich werden. Aber man lernt sie zu erkennen. Es ist ein Spiel mit der Natur. Das Wasser ist immer stärker als du. Offene Wunden oder Brüche sind bei Surfern nicht selten", erklärt der Lehramtsstudent.

In Carcans-Plage macht Richard Richter seine Ausbildung zum Surf-Instructor.

Nach dem Praktikum in Frankreich stand sein Entschluss fest: "Arbeiten am Meer und ich studiere eh Lehramt, also warum nicht die Ausbildung zum Surflehrer machen." So ging es dann im August 2018 mit fünf Freunden und im eigens umgebauten VW-Transporter nach Spanien und Frankreich. "Wir sind an der spanischen Küste entlanggefahren und gesurft. Dann habe ich in Frankreich meine Ausbildung zum Surf-Instructor gemacht", sagt Richter. Dazu gehörten eine Theorie-Prüfung, ein Show-Surfen und das Anleiten einer Anfängergruppe. Ende Oktober 2018 kehrte er als ausgebildeter Surflehrer der ersten Stufe nach Deutschland zurück.

In Frankreich zu surfen, ist nicht einfach, weil die Wellen sehr unterschiedlich brechen.

Auch hierzulande werde das Surfen immer beliebter, ist sich Richter sicher, und verweist auf die Eisbach-Welle in München oder die Planungen für Wave-Parks in München und Hamburg. Auch Berlin habe eine sehr aktive Surfer-Szene. Auf eine künstliche Welle im Rußweiher in Eschenbach muss er noch warten, aber er wäre absolut dafür. "Auch wenn ich das Meer bevorzuge, weil es mit Reisen verbunden ist. Man geht für etwa vier Stunden am Tag surfen und genießt die Natur. Schon ein bisschen Surfer-Romantik."

Er will auch in Zukunft weiterhin reisen und surfen. "Als Surflehrer kann ich da arbeiten, wo andere Urlaub machen. Ich denke das lässt sich gut mit meinem Job als Lehrer verbinden, vor allem in den Ferien", erklärt er. Noch 2019 wird Richter wohl sein Studium abschließen und ein Referendariat an einer Schule beginnen. Durch die Ausbildung zum Surflehrer hält er sich den Traum einer eigenen Hütte am Meer offen. "Das will ich nicht ausschließen", gibt er schmunzelnd zu. Auch, wenn es bisher nur ein Traum ist.

Gute Figur auf dem Brett.
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