04.01.2021 - 12:07 Uhr
EslarnOberpfalz

Brandunglück im Jubiläumsjahr

Wer mit offenen Augen von Eslarn in Richtung Moosbach unterwegs ist, dem fallen kurz nach der Marktgemeinde mehrere Hallen auf. Die erste Kartoffelhalle wurde vor 50 Jahren erbaut. Im November trübt ein Großbrand das Jubeljahr.

Geschäftsführer Markus Stahl gratulierte Josef Kleber mit Urkunde zum 25. Jubiläum als Lagerhalter und dankte Ehefrau Maria Kleber für die Unterstützung.
von Karl ZieglerProfil

Nach der ersten Kartoffellagerhalle, die 1970 eingeweiht wurde, entstanden in den folgenden Jahren zur Einlagerung der Oberpfälzer Qualitätskartoffel weitere drei Hallen. Seit 25 Jahren sorgt Lagerhalter Josef Kleber dort für einen reibungslosen Ablauf.

Die Idee zum Bau einer Kartoffellagerhalle entstand beim Besuch einer Chipsfabrik in Neunburg vorm Wald. Bereits am 8. Dezember 1969 gründeten Landwirte in der Brauereigaststätte Bauriedl die Erzeugergemeinschaft (EG) und wählten Georg Ebnet aus Thomasgschieß zum Vorsitzenden, Josef Zielbauer (Heumaden) und Johann Völkl (Burgtreswitz) zum seinen Stellvertretern. Dem Aufsichtsrat gehörten Vorsitzender Karl Bauriedl und Stellvertreter Franz Rupprecht aus Eslarn sowie Johann Wallner (Grünhammer), Hermann Kleber (Spielhof), Michael Feil (Ragenwies) und Johann Voit (Oberaltmannsrieth) an. Der Genossenschaft traten 54 Landwirte mit 170 Anteilen bei.

Einer der Urheber war der damalige Benefiziat Josef Schart, der von 1967 bis 1972 in Eslarn wirkte und die ersten Kontakte zur Firma Flessner nach Neunburg vorm Wald knüpfte. Kräftige Unterstützung bei der Umsetzung leisteten der Landtagsabgeordnete Franz Weig, Bürgermeister Ludwig Landgraf und vor allem der damalige Geschäftsführer Wilhelm Kleber von der Raiffeisenbank Eslarn, der sich als fachkundiger Financier um die Zuschüsse und Finanzierung kümmerte.

Kooperation mit Chipsproduzenten

Die für den Bau notwendige Gesamtfläche von 1,31 Hektar stellten am "Brennerweiher" die Eslarner Landwirte Johann Kleber, Josef Frischholz und Josef Forster zur Verfügung. Die Grundlage für die Investitionen bildete 1970 der Vertragsabschluss mit der Flessner KG in Neunburg, die bereits 1968 eine der modernsten Chipsproduktionsstätten Europas war und eng mit der Familie Bahlsen zusammenarbeitete. Die Einweihung der Kartoffellagerhalle erfolgte am 12. November 1970 durch Benefiziat Schart. Die Baukosten beliefen sich auf 930.000 Mark, wobei das Bayerische Landwirtschaftsministerium einen Zuschuss von 40 Prozent gewährte.

Nachdem die notwendigen 5346 Kartoffelkisten von der Firma Balk aus Kleinschwand gefertigt waren, konnten 49 Landwirte insgesamt 2500 Tonnen "Erdäpfel" einlagern. Weitere Kapazitäten führten 1973 zum Bau einer Vorhalle und 1978 zur Aufstockung des Lagers auf 6500 Kisten, die ein Lagervolumen von 3600 Tonnen bedeuteten. Im Jahr 1983 folgte unter Aufsichtsratsvorsitzenden Franz Rupprecht für weitere 500 Tonnen eine zweite Halle, die 129.417 Mark (Zuschuss 14.000 Mark) kostete. Weitere Ausgaben wurden für Isolierungen, Ankauf eines Förderbandes und Gabelstaplers und für die Teerung des Vorplatzes fällig.

Großbrand in Kartoffellagerhalle

Eslarn

Die Firma Flessner stellte für einen Stundenlohn von 5 Mark Staplerfahrer Georg Forster aus Putzenrieth an. Nach 17 Jahren im Aufsichtsrat folgte auf Vorsitzenden Rupprecht Johann Voit. Lagerhalter wurde Josef Zielbauer aus Heumaden. Nach 21 Jahren übergab Gründervorsitzender Georg Ebnet, der Ehrenvorstand wurde, den Vorsitz an Josef Lang aus Spielhof ab. Mit einer Gesamtinvestition von 638.734 Mark folgte 1990 eine Hallenerweiterung und der Einbau einer Waage. Unter dem neuen Aufsichtsratsvorsitzenden Johann Zimmermann konnte für 35.822,74 Mark eine Sortieranlage und Absackvorrichtung zur Kartoffellagerung angeschafft werden. Durch den Bau einer dritten Halle für 2200 Tonnen loser Lagerung nahm Eslarn bei der Kartoffellieferung stets eine Vorreiterrolle ein, so dass das Einlagerungsvolumen 1997 von 5888 Tonnen um 42 Prozent auf 7958 Tonnen anwachsen konnte. Durch die zusätzliche Lieferung nach Italien ist die EG auch ein Exportweltmeister.

Zum 25-jährigen Gründungsjubiläum übernahm Josef Kleber, der seinen Vorgänger bereits Jahre zuvor unterstützt hatte, die Aufgaben eines Lagerhalters. 1997 ging das Amt des Vorstandsvorsitzenden an Johann Hanauer. Die Tätigkeiten von Geschäftsführer Wilhelm Kleber übernahm nach 28 Jahren für ein halbes Jahr Manfred Klug und in den Jahren bis heute Franz Schön. Zu Änderungen kam es auch beim Vertragspartner Flessner durch den Einstieg der Lorenz-Bahlsen-Snack-Gruppe. Eine Vertragsaufstockung machte 2002 den Bau einer weiteren Lagerhalle für 2500 Tonnen Kartoffeln mit Kühlungsmöglichkeit und neuer Einlagerungstechnik mit einem Kostenvolumen von 540.000 Mark (Zuschuss 100.000) erforderlich. Die Genossenschaft bestand 2009 aus 32 aktiven Anbauern mit 532 Anteilen, wobei 17 Landwirte aus Moosbach 308, 8 aus Eslarn 87, 3 aus Waidhaus 74, 2 aus Vohenstrauß 33 und jeweils 1 aus Oberviechtach 9 und Pleystein 21 Anteile zeichnen. Die EG bereichern zudem weitere 12 passive Mitglieder. Auf einer Gesamtfläche von 260 Hektar werden 9000 Tonnen Kartoffel angebaut.

Dank an Josef Kleber

Im Rahmen eines Ehrenabends 2019 erhielt der langjährige Vorsitzende Hans Hanauer die silberne Ehrennadel, eine der höchsten Auszeichnungen des Genossenschaftsverbandes Bayern. Im Sommer 2020 wollte die EG das 50-jährige Bestehen und das 25-jährige Arbeitsjubiläum von Lagerhalter Josef Kleber feiern. Die Corona-Pandemie machte eine Verlegung ins Jahr 2021 notwendig. Geschäftsführer Markus Stahl organisierte an den Kartoffellagerhallen eine coronakonforme "Partner-Ehrung" und dankte Kleber für 25-jährige Tätigkeit. Den Eslarner, der seit über vier Jahrzehnten der Feuerwehr angehört, beschreibt Stahl als zuverlässigen Menschen, der ein "Lagerhalter mit Herzblut ist", nicht auf die Stunden schaut und auch an Wochenenden abrufbereit seine Arbeit erledigt.

Die Ehrung nahm Stahl zum Anlass, um den über 180 Einsatzkräften der Feuerwehren aus der Region und Eslarn für ihren Einsatz zu danken. Ein Großbrand hatte am Allerseelentag im November Teile der Lagerhallen und rund 6000 Tonnen Kartoffeln vernichtet. Inwieweit 2021 die Jubelfeier nachgeholt werden kann, bleibe abzuwarten, und auch sonst werden die kommenden Jahre für die Erzeugergemeinschaft durch den Wiederaufbau sicherlich nicht leicht werden.

Anlieferung der Kartoffeln durch die Landwirte 2001 vor dem Bau der Halle 4.
Die Halle 4 wurde 2002 fertiggestellt (vorne links).
Hintergrund:

Geschichte der Erzeugergenossenschaft

  • 1969 Gründungsversammlung mit 54 Mitgliedern
  • 1970 Einweihung Kartoffellagerhalle 1, Baukosten 930.000 DM, 49 Kartoffelanbauer lagern 2500 Tonnen ein
  • 1973 Erweiterung der Vorhalle
  • 1983 Anbau von Halle 2 als Unterstellhalle für 1000 Kisten, 500 Tonnen
  • 1991 Anbau von Halle 3 als Lagerhalle für lose Lagerung von 2200 Tonnen, Baukosten und Fahrzeugwaage 700.000 DM
  • 1995 25-jähriges Gründungsjubiläum, Josef Zielbauer scheidet als Lagerhalter aus und Josef Kleber wird ab 1.9. neuer Lagerhalter
  • 2002 Neubau des Lagers 4 als Kühllager für 2500 Tonnen, Kosten 540.000 Euro, Zuschuss 100.000 Euro
  • 2020 derzeit 32 aktive Anbauer mit einer Vertragsmenge von 9000 Tonnen Rohware

 

 

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