15.11.2019 - 13:00 Uhr
EschenbachOberpfalz

„Was wäre ein Tag ohne Smartphone?“

Zappen, surfen, spielen: Wie sieht es mit der Nutzung bei den eigenen Kindern aus? Was können Eltern tun? Mit dem Thema „Medien in der Familie“ befasst sich Stefan Ranninger bei einer Vortragsveranstaltung der Markus-Gottwalt-Schule.

Rektor Wolfgang Bodensteiner (rechts) dankt Stefan Ranninger für seinen "Spaziergang" durch moderne Medien. Mit im Bild (von links) Rektor Andreas Demleitner (Sonderpädagogisches Förderzentrum), die Jugendsozialarbeiterinnen Melanie Lautner-Seitz und Maria Rübe-Hitzinger sowie Konrektorin Anja Bräu.
von Walther HermannProfil

Die Medien, die einem dynamischen Prozess mit stetem Wandel unterliegen, waren in der Aula der Bildungseinrichtung 90 Minuten lang das bestimmende Thema. Welche Risiken gibt es, wie kann diesen begegnet werden und wie behält man angesichts der Vielfalt der Apps den Überblick?

Als Referenten dazu stellte Konrektorin Anja Bräu einen Kollegen vor: Stefan Ranninger ist Mitarbeiter der Stiftung Medienpädagogik Bayern. Im Fokus seiner Ausführungen standen verständlich aufbereitete Hintergrundinformationen und alltagsnahe Handlungsempfehlungen zu Handys, Smartphones und Tablets.

Bei seinem Einblick in die Medienwelt ließ der Gast aus Bayreuth keinen Zweifel daran, dass die Mediennutzung zur Unterhaltung, Kommunikation, Orientierung und Selbstdarstellung zum Alltag gehört. Mit Beispielen sprach er von Kommunikation nahezu in Echtzeit, die mit dem Anlegen eines persönlichen Profils verbunden ist, und warnte vor dem Überschreiten der allgemeinen Geschäftsbedingungen. „Hier sollten die Eltern mitreden“, lautete sein dringender Appell.

Ranninger empfahl auch eine kritische Aufmerksamkeit Facebook-Nachrichten gegenüber, die „nicht unbedingt seriös sein müssen und gar einer negativen Meinungsmache“ dienen können. Zu bedenken gab er auch, dass auf Whatsapp keine Probleme gelöst werden könnten. Dies funktioniere nur durch Telefonieren. Zu den Motiven, die zur Nutzung von Social-Media-Angeboten führen, zählte der Medienpädagoge Selbstdarstellung, Beziehungspflege, oft übertriebene Teilhabe, Infotainment und Alltagsorganisation, die jedoch zu Nachlässigkeiten verleiten könne.

Den interessierten Eltern berichtete er vom Ergebnis einer Umfrage unter Jugendlichen: „Was wäre ein Tag ohne Smartphone?“ Die Antworten lauteten: "schrecklich" und "langweilig", aber auch „nicht so schlimm“. Der Referent verheimlichte nicht, dass sich eine hohe Handy-Nutzungsdauer nach medizinischen Erkenntnissen negativ auf die Sehkraft auswirke. Die Eltern sollten beides daher überprüfen.

Mit Beispielen zeigte er auf, wie sehr der Marketingbereich Nutzen und Vorteile aus der Mediennutzung der Jugendlichen ziehe und Jugendkultur mit gezielten Kaufanreizen produziere. „Dahinter steckt eine ausgeklügelte Maschinerie“, versicherte Ranninger. Mit der Aussage „Die Welt verändert sich durch dein Vorbild, nicht durch deine Meinung“ rief er die Eltern dazu auf, sich bei der Handynutzung als Vorbild zu erweisen. Damit werde schon früh ein Grundstein dafür gelegt, wie wichtig Kindern später das eigene Handy sein werde. Er regte zudem an, handyfreie Zeiten festzulegen.

Im sozialen Umfeld, insbesondere bei Gleichaltrigen, sah der Referent Einflussfaktoren beim Umgang mit Medien. Bei der Beurteilung von Chancen und Gefahren kam er zu dem Schluss, dass die Nutzer besonders durch ihr Suchverhalten „gläsern“ werden. Mit Hinweisen auf den Datenschutz beklagte er, dass Kinder zu leicht viele Informationen über und Bilder von sich weitergeben.

Der Medienpädagoge rief daher dazu auf, mit dem Nachwuchs begründete Regeln zu vereinbaren, was veröffentlicht werden darf. Als Richtlinie sollte gelten: „Mit privaten Fotos und Videos vorsichtig umgehen. Auf keinen Fall Nacktbilder liefern. Beim Erhalt derartiger Bilder nichts verschweigen und sie sofort der Polizei vorlegen. Im Unterricht keine Mitschnitte fertigen.“ Auf Medienkompetenz legte der Ranninger großen Wert. Er forderte kritische Reflexion, selbstbestimmte Nutzung sowie aktive und kreative Gestaltung.

Als Empfehlung gab er den Eltern mit auf den Weg, mit den Kindern zu Hause den Umgang mit Medien zu lernen und darüber in einem ständigen Dialog zu bleiben, sich auf Regeln zu verständigen und Medien nicht zur Bestrafung oder Belohnung zu nutzen. „Sie haben uns aus dem Herzen gesprochen“, bekundete Rektor Wolfgang Bodensteiner und versicherte den Eltern: „Wir ziehen an einem Strang.“

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