"Auch wenn es manche noch nicht einsehen wollen: Wir befinden uns mitten im Klimawandel", ist Martin Gottsche überzeugt. Als Zuständiger für die Pflege und Nutzung des großen Stadtwaldes beklagt er die Auswirkung erhöhter Temperaturen bei gleichzeitigem Rückgang der Niederschläge und hofft auf eine längere Regenperiode "mit ordentlich Wasser". Im Absinken des Wasserstandes an der Teichanlage des Walderlebnispfades um circa einen Meter sieht er eine für jedermann erkennbare Folge langer Trockenheit. Der spärliche Regen an einigen wenigen Tagen habe die Natur nur oberflächlich benetzt. Den deutlich erkennbaren Rückgang des Grundwassers nennt er ein "tiefgreifendes Problem".
Keine oder nur geringe Überlebenschancen hatten in diesem Jahr die Stecklinge der Frühjahrsanpflanzungen. Als Beweis dafür dienen Gottsche vertrocknete Kiefern- und Buchenstecklinge. Er ruft zu Nachpflanzungen auf, für die Fördergelder bereitstehen. Als Zeichen des Existenzkampfes der heimischen Wälder verweist der Forstamtsrat auf die licht gewordenen Kronen der Kiefern, den hohen Fruchtbestand (Zapfen) der Fichten und auf ungewöhnlich frühen Laubabfall. Deutlich erkennbar sei, dass die Kiefern "bis auf zwei Nadeljahre" alle Nadeln abgeworfen haben. Mit einem dringenden Appell wendet er sich an alle Waldbesitzer und ruft zu regelmäßigen Kontrollgängen in ihren Beständen auf. Braune Wipfel und Bohrmehl am Stammfuß von Fichten seien deutliche Beweise für Käferbefall, die ein sofortiges Fällen der betroffenen Bäume erforderlich machen. "Es gilt die Käfer jetzt zu bekämpfen, bevor sie sich zur Winterruhe in den Boden verziehen." Er verweist darauf, dass Waldbesitzer und Nutzungsberechtigte zur Bekämpfung der Nadelholzborkenkäfer verpflichtet sind.
Trockenheit und Hitze dieses Jahr haben Population und Ausbreitung des Waldschädlings extrem begünstigt. "Bei so günstigen Bedingungen wie in diesem Jahr können sich bis zu drei Generationen der Parasiten entwickeln." Gottsche rechnet vor: "Ein Weibchen des Buchdruckers legt im Verlauf der Vegetationsperiode 100 bis 150 Eier. Hochgerechnet bedeutet dies: Ein Käferweibchen kann mit drei Jungkäfergenerationen und zwei Geschwisterbruten mehr als 100 000 Nachkommen erzeugen." Um der Massenvermehrung erfolgreich zu begegnen, müssten Waldbesitzer rigorose Gegenmaßnahmen ergreifen. Es gelte, die Brutbäume sofort zu fällen, schnellstmöglich zu entrinden oder zu häckseln.
Zur Zukunft der heimischen Wälder wagt Gottsche keine Prognose. Unkalkulierbar seien die Auswirkungen des Klimawandels. Er erinnert an den extrem trockenen Sommer 2003, nach dem die geschwächten und geschädigten Wälder eine Regenerierungszeit von drei bis fünf Jahren gebraucht und, wie in diesem Jahr, auch Lärchen und Birken Schaden genommen haben. Entscheidend ist für ihn, Waldbestände auf die Veränderungen vorzubereiten. Allen Waldbesitzern schreibt er ins Stammbuch: "Sowohl Durchforstungen, wie auch das Einbringen zusätzlicher Mischbaumarten sind das Gebot der Stunde, um die Wälder für die Klimaveränderung fit zu machen."












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