18.01.2019 - 14:28 Uhr
EschenbachOberpfalz

Zeit vor 100 Jahren lässt grüßen

"Mit den innigsten Grüßen - Alte Postkarten aus dem Städtedreieck": Die sogenannte "gute alte Zeit" wird am Donnerstag im "Taubnschuster" kommentarreich wach geküsst. 70 großformatige Bilder, überwiegend von vor 100 Jahren, sind zu sehen.

Mit Saitenklängen begleitet das Duo Hollmer die Eröffnung der neuen „Taubnschuster“-Ausstellung durch Karlheinz Keck.
von Walther HermannProfil

Heimelige Klänge begleiteten die Auftaktveranstaltung zum Jubiläumsjahr des Heimatvereins. Mit Zither und Hackbrett eröffnete die "Eschenbacher Tobi-Reiser-Musi" mit Helmut und Sieglinde Hollmer den visuellen Spaziergang durch Orte des Vierstädtedreiecks - vor etwa einem Jahrhundert.

"Wir haben in unserem Fundus gekramt und zirka 70 alte Karten herausgezogen, die die Vergangenheit der größeren Orte im westlichen Teil unseres Landkreises, zumindest was das Erscheinungsbild betrifft, ganz gut dokumentieren können", erzählte Karlheinz Keck einer illustren Gästerunde. Neben den Bürgermeistern Peter Lehr und Klaus Lehl mit zahlreichen Stadträten hieß er auch die Kreisheimatpfleger Eleonore Böhm (Grafenwöhr) und Hannes Oberndorfer (Eschenbach) willkommen und verwies auf ein enges Beziehungsgeflecht auf politischer, wirtschaftlicher und kultureller Ebene im Städtedreieck. Auch bei heimatgeschichtlicher Betrachtungsweise könne es daher nicht schaden, "etwas über den eigenen Kirchturm hinaus zu blicken".

Kurze Texte, schöne Bilder

Der Vorsitzende des Heimatvereins sprach von guten Kontakten zu den benachbarten Heimatvereinen und versicherte: "Wir verfolgen interessiert gegenseitig die jeweiligen Aktivitäten." Als erstrebenswertes Ziel nannte er daher eine "Zusammenarbeit in der Vielfalt" und regte ein gemeinsames Projekt an, wie beispielsweise eine "Museumsnacht" mit einem Buspendelverkehr zwischen den beteiligten Orten. Keck rief dazu auf, die jetzige Postkartenschau, die in der Vorbereitung mit Bernd Thurn viel Freude bereitet hat, als einen ersten Schritt dazu zu verstehen.

Gleiches bescheinigte er der vorausgegangenen Ausstellung "Im Wirtshaus - Historische Gaststätten im Eschenbacher Land", die, wie ihm in den vergangenen Wochen aufgefallen ist, noch nachwirkt. Er verwies auf die sich häufenden Medienberichte über alte Wirtshäuser und das Wirtshaussterben. Berechtigtes Eigenlob klang mit, als er anmerkte: "Vielleicht haben wir ein bisschen dazu beigetragen, dass man sich der Problematik mit der sterbenden bayerischen Wirtshauskultur so richtig bewusst wird."

Mit Blick auf die neue Postkarten-Ausstellung befand er neben den "schönen Bildern" auch die kurzen Texte, die auf manchen der Karten zu finden sind, als interessant. "Menschliches, allzu Menschliches, aber auch die Zeitläufe kann man da entdecken", versicherte er und weckte damit Interesse. Mit einigen Beispielen zitierte er aus den Begleittexten. Soldatenkarten waren für ihn ein Beweis, dass es Aktivitäten in der hiesigen Region bereits vor dem Übungsplatz gegeben hat und "Soldaten, die hier einquartiert waren, per Post mit der Heimat korrespondierten". So schrieb ein Soldat am 3. September 1900 um 18.20 Uhr an seine "Liebe Hanni, heute Morgen haben wir einen sehr schönen aber langen Marsch um den Rauhen Kulm gemacht. Eine herrliche Gegend, liebenswürdige Leut und vorzügliches Quartier bei Herrn Bezirksarzt Dr. Reuschel".

Erheiternd wirkte ein weiterer Text auf einer Karte, die 1908 bei Johann Zechmeier gekauft worden war: "Wohlgeboren Fräulein Rupprecht. Hast du meinen Brief nicht erhalten? Wo bleibt die Antwort? Bitte schreibe bald, ich habe Zeitlang. Viele Grüße ... PS. Für die Marke kein Platz. Ich hab dir viel zu erzählen. Komme bald." Keck wartete auch mit Nachrichten aus dem Jahr 1915 auf. So erfuhr eine "Liebe Theres" in der "Parißer Straße" in München "Wir sind mit unserer Truppenfahrt nach dem Übungsplatz Grafenwöhr glücklich angekommen. Ist kolosal weit bis dahin" und der Frau "Zinngießermeistersgattin in Pfeffenhausen bei Landshut" wurde mitgeteilt: "Sind nach 12 stündiger Fahrt an diesem Platz angekommen."

"Wohne mitten im Wald..."

Nach dem Zweiten Weltkrieg hatten Berliner das Eschenbacher Land entdeckt und Urlaubsgrüße versandt. Einer von ihnen, untergebracht in Haselmühle bei Kirchenthumbach, schrieb am 10.8.1955: "Bin hier nach 10stündiger Busfahrt gelandet. Wohne mitten im Wald bei Privatleuten. Das Essen ist sehr gut ... Mein Magen macht mir zu schaffen."

Für das Jahr "25 Jahre Taubnschuster" kündigte Keck auch Konzerte, eine Musikkomödie, Zoiglabende, Mundarttage und weitere Ausstellungen an. Bürgermeister Peter Lehr zeigte sich überzeugt, dass sich die kommunale Taubnschuster-Investition gelohnt hat und man sich in Eschenbach um Kultur- und Heimatpflege keine Sorgen machen müsse.

Er blickte auch zurück auf die ersten "Correspondenzkarten" im Jahr 1870, denen bald illustrierte Postkarten folgten, und unternahm einen Ausflug ins Nachbarland, wo die älteste bekannte österreichisch-ungarische Karte am 19. Mai 1871 in Wien versandt wurde. ___Die Ausstellung ist noch bis 15. April mittwochs von 15 bis 17 Uhr und sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

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