23.07.2019 - 08:53 Uhr
EschenbachOberpfalz

VHS Eschenbach: Landkreis-Kooperation gescheitert - Zukunft mit VHS Vohenstrauß?

Die Bemühungen um ein „Volkshochschuldach“ für das Kreisgebiet sind gescheitert. Die Zahlen sprechen nicht für die Volkshochschulen Eschenbach und Vohenstrauß. Eine Kooperation könnte die Lösung sein.

Das alte Landratsamt in Eschenbach wird derzeit saniert, damit die VHS das Gebäude besser nutzen kann.
von Bernhard PiegsaProfil

„Unser Wunsch war, dass die Volkshochschulen (VHS) in Eschenbach, Vohenstrauß und Weiden auf Augenhöhe miteinander verhandeln und kooperieren sollen“, blickte VHS-Geschäftsführerin Angelika Denk auf die Beratungen zurück. Die VHS Weiden/Neustadt habe jedoch versucht, sich gegenüber den kleineren Nachbarinstitutionen in eine dominante Position zu setzen, und das flächendeckende Außenstellennetz mit seinen vielen ländlichen Kursorten in Frage gestellt.

Stefan Frischholz, Geschäftsführer der VHS Weiden/Neustadt, wollte sich auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien nicht äußern und verwies auf das Landratsamt als zuständige Stelle. Claudia Prößl, Pressesprecherin beim Landratsamt Neustadt/WN, erläuterte am Dienstag die Gründe für eine Einstellung der Gespräche: "Gründe waren die Bedingungen der VHS Weiden/Neustadt, beispielsweise dass zentrale Einrichtungen von vorneherein für den Standort Weiden einzuplanen seien und eine ,Bezuschussung' der Volkshochschulen Vohenstrauß und Eschenbach aus den Erlösen der VHS Weiden/Neustadt ausgeschlossen sei."

Eine Landkreis-Volkshochschule wird es vorerst nicht geben: Vorsitzender Thomas Frankenberger und Geschäftsführerin Angelika Denk erläutern bei der Mitgliederversammlung der VHS Eschenbach die Gründe.

Angesichts dieses Misserfolgs seien auch Landrat Andreas Meier und der Weidener Oberbürgermeister Kurt Seggewiß im März übereingekommen, die Verhandlungen „auf Eis zu legen“, führte Angelika Denk weiter aus. Schon damals sei laut Prößl die Prüfung eines Zusammenschlusses der Volkshochschulen Eschenbach und Vohenstrauß schriftlich erklärt worden.

Für die Eschenbacher VHS sei die gescheiterte landkreisweite Kooperation umso bedauerlicher, da man sich bereits darauf eingestellt und im Vorgriff beispielsweise, ein mit dem Angebot der Weidener VHS, kompatibles Jahresprogramm für 2018/19 gestaltet habe. Eschenbacher VHS und Landratsamt seien sich allerdings einig, dass eine „zweispännige“ Zusammenarbeit zwischen Eschenbach und Vohenstrauß weiterhin anzustreben sei, führte Denk weiter aus.

Allein schon wegen der Vorgaben des Bayerischen Volkshochschulverbands (BVV) sei dies unumgänglich. Die mit vielen unverzichtbaren Rechten und Vorteilen verbundene Verbandsmitgliedschaft, so Denk, werde nämlich ab 2021 an strengere Bedingungen geknüpft: „Vor allem muss eine Erwachsenenbildungseinrichtung eine jährliche Kursbelegung von mindestens 30.000 anrechenbaren Teilnehmerdoppelstunden (TDS) nachweisen, um dem BVV angehören zu dürfen.“

"Durch eine Kooperation zwischen Eschenbach und Vohenstrauß können diese beiden Volkshochschulen mittelfristig gesichert werden", erklärte Prößl und verwies ebenfalls auf die geänderten Vorgaben des BVV, der auch seine Zuschüsse künftig von den Zahlen abhängig machen werde. "Diese Zahlen werden teilweise schon bisher, künftig aber relativ sicher von den Volkshochschulen Eschenbach und Vohenstrauß alleine nicht mehr erreicht", heißt es in der Stellungnahme des Landratsamtes.

Denk erläuterte in der Sitzung, dass die Eschenbacher VHS die Schwelle von 30.000 TDS in den letzten Jahren zwar in der Regel überschritten habe, doch sei man 2014 auch einmal knapp unter diese Marke gerutscht. Nach einem neuerlichen Aufschwung bis auf gut 50.000 TDS vor zwei Jahren dokumentiere die Kursstatistik wieder einen Rückgang. Laut der Geschäftsführerin liege das hauptsächlich am Abbau der vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge geförderten Integrationskurse infolge der rückläufigen Zuwandererzahl: „2018 hatten wir noch 37.663 TDS verzeichnet, ohne die Integrationskurse waren es nur 30.666.“

Noch prekärer sei allerdings die Lage der VHS Vohenstrauß, die das 30.000-TDS-Kriterium nicht mehr erfülle. Ein Zusammengehen der beiden Einrichtungen sichere mithin die Erwachsenenbildung im östlichen wie westlichen Landkreis auf bewährtem Niveau.

Die Wegmarken hierfür seien bereits gesetzt, erläuterte Denk. Zum Jahresbeginn 2020 sollen die beiden Volksbildungswerke einen „Qualitätsverbund“ auf der Basis einer Kooperationsvereinbarung schaffen, gemeinsame Programme werde es ab Herbst 2020 geben, und auch mit einer „Strukturförderung“ durch den BVV sei zu rechnen. Monika Grötsch, Geschäftsführerin der VHS Vohenstrauß, wollte sich auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien, noch nicht zu den Plänen äußern.

Zudem würden die VHS-Büros in das EDV-Netz des Landratsamts einbezogen: „Die Zusage aus Neustadt haben wir schon.“ Auf längere Sicht sei die Gründung eines gemeinsamen Trägervereins nicht ausgeschlossen.

Info:

Landratsamt stärkt VHS den Rücken

Die Unterstützung der Volkshochschule (VHS) Eschenbach durch den Kreis spiegele sich insbesondere in der derzeitigen Generalsanierung des alten Landratsamts wider, hielt VHS-Geschäftsführerin Angelika Denk bei der Mitgliederversammlung im früheren Krankenhaus fest. Die Baumaßnahme komme vorrangig der VHS zugute, die im Erdgeschoss und im zweiten Stock über mehr und zweckmäßigeren Raum für Kurse und Verwaltung verfügen werde: „Alle Räume werden barrierefrei zugänglich sein.“

Auch Kuratoriumssprecher Anton Schwemmer unterstrich, dass der Landkreis der VHS in jeder Hinsicht Rückendeckung gebe: „Wir haben allen Grund, dankbar zu sein.“ Dieser Rückhalt sichere die Zukunft der Einrichtung, die allerdings auch ein stabiles Kursangebot und eine solide Finanzlage vorweisen könne, urteilte Angelika Denk. Die Kurszahl habe sich im Vorjahr mit 435 trotz eines leichten Rückgangs auf langjährigem Niveau bewegt. Die Zahl der „anrechenbaren Teilnehmer“ ohne Berücksichtigung der Integrationskurse sei sogar von 6.499 auf 6.778 gestiegen: der zweitbeste Wert seit 2013. Unvermindert beliebt sei auch das Ganztagsschulangebot für das Eschenbacher Gymnasium.

Info:

Letzte Amtszeit für Frankenberger

Keine Änderungen gibt es im Leitungskreis des Eschenbacher Volkshochschulvereins: Einstimmig bestätigte die Mitgliederversammlung die Vorsitzenden Thomas Frankenberger und Eckhard Bodner, Schatzmeister Karl Lorenz sowie die Beisitzer Giselind Langhans und Gerhard Götzl für weitere drei Jahre. Frankenberger kündigte an, dass dies seine letzte Amtszeit sein werde.

Auch einige vom Finanzamt zur Sicherstellung des Gemeinnützigkeitsstatus angemahnte Präzisierungen der Satzung wurden angenommen. Insbesondere wurde festgelegt, dass das Vereinsvermögen „bei Auflösung des Vereins oder bei Wegfall steuerbegünstigter Zwecke“ dem Landkreis Neustadt zufallen solle. VHS-Geschäftsführerin Angelika Denk ließ noch wissen, dass das Halbjahresprogramm für Herbst/Winter 2019/20 ab August im Internet unter www.vhs-eschenbach.de abrufbar sei. Ab 9. September seien Anmeldungen möglich.

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