10.02.2020 - 10:04 Uhr
EslarnOberpfalz

16 Landwirte sorgen für Strom und Wärme

Durch einen neuen Motor kann die Gemeinschaftsbiogasanlage in Thomasgschieß bedarfsgerecht Wärme für zahlreiche öffentliche und private Anwesen liefern.

Enorme Resonanz fand die Einladung zur Besichtigung der Biogasanlage in Thomasgschieß.
von Karl ZieglerProfil

Damit es im Rathaus und vielen öffentlichen Gebäuden in Eslarn angenehm warm wird und die Gemeindekasse einiges an Energiekosten einsparen kann, dafür sorgen 16 Energiebauern um CSU-Bürgermeisterkandidat Thomas Kleber. Die Biogasbauern investierten 2019 in einen neuen Flex-Motor und in eine Trocknungsanlage für Brennholz, Hackschnitzel und Getreide und planen 2020/21 einen neuen Güllebehälter, um der erforderlichen Lagerkapazität der neuen Düngeverordnung gerecht zu werden.

Zur Besichtigung der Biogasanlage waren der 31-jährige Europaabgeordnete Christian Doleschal, einige Kreis- und Markträte, Marktratskandidaten der CSU, eine Abordnung der Freien Wähler und interessierte Bürger gekommen. Durch den Betrieb führten die Energiebauern Kleber und Michael Rückerl. Wegen der immer schwieriger werdenden Lage für die Bauern und des Preisverfalls für landwirtschaftliche Produkte wollten 16 Landwirte 2011 mit dem Bau einer Biogasanlage in Thomasgschieß ein Zeichen setzen und gründeten eine GmbH & Co KG.

In Thomasgschieß wurden 6 Millionen Euro in den Bau einer Biogasanlage und ins Wärmenetz Eslarn rund 750.000 Euro investiert. Laut Rückerl rechnen sich die hohen Investitionen erst nach 20 Jahren. Nach Eslarn musste eine 4,5 Kilometer lange Biogasleitung verlegt, im Gemeindebauhof ein Betriebsgebäude errichtet und darin ein leistungsstarker Motor installiert werden. Weitere Kosten entstanden 2019 durch die Tieferlegung der Leitung auf 200 Metern im Zusammenhang mit dem Ausbau der Staatsstraße. Mit 2,5 Millionen Kilowatt (KW) Wärme aus Thomasgschieß werden in Eslarn das Rathaus mit Bauhof, Schulhaus, Feuerwehrhaus, der Kindergarten, das Pfarrheim mit Pfarrhaus, die alte und neue Turnhalle, das Gästehaus und Kommunbrauhaus, die Senioreneinrichtung „K&S Lebenswelten“ und das Betreute Wohnheim der Familie Hammerl, sowie weitere direkt an der Leitung liegende 20 Privatanwesen versorgt. Für sieben Anwesen und die Trocknungsanlage stehen in Thomasgschieß weitere 2,6 Millionen KW Biowärme zur Verfügung. „Durch die Biogaswärme können wir insgesamt 510.000 Liter Heizöl einsparen“ fügte Rückerl an. Zudem liefern die Energiebauern 6 Millionen KW Strom an den Stromanbieter. „Damit könnten wir rund 1800 Haushalte heizen.“ Zusammen mit den erzeugten Strom aus den örtlichen Photovoltaik- und Wasserkraftanlagen könnte sich Eslarn mit Strom selbst versorgen. „Die Wärmelieferung ist über Winter ausgelastet, über Sommer wären Kapazitäten noch frei“, informierte Kleber den Europa-Abgeordneten Doleschal. Seit 2019 wird in einer neu gebauten Trocknungsanlage Brennholz, Hackschnitzel, Getreide und sogar Heu getrocknet.

Eine Biogasanlage muss mindestens 30 Prozent Gülle oder Mist einsetzen, um den Bonus nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) für Vergärung von Gülle zu bekommen. Gefüttert wird die Gemeinschafts-Biogasanlage von 16 Landwirten mit 30 Prozent Gülle, 30 Prozent Mais, 20 Prozent Gras und 20 Prozent Ganzpflanzensilage. „Das vergorene Substrat aus Gülle und Futter ist wertvoller biologischer Dünger und spart etwa 300 Tonnen Mineraldünger (Kunstdünger)“ stellte Landwirt Thomas Kleber fest. Durch das Vergären der Gülle stinkt diese nicht mehr so und kann bedenkenlos auf die Felder aufgebrachte werden. „So kommt aufs Feld, was vom Feld kam.“ Die Energiebauern bewirtschaften rund 1100 Hektar, wobei nur ein Drittel der Anbauflächen für die Biogasanlage bestellt werden. Im Zusammenhang mit der Flexprämie und der direkten Vermarktung an die Strombörse installierten die Energiebauern 2019 zusätzlich einen neuen Motor, mit dem bei Bedarf der Anteil der Stromproduktion erhöht und die erneuerbare Energie bedarfsgerecht geliefert werden kann. „Durch das Regeln von Mehr- oder Wenigerbedarf wird erneuerbare Energie optimal genutzt“ beschreibt Kleber. Bereits geplant ist für 2020/21 ein neuer Güllebehälter, um der vorgeschriebenen 9-monatigen Lagerkapazität der neuen Düngeverordnung gerecht zu werden.

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