02.05.2019 - 15:05 Uhr
EschenbachOberpfalz

Mit ein wenig Mut Freunde gewonnen

"Es war 1969 schon etwas Außergewöhnliches, in den Ostblock zu reisen und ein slowakisches Gymnasium zu besuchen." Anton Schwemmer, damals Gymnasiast in Eschenbach, erinnert sich gut an den Beginn des Schüleraustausches mit Bratislava.

von Stefan NeidlProfil

Dies erforderte viel Mut von dem 19-jährigen Eschenbacher. "Wir wussten ja nicht, was auf uns zukommt, und ob das Ganze auch gut geht." Schwemmer saß dem 1968 gegründeten Arbeitskreis "spectrum" am Gymnasium Eschenbach vor. "Wir wollten außerschulisch politisch aktiv sein, haben diskutiert, kritisiert. Oft waren wir voreilig, oder uns fehlte das Basiswissen. Aber wir waren nicht nur Nörgler. Wir haben dazu gelernt und wollten was erreichen."

Über die Universität Regensburg wurden Beziehungen zu einer Schule in Bratislava hergestellt. "Für uns war es eine Herausforderung zu zeigen: Ein Schüleraustausch ist nicht nur mit dem Westen, sondern auch im Osten möglich", erläutert der ehemalige Schulleiter des Elly-Heuss-Gymnasiums in Weiden. "Unser Arbeitskreis hat dann Verbindung aufgenommen, erste Kontakte wurden geknüpft." Die damalige Schulleitung habe das anfangs belächelt: "Gestemmt haben wir das alles ganz alleine. Dass da wirklich was draus wird, hat wohl keiner erwartet."

Die Welt war damals im Umbruch. "Es war die Zeit des Prager Frühlings. Die politische Lage entspannte sich. Vieles schien möglich", blickt Schwemmer zurück. Und so machten er und sein Mitschüler Eberhard Schnödt sich in den Pfingstferien 1969 auf den Weg zur tschechoslowakischen Botschaft in Wien, um ein Visum zu bekommen: "Trotz der Entspannung der Lage mussten wir uns überwinden, in den Ostblock zu reisen. Es wusste keiner, wie es dort ablaufen wird oder was auf uns zukommt."

Der Besuch in Bratislava verlief jedoch problemlos. Schwemmer und Schnödt wurde die Stadt gezeigt, Freundschaften wurden geschlossen. Die Chemie passte, und so waren die Weichen für das Austauschprogramm gestellt.

Im August 1969 besuchten dann 28 junge Slowaken die Stadt Eschenbach. Das Aufsehen war groß: Viele Einladungen und Reisen waren im engen Programm erfasst. Nicht alle fanden den von Schülern organisierten Austausch gut. In den Zeiten des Kalten Krieges war das Projekt politisch diskutiert worden. "Viele zweifelten, ob denn ein paar Schüler die richtigen Botschafter für eine Freundschaft zwischen Ost und West waren", berichtet Schwemmer.

Dem erfolgreichen Besuch der Slowaken folgte im Dezember 1969 und Januar 1970 der Gegenbesuch der Eschenacher. Es sollte der letzte persönliche Kontakt auf Jahrzehnte bleiben: Die politische Atmosphäre kühlte sich wieder ab, der Eiserne Vorhang wurde wieder dichter. Die kommunistische Führung der Tschechoslowakei verbot eine Fortsetzung des gerade erst "geborenen" Austauschprogrammes.

"Aber persönliche und tiefe Freundschaften waren geschlossen, und daran konnte auch die Politik nichts ändern", merkt Schwemmer an. Immer wieder gab es Einzelbesuche und regelmäßigen Briefverkehr. Der Zusammenbruch des Ostblocks ermöglichte im Sommer 1990 ein großes Wiedersehensfest in Bratislava: "Dort wurde der Grundstein für eine Wiederaufnahme des Schüleraustauschprogrammes gelegt."

Nach 21 Jahren Pause begrüßte Anton Schwemmer, mittlerweile selbst Lehrer am Gymnasium in Eschenbach, zusammen mit Schulleiter Walter Kandsberger im Mai 1991 erneut Gäste aus der Slowakei: Dr. Vladimir Jodas, der Schulleiter des Jura-Hronca-Gymnasiums, begleitete selbst seine Schüler in die Oberpfalz. "Erneut war uns die Aufmerksamkeit gewiss: Zeitung, Radio und Fernsehen verfolgten den Schüleraustausch intensiv", sagt Schwemmer. Seitdem wird das Austauschprogramm gehegt und gepflegt: Das Gymnasium Eschenbach ist stolz auf dessen Geschichte und wünscht sich noch eine lange Zukunft.

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