20.08.2020 - 12:19 Uhr
EschenbachOberpfalz

Trockenheit setzt Fichten zu

Forstmann Martin Gottsche schlägt Alarm: Es ist kein "Schnupftabak", der aufmerksamen Waldwanderern zunehmend am Fuß von Fichten auffällt. Vielmehr handelt es sich um das Borkenmehl des Buchdruckers.

Vom Borkenkäfer befallene Bäume un deren unmittelbares Umfeld müssen schnellstmöglich geschlagen werden.
von Walther HermannProfil

Die extreme Trockenheit dieses Jahres bereitet nicht nur den Landwirten Sorgen. Betroffen von der Trockenheit der Böden sind erneut auch die Waldbesitzer und Forstwirte. Martin Gottsche, Leiter der örtlichen Forstdienststelle, beobachtet neben der Fauna in jüngster Zeit besonders die Flora und sieht die Wälder rings um Eschenbach in akuter Gefahr. Nach seinen Beobachtungen ist der Buchdrucker aktiv.

Der ausgereifte Käfer ist dunkelbraun gefärbt und bevorzugt geschwächte Fichten und liegendes frisches Holz. Sobald sich einige Käfer erfolgreich eingebohrt haben, produzieren sie Lockstoffe, die weitere Artgenossen anlocken – es kommt zu einem konzentrierten Befall. Bei hoher Populationsdichte können auch vitale Fichten erfolgreich befallen werden.

Ein Weibchen des Buchdruckers legt im Verlauf der Vegetationsperiode 100 bis 150 Eier. Ausgehend von einem Käferweibchen können sich innerhalb eines warmen und trockenen Jahres drei Generationen und zwei Geschwisterbruten entwickeln. Gottsche rechnet hoch: „Ein Käferweibchen kann so mehr als 100 000 Nachkommen erzeugen.“

Durch den beim Einbohren ausgelösten Harzfluss werden einzelne Käfer im Normalfall abgetötet. „Die Fichte wehrt sich und ersäuft den Käfer“, erläutert der Förster. Ein Beispiel im unteren Stadtwald, wo flach wurzelnden Fichten wegen des trockenen Bodens das Wasser aus- und in der Folge die Harzproduktion zurückgehe, beweise jedoch: "Der Käfer siegt, und der Baum geht verloren."

Als wirksame Maßnahme gelte es, nicht nur befallene Bäume zu entfernen. Der Forstexperte empfiehlt, in einem Sicherheitskreis von zwei bis drei Reihen auch „grüne Bäume“ zu fällen. Denn es bestehe die Gefahr, dass diese bereits von der „Käfer-Vorhut“ befallen seien.

Gottsche appelliert daher an alle Waldbesitzer: „Kontrollieren Sie Ihre Bestände regelmäßig und werden Sie beim Erkennen von Bohrlöchern, Bohrmehl und abgefallenen grünen Nadeln aktiv. Bereits aus 2 befallenen Bäumen können 60 Festmeter Schadholz werden.“ Er gibt zu bedenken, dass befallenes Holz schnell an Wert verliere und sich möglicherweise bei dem zur Zeit extrem niedrigen Holzpreis die Frage stelle, ob die Aufarbeitung noch kostendeckend erfolgen könne. Bei starkem Holz bestehe ohnehin das Risiko der Kernfäule und von Schleuderpreisen.

Der Förster weist in diesem Zusammenhang auf Fördergelder hin, die allerdings nur bei „Borkenkäfer wirksamer Aufarbeitung“ gewährt werden. Dies bedeute: Entrinden, Häckseln des Astwerkes und Abfuhr der Stämme auf mehr als 500 Meter. Eine „gute und interessante Förderung“ kündigt er auch für Wiederaufforstungsmaßnahmen an, bei denen neue und alternative Baumarten bevorzugt werden.

Deutlich zu erkennen: Hier hat der Buchdrucker, der gefährlichste Borkenkäfer und Forstschädling, seinen "Schnupftabak" verstreut.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.