Eschenbach
16.08.2020 - 10:41 Uhr

Trauer um Eschenbacher Musik-Legende Sigrid Schönthier

Die langjährige Grand Dame des Eschenbacher Musiklebens ist tot. Wie Pfarrerin Anne Utz nun mitteilte, starb Sigrid Schönthier im betagten Alter von 91 Jahren am 11. August im Eschenbacher Seniorenzentrum.

Sie war ein Geschenk für Kirche, Musik und Gesellschaft. Sigrid Schönthier verstarb am 11. August im Eschenbacher Seniorenheim. Bild: do
Sie war ein Geschenk für Kirche, Musik und Gesellschaft. Sigrid Schönthier verstarb am 11. August im Eschenbacher Seniorenheim.

Tief betroffen zeigt sich besonders die Evangelische Kirchengemeinde in Eschenbach. „Sigrid Schönthier war eine einzigartige Frau, die mit ihrer musikalischen Leidenschaft und ihren pädagogischen Fähigkeiten Menschen verbinden konnte“, sagte Pfarrerin Anne Utz zum Ableben eines treuen und wertvollen Mitglieds der Kirchengemeinde. Wie kaum jemand anders habe Schönthier das kirchliche Leben in Eschenbach geprägt, so die Pastorin.

Der Lebensweg von Sigrid Schönthier begann am 4. Januar 1929 im Schlesischen Saarau. Im Juni 1945 kam sie mit einem Flüchtlingstreck nach Eschenbach. Zunächst im „Ottoheim“ untergebracht, fand die Familie später eine Wohnung am Obersee, um schließlich in der Stadt ein Zuhause zu finden. Wer dem „Fräulein Sigrid“ schon damals begegnete, machte Bekanntschaft mit einer liebenswerten Persönlichkeit, die in Eschenbach zur musikalischen Legende reifte. Höflich und geduldig, freundlich, charmant und poetisch. Kompromisslos folgte Schönthier der Liebe zur Musik. Ihr einfühlsames und geduldiges Dirigat imponierte und ihr betörender Sologesang verzauberte nicht nur die Kirchengemeinde.

Sigrid Schoenthier erhielt 2009 die Bürgermedaille der Stadt Eschenbach

Durchdrungen vom Geist des Evangeliums beeindruckte das Multitalent schon in jungen Jahren mit einem bärenstarken Tatendrang. Schönthier diente mit ihrer inspirierenden Dynamik nach zwei „Lehrjahren“ im schwäbischen Krumbach der evangelischen Kirchengemeinde in Eschenbach als hauptberufliche Gemeindehelferin, erteilte Religionsunterricht in sieben Schulen der Region, betreute Kinder und Jugendliche und wurde schließlich als Leiterin des Kirchenchores, als Organistin, als Gesangssolistin, Autorin, Erzählerin und als Organisatorin der evangelischen Gemeindearbeit zum großen Schatz der Kirchengemeinde.

Auch nach der Pensionierung war Schönthier, ausgestattet mit einem schier unerschöpflichen Esprit, ein Geschenk für Kirchengemeinde und Gesellschaft. 2016 musste sie krankheitsbedingt in das Eschenbacher BRK-Seniorenheim umziehen. Trotz der gesundheitlichen Erschwernisse leitete sie weiter Kirchenchorproben und bewies selbst im hohen Alter Tatkraft bei der Mitgestaltung von Gottesdiensten im Seniorenzentrum.

„Pfarrer kommen, Pfarrer gehen, Sigrid Schönthier bleibt bestehen“, hieß es in vielen Würdigungen, die auch weit über den kirchlichen Bereich hinausgingen. So anerkannte die Bundesrepublik Deutschland die Verdienste mit der Bundesverdienstmedaille. Als besondere Ehre empfand Schönthier die Auszeichnung durch die Stadt Eschenbach mit der Bürgermedaille für ein beispielloses Lebenswerk und für ihr überragendes ehrenamtliches Engagement, wie es in der Laudatio hieß.

In Erinnerung bleibt die Leidenschaft einer großen Persönlichkeit, die mit überwältigender Ehrlichkeit und Authentizität christliche Werte vorlebte und in Eschenbach ein Stück Musikgeschichte schrieb. Der Termin für den Trauergottesdienst in der Kreuzkirche und für die Beisetzung wird noch bekanntgegeben.

 
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