22.11.2018 - 17:06 Uhr
EschenbachOberpfalz

Zitterpappeln als Leibspeise

"Hier darf und soll der Biber arbeiten." In einem Areal nahe der Creußenaue stellt Martin Gottsche dem Nager diesen Freibrief aus. Das Projekt der integrativen Waldbewirtschaftung ist eine Station der Stadträte bei der Waldbegehung.

Im Stadtwald werden dem Biber Zitterpappeln für sein Tun vergönnt. Und die Tiere – zehn an der Zahl – leisten ganze Arbeit, wie die Stadträte bei der jährlichen Waldbegehung sehen.
von Walther HermannProfil

Die Überraschung im Gremium blieb nicht aus. Circa 40 Zentimeter starke Laubbäume lagen kreuz und quer auf dem Waldboden. Die für den Biber typischen kegelförmigen Nagespuren gaben zu erkennen, dass hier nicht der Maschinenring tätig gewesen war. "Wir haben diese Ecke bewusst so belassen", versicherte Martin Gottsche: "Hier darf der Biber werkeln und sich an den Zitterpappeln ergötzen."

Der Forstmann sprach von "mehr als zehn hier tätigen Bibern" und informierte über das Förderprogramm "Vertragsnaturholz", das für stehendes und liegendes Totholz Mittel bereitstellt. Beim Verkauf würden Pappeln ohnehin nur zu Palettenholz verarbeitet.

"Seit März im Trockenen"

Besondere Aufmerksamkeit weckte ein "Opferbaum" des Bibers, der vor längerer Zeit von einem Blitz getroffen und dann vermutlich durch Kleinlebewesen oberhalb des Wurzelbereiches ausgehöhlt worden war. Im Gegensatz zu umstehenden Bäumen hat der Biber hier leichte Arbeit. Nicht verwunderlich ist daher das Vorhaben einiger Stadträte, in einigen Tagen nach dem weiteren Schicksal der Pappel zu sehen.

"Seit März fehlen uns Niederschläge." Mit dieser Anmerkung griff Gottsche ein allseits bekanntes Problem auf. Nicht nur bei Fichten, die wegen Borkenkäferbefall entnommen werden müssen, auch bei Kiefern und sogar bei Laubbäumen zeigen sich zunehmend Probleme. "Die Bäume stehen seit März im Trockenen", beklagte der Forstamtsrat und wies auf ein negatives Grundwasserbild bis in 10 bis 12 Meter Tiefe hin. Da nur etwa 300 Liter statt - wie normal - 650 Liter Niederschlag pro Quadratmeter gefallen sind, sagte er eine lange "Auffülldauer" voraus. Seit 2003 sei ein Rückgang der Niederschläge zu beobachten, merkte er an: "Aber heuer ist es brutal."

Nach Anpflanzungen im Zuge des naturnahen Waldumbaus befragt, erfuhr das Gremium nur Negatives. "50 bis 70 Prozent der Anpflanzungen im Herbst und Frühjahr sind ausgefallen, vertrocknet", teilte Gottsche mit. Als Grund dafür nannte er deutlich höhere Temperaturen und extrem wenig Niederschläge. Auf die Frage "Wie geht es weiter?" antwortete er leicht resignierend: "Wenn jetzt Frost kommt, verschlimmert sich die Situation beängstigend."

Eventuell neuer Tiefbrunnen

"Wir leben bereits mitten im Klimawandel", machte der Betreuer des Eschenbacher Stadtwalds deutlich. "Da mit den angestammten Baumarten wenig Hoffnung besteht, versuchen wir mit neuen Baumarten den Waldbestand zu sichern." Dazu zählte er auch Zirbelkiefern und serbische Fichten. Die Situation im Wald beschrieb Gottsche als "Katastrophenbewirtschaftung". Zum Thema "Wasser" sprach Bürgermeister Peter Lehr von Überlegungen zum Bau eines neuen Tiefbrunnens "bei weiterer Zunahme der Abnahmemengen".

Die nächste Station der Waldbegehung war eine etwa sechs Hektar große "Kyrill-Nachfolgefläche". Auf dem früher reinen Fichtenbestand wurde eine Naturverjüngung mit Fichten, Aspen, Eichen, Erlen und Birkensamen vorangetrieben. In elf Jahren hatte sich "ordentlicher Wildwuchs" entwickelt, der jetzt vier Rückegassen erhalten hat. Die Stadträte erfuhren von einer deutlichen Förderung der nun anstehenden Jungholzpflege und dem Tätigwerden von Selbstwerbern mit "Freistellungsaufträgen" bei Konzentration auf Z-Stämme (Zukunftsstämme).

Die im Waldboden erkennbaren Spuren von Schwarzwild schrieb Gottsche "Stammwild" zu, das massive Schäden verursache. Versuche zu dessen Reduzierung nannte er "jagdlich anstrengend". Er hegte die Hoffnung, dass es in der Region zu keinem Ausbrechen der afrikanischen Schweinepest kommen werde: "Sonst wird uns einiges blühen." Nach Tschechien seien auch in Belgien bereits erste Fälle bekannt.

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