12.02.2019 - 15:18 Uhr
EschenbachOberpfalz

"Meine tanzenden Beine freuen sich über Gott"

„Mitten in der närrischen Zeit sind wir zusammengekommen … und begrüßen Gott mit einem dreifachen Helau.“ Dazu ruft Pfarrerin Anne Utz am Sonntag auf.

"Gott,lass uns lebendig erfahren, dass wir zusammengehören", beten die Garden der Eschenbacher Faschingsgesellschaft in der Kreuzkirche
von Walther HermannProfil

Gottesdienst ist Freude und Leben. Von dieser Botschaft fühlten sich in der Kreuzkirche die bunten Garden der Eschenbacher Faschingsgesellschaft (EFG) und viele „Zivilisten“ angesprochen. Einer Prozession gleich zogen die Tanzgruppen unter dem Dirigat von Zeremonienmeister Markus in das Gotteshaus ein. Geradezu abgestimmt auf das Zeremoniell des Tages war der Text des Einzugsliedes: „Er hält das Lachen und das Weinen in seiner Hand. Er hält den Frohsinn und die Freude in seiner Hand. Gott hält die Welt in seiner Hand.“

Nicht minder verbindend waren die Inhalte eines Wechselgebets mit Psalmworten wie: „Lobt ihn mit Pauken und Reigen, lobt ihn mit Saiten und Pfeifen. Im Takt der Musik will ich meine Hüfte schwingen, meine tanzenden Beine freuen sich über Gott, meinen Retter. Mit ihm springe ich über Mauern.“

Im Wechsel gestalteten Mitglieder der Garden das Kyrie. Während einige „Krümel“ Luftschlangen bliesen, regten Gardemädchen zum Nachdenken an: „Wir Menschen sind wie Luftschlangen: Miteinander in Verbindung. Das ist manchmal schön bunt und lebendig, manchmal auch verwirrend. Manche sind fest, andere zerreißen.“ Und während die Kleinen mit Luftballons spielten, vernahmen die Kirchenbesucher Aussagen wie: „Kein Fasching ohne bunte Luftballons. Wie leicht die Ballons durch die Räume fliegen. Luftballons sind aber auch verletzlich. Auch Menschen sind verletzlich. Nicht immer gehen wir feinfühlig miteinander um. Christus erbarme dich.“

Die Inhalte steigerten sich mit weiteren Sprecherinnen: „Kein Fasching ohne Verkleidung. Mit der Verkleidung sehe ich anders aus als sonst. Ich kann mich verstecken oder in eine andere Rolle schlüpfen. Menschen gehen maskiert durchs Leben. Oft nicht nur im Fasching. Aus Angst zeigen wir oft nicht unser wahres Gesicht. Herr erbarme dich.“ Die Rufe nach Erbarmen endeten im Tagesgebet des Elferrats: „Guter Gott, wir danken dir für alles, was uns froh macht. Wir danken dir für das Lachen und das Tanzen. Du kennst unsere Sehnsucht nach Freude, darum hast du uns Jesus geschenkt. Hilf uns, ihm nachzufolgen, damit wir ein glückliches, erfülltes Leben haben.“

Länderübergreifend stimmte Elisabeth Eißner sechs Strophen eines Liedes an, auch in Portugiesisch, der Sprache des brasilianischen Karnevals: „Singt Gott unserm Herrn, singt ihm neue Lieder. Cantai ao Senhor, um cantico novo.“ Pfarrerin Anne Utz griff die Inhalte der Lesung Eißners auf, in der es um die Rückführung der Israeliten aus dem Machtbereich des Pharao und um das anschließende Feiern ging. Sie stellte Vergleiche mit Leben hinter Stacheldraht und Wegen ins Unbekannte an, sah im Feiern der Israeliten mit Pauken und Tamburin ein Zeichen der Freude darüber an, dass Gott mit ihnen war, und erklärte: „Auch wir warten noch auf das Land, wo Milch und Honig fließt.“ Doch bis dahin sollten auch Tanz und Freude herrschen.

Was folgte, war der „Predigttanz“ in den Gängen. Schrittfolgen und Tempi gab Eißner vor. Masken, Feiern und Fröhlichsein waren auch Inhalte der Fürbitten der Prinzenpaare: „Wir denken an all die, die wie erstarrt leben, die keine Freude und kein Leid mehr spüren oder nicht wissen, wie sich ausdrücken können. Wir denken an alle, die ihre Masken nicht mehr abnehmen und nicht mehr sie selbst sein können. Wir denken an alle Menschen, die in der fünften Jahreszeit proben, feiern, tanzen und auf verschiedenen Wegen unterwegs sind und deinen Schutz, Gott, brauchen. Wir denken an alle Menschen, die in der Karnevalszeit nicht fröhlich sein können, weil sie einen lieben Menschen verloren haben. Wir denken auch an unseren Ehrenpräsidenten Vinzenz Dachauer.“

Vor dem Segen beendete Lidia Theobald das Zeremoniell mit einem ökumenischen Gebet: „Wir denken an die Brüder und Schwestern in unseren katholischen und evangelischen Nachbargemeinden und in der Gemeinschaft der ganzen Christenheit.“ Die Gläubigen antworteten mit: „Gott, lass uns lebendig erfahren, dass wir zusammengehören, in Gebet und Fürbitte, in Leben und Dienst, in Freude und Leid.“

Unter großem Beifall dankte Elisabeth Eißner allen Mitgestaltern des Gottesdienstes. Mit einem Blumenpräsent wandte sie sich an Pfarrerin Utz. Prinz Sebastian umarmte die Pfarrerin und überreichte ihr den EFG-Orden. Zum schwingenden Auszugslied „Lobe den Herrn meine Seele“ forderte sie frohgelaunt die Kirchenbesucher auf: „Es darf gesungen, getanzt und geschunkelt werden.“

In den Gemeinderäumen schloss sich bei einem Weißwurstfrühstück die weltliche Lobpreisung an. Jung und Alt zeigten sich begeistert vom „Gardengottesdienst“, den Dr. Jochen Junkawitsch an der Orgel begleitete. „Auch so kann ein Gottesdienst würdig gestaltet werden“, hieß es etwa.

Mit dem Psalm "Lobt ihn mit Pauken und Reigen, lobt ihn mit Saiten und Pfeifen" feiert die Faschingsgesellschaft "Gardengottesdienst".
An den Händen haltend führt der "Predigttanz" durch den Kirchenraum
Pfarrerin Anne Utz: "Es darf gesungen, getanzt und geschunkelt werden."
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