09.12.2019 - 12:11 Uhr
EschenbachOberpfalz

Von "Wasenmeistern" und "vermissten Weihern"

Übertretung der Polizeistunde: Das war früher ein Delikt, bei dem die Obrigkeit keinen Spaß verstand. Der Wirt des Gasthofes „Zum Kronprinzen von Bayern“ wurde 1896 dafür zu sechs Mark Strafe, ersatzweise drei Tage Haft, verurteilt.

Hermann Dietl, Karlheinz Keck, Bernd Thurn, Klaus Lehl, Hans Ott, Albert Furtner, Ingrid Strauß und Matthias Haberberger (v. li.) genießen die Auflage von "Heimat Eschenbach 019"
von Walther HermannProfil

Über viele historische Details zum Stadtgeschehen in den zurückliegenden 130 Jahren, zur wirtschaftlichen, kulturellen und baulichen Entwicklung sowie zu den Menschen in der Rußweiherstadt berichten die Beiträge in der Publikation „Heimat Eschenbach 2019“ des Heimatvereins. Auf 120 Seiten bieten 6 Autoren eine bunte Mischung an Lesestoff, der informiert, Lebensbedingungen beschreibt, an behördliche Vorgaben erinnert, aber auch die früheren Einwohner lebendig werden lässt.

"Beim Taubnschuster" stellte Vorsitzender Karlheinz Keck in illustrer Runde den 42. Band der weit über die Grenzen der Stadt hinaus begehrten und beliebten Publikation vor, die mit 118 Bildern illustriert ist. Dabei ließ er auch die Autoren zu Wort kommen.

Circa die Hälfte des Inhalts stammt aus der Feder von Hans Ott. Allein auf 20 Seiten befasst er sich mit der Prinzregentenzeit in Eschenbach (1886 bis 1913), die von zahlreichen Veränderungen geprägt war. Er geht ein auf Parteien, Wahlverhalten, ein Komplott gegen einen Bürgermeister und Volkszählungen und berichtet gar von einem städtischen Maulwurffänger, zehn Geboten für Badende sowie von einem Mord durch ledige Dienstknechte, die dafür zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt wurden.

Eingehend widmet sich Ott auch dem Bau der Wasserleitung, der Verhinderung der Kanalisation, der Pflasterung und der Elektrifizierung der Stadt sowie den Kirchen und Vereinen. Auf weiteren 12 Seiten ist er den „vermissten Weihern“ der Stadt Eschenbach auf der Spur, deren Ursprünge bis ins 15. Jahrhundert zurückreichen: wie Beerschmidtweiher, Fleischmannsweiher, Frühmessweiher, "Gocksweyerl", "Hummelweyerl", "Rothweyer", Saalweiher, Schreglweiher und "Wullenweiher", aber auch Fürstenweiher und Schlüsselweiher.

Unter dem Titel „Daham is daham“ berichtet Ott über die Regelungen zum Heimat- und Bürgerrecht im 19. Jahrhundert, als noch zwischen beiden sowie zwischen Einwohnern und Bürgern unterschieden wurde. Regionale Beispiele dienen ihm dazu, die damalige Praxis der Kommunen zu verdeutlichen.

Der Name des Wohngebiets „Am Kalkofen“ ist ein Nachweis dafür, dass in Eschenbach einst Kalk gebrannt wurde. In seinem Beitrag „Kalköfen in Eschenbach“ blickt der Heimatforscher zurück bis ins Jahr 1453, als es in einem Wechselbrief (Tauschbrief) „umb eines auf den Khalchhöffen gelegenen Ackers ob des Schindler Georg Wies“ geht. Darin bezieht er sich auch auf Bauanträge im Staatsarchiv Amberg, mit denen 1866 zwei weitere Kalköfen beantragt wurden, und zitiert Eschenbacher, die sich daran erinnern, dass die Gaststätte "Obersee“ früher „Zum Kalkofen“ geheißen hatte. Kindheitserinnerungen prägen einen weiteren Beitrag Otts: „Meine fünfziger Jahre“ schildert das Alltagsleben aus kindlicher Sicht und lässt das damalige Geschäftsleben lebendig werden.

Die Aufgaben und Tätigkeiten der sogenannten Wasenmeister greift Ott in dem Artikel „Von der Abdeckerei zum Gasthof“ auf. „1748 wird die Wasenmeysterei in Süßenweiher zum ersten Mal erwähnt“, berichtet er. Wer diesen Beruf ausübte, hatte die Aufgabe, Tierkadaver zu entsorgen, wurde gering geachtet und musste - wie die Henker oder andere „unehrliche Berufe“ - untereinander heiraten.

Der Häusergeschichte des "unteren Hofes" in Kleinkotzenreuth gehen Albert Furtner und Kornelia Götz nach. „Die Brüder Cunz Trautenberger zum Judenhof und Andreas Trautenberger zu Seidwitz bestätigen, dass sie die Einnahmen ihres Hofes in Kleinkotzenreuth, der ein freies Lehen ist und den sie Cunz Wagner zur Bewirtschaftung übertragen haben, dem Gotteshaus zu Eschenbach der heiligen Märtyer St. Lorenz und St. Stephan schenken“, zitieren sie aus einem Lehensbrief von 1459.

In einer 18-seitigen Hommage widmet sich Bernd Thurn dem Leben und Wirken von Max Josef Söllner aus Pechhof bei Schwarzenbach, der Stadtpfarrer von Eschenbach (1885 bis 1892) und Weiden (1892 bis 1919) sowie Erbauer der Kirche St. Josef in Weiden war. Er geht darin ein auf die Geschichte von Schwarzenbach und Pechhof, auf die Biografie von Söllner und auf die Situation in Eschenbach gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Thurn beschreibt die Pfarrei, den damaligen Pfarrhof - „eine ungesunde, elende Hütte“-, die Erweiterung der Pfarrkirche und Söllners Wirken in Weiden.

Nach einer Rückschau auf die Ausstellung „Mit innigsten Grüßen! Alte Postkarten aus dem Städtedreieck“ stellen Hermann Dietl und Karlheinz Keck einen „Brief aus Speinshart“ vor, in dem es um die Versteigerung des Klosters sowie um einen Bäcker und Amtsrichter geht. Dritter Bürgermeister Klaus Lehl bescheinigte den Autoren bei der Präsentation zeitaufwändige Hintergrundrecherchen und maß dem Heft große Bedeutung als Nachschlagewerk bei.

Zu erhalten ist „Heimat Eschenbach 2019“ zum Preis von 8,50 Euro in der Stadtapotheke und im Museum "beim Taubnschuster" sowie in der Buchhandlung Bodner in Pressath.

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