17.07.2019 - 15:44 Uhr
EschenbachOberpfalz

Taktik und Trümpfe, Kartenglück und Können

Immer mehr Frauen möchten ein Spiel kennenlernen, das eine Renaissance erlebt: Schafkopf. Ein Meister darin macht sie derzeit mit diesem beliebten Gesellschaftsspiel vertraut.

Heiner Kohl (hinten, Mitte) hat beim Lehrgangsauftakt mit Fritz Gradl (links) und Erwin Dromann (vorne) von der Gesellschaft "Frohsinn", selbst begeisterte "Schafkopfer", freiwillige Helfer zur Unterstützung an den Anfängertischen. Ein einziger männlicher Teilnehmer hat sich in die Frauenrunde gewagt.
von Georg PaulusProfil
"Meine Freunde, das ist der Eichelober oder der 'Alte'. Er ist der höchste aller Trümpfe, er sticht jeden nachfolgenden Trumpf. Wer den bekommt, hat gleich einen Vorsprung beim Kartenspielen", erläutert Heiner Kohl.

Idyllisch am Rußweiher liegend, ist das "Hexenhäusl" ideal für den Schafkopfkurs, der auf Anregung von Frauen der Gesellschagft "Frohsinn" zustande kam. Deren Vorsitzender Erwin Dromann freute sich bei der Begrüßung aller Teilnehmerinnen, als Lehrer Heiner Kohl vorstellen zu können: "Es gibt ja schon einige, die Kurse anbieten; wir haben den Besten genommen."

Wieso wurde der einstige Schulrat zum Schafkopflehrer? Diese Frage wird Kohl öfters gestellt. In einer Laune des Augenblicks habe 2004 der mittlerweile verstorbene evangelische Pfarrer und leidenschaftliche Skatspieler Ulrich Cronenberg einmal gesagt, "Du hältst einen Schafkopfkurs für Preußen und ich einen Skatkurs für Bayern", berichtet er. Inzwischen sind es 79 Kurse mit 992 Teilnehmern, darunter 612 Frauen, geworden.

Den hohen Beliebtheitsgrad erklärt Heiner Kohl mit dem Schafkopf-Regelwerk: "Es ist eindeutig und überschaubar, so dass jeder Interessierte in kurzer Zeit das Spiel versteht und mitspielen kann." Als Gesellschaftsspiel zu Viert werde es in gemütlicher Runde zum Vergnügen, bei höheren Geldeinsätzen zum "suchtartig aufregenden" Gewinn- und Verlustspiel.

Der Lehrer spricht von Schafkopf als einem Kombinationsspiel aus Farben und Trümpfen. Und es verknüpfe in besonderer Weise Kartenglück und Können. Die unterschiedliche Qualität der zugeteilten Karten, von "miserabel" bis "hervorragend", mache Schafkopfen zum Glücksspiel, das optimale Nutzen des Blatts mache es zum Denkspiel. "Spielwitz, Spielintelligenz, Kombinationsfähigkeit und kontrollierte Risikobereitschaft sind die Attribute erfolgreicher Spieltaktik."

Schafkopf sei zudem "das ehrlichste und sauberste Kartenspiel", da man nicht tricksen könne, merkte Heiner Kohl an, ehe die praktische Lehre mit der Aufklärung über die Rangordnung der Trümpfe begann. Mit ihnen wurde ebenso geübt wie mit den Farben ohne Trümpfe. Auch ging es um das Beherrschen der Rangordnung sowie das Partner- und Solospiel beim Schafkopf.

Taktik wurde ebenfalls gelehrt. Das gilt auch für das Ausspielen, etwa als Partner oder als Gegner. Spielvarianten aus der Oberpfalz - wie "Hoppen", der "Kurze", die "Hochzeit" - und zehn Regeln beim Preisschafkopf haben die Lehrgangsteilnehmerinnen genauso zu beherrschen, ehe sie von Heiner Kohl als "geprüfte Schafkopf-Spielerinnen" verabschiedet werden.

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