25.03.2020 - 11:44 Uhr
EslarnOberpfalz

Corona: Unternehmen "von der Krise gebeutelt"

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Firmen in der Grenzregion leiden besonders an den Auswirkungen des neuen Virus. Daran ist auch die jüngste Regelung aus Tschechien schuld, nach der Pendler das Nachbarland nicht mehr verlassen dürfen.

Blick in eine der Werkshallen von BaS Eslarn. Die Aufnahme entstand vor der Coronakrise.
von Thorsten Schreiber Kontakt Profil

Die BaS Kunststoffverarbeitung GmbH in Eslarn tut alles, was zum Schutz der Belegschaft notwendig ist, sagt Geschäftsführer Ludwig Bauriedl. Dazu gehören Sicherheitsabstand, drei Produktmanager sind im Homeoffice. Ein großes Problem ist allerdings, dass tschechische Mitarbeiter nicht mehr aus dem Nachbarland ausreisen dürfen. Von den 160 Beschäftigten kommen 52 aus der tschechischen Republik. "Wir haben einen Krisenstab gebildet, um das einigermaßen zu überbrücken. Wenn das aber drei oder vier Wochen dauert, dann haut es uns g'scheit rein", betont Bauriedl.

Für die tschechischen Kollegen habe er Kurzarbeit angemeldet. Kurzfristig Ersatz holen oder Leiharbeiter einstellen sei nicht geplant. Dafür hätten die deutschen Mitarbeiter angeboten, mehr zu leisten, damit die Aufträge erfüllt werden können. Dennoch sei für einen Ausweg aus der Krise mehr nötig: "Die Regierung muss sich dahinterklemmen, denn gerade im Grenzbereich werden dann einige Betriebe über den Jordan gehen."

Nicht ganz so schlimm ist die Situation bei der Voit Stefan GmbH in Waidhaus. Beim Hallenbauer arbeiten 70 Personen, davon 19 Tschechen. 13 von ihnen übernachten die kommenden Wochen auf deutscher Seite, die Kosten für die Hotelzimmer übernimmt das Unternehmen, sagt Inhaber Stefan Voit. "Wir haben das alles schon organisiert. Sechs Tschechen kann man kompensieren, außerdem arbeiten drei Leute seit drei Wochen im Homeoffice." Leiharbeiter seien eine Option. Nichtsdestotrotz ist der Betrieb "von der Krise gebeutelt, weil ein großer Auftragsbestand abzuarbeiten ist und die Kunden drängen". Voit habe bereits auf höhere Gewalt plädiert, trotzdem drohen Konventionalstrafen, falls Termine nicht eingehalten werden können. Wirtschaftliche Hilfe der Regierung soll nicht in Anspruch genommen werden - trotz geplanter Investitionen im siebenstelligen Bereich am Standort. "Das liegt nicht auf Eis sondern nur im Kühlfach."

Auch bei Leistritz in Pleystein gibt es einen Pandemie-Plan, erklärt Pressesprecherin Marija Perisic. Für alle Arbeitsplätze innerhalb des Betriebs, sowohl im Fertigungsbereich als auch bei den PC-Arbeitsplätzen, wurden verschiedene Maßnahmen eingeführt, um die Mitarbeiter bestmöglich in dieser besonderen Ausnahmesituation zu schützen: angefangen von der räumlichen Trennung bis hin zu Schichtsystemen und flexiblem, zeitversetztem Arbeiten. "Wir haben alle möglichen Schutzmaßnahmen durchgeführt. Es gibt auch beschränkten Zugang auf das Werksgelände für Lieferanten, dabei entsteht kein direkter Kontakt. Außerdem gibt es zusätzliche Desinfektionsmaßnahmen", betont Perisic. Wo es möglich ist, bleiben die Leute außerdem im Homeoffice. Von den knapp 330 Mitarbeitern arbeiten etwa 100 an Büroarbeitsplätzen. "Ein Drittel davon kann derzeit mobil von zu Hause aus arbeiten."

Nur ein Kollege ist Tscheche. Er wohnt unter der Woche in Pleystein, am Wochenende fährt er heim. "Aufgrund der Grenzschließung muss man seinen Fall gesondert betrachten." Die Beschäftigten im Pleysteiner Werk seien sehr verständnisvoll und zeigten trotz großer Einschnitte ins Arbeitsleben vorbildlichen Zusammenhalt. Noch gebe es keine Lieferengpässe, doch in der momentanen Situation können sich "die wirtschaftliche Entwicklung jeden Tag ändern".

Von den Firmen Kennametal mit dem Werk in Vohenstrauß sowie Schulte & Schmidt mit Fertigungsstätten in Flossenbürg und Vohenstrauß waren auch nach mehrmaliger Anfrage keine Stellungnahmen zu erhalten.

Auch Landwirte betroffen:

Rund 30 Landwirte im Landkreis Neustadt mit Feldern in Tschechien sind ebenfalls von der Regelung betroffen, schätzt Landtagsabgeordneter Stephan Oetzinger. Daher hat er Hannes Lachmann, Repräsentanz des Freistaats Bayern in der Tschechischen Republik, gebeten, die Grenzkontrollen und Einreisebeschränkungen zu prüfen. Dank einer Ausnahmegenehmigung dürfen Bauern auch auf der A6 fahren, der landwirtschaftliche Grenzverkehr scheint jedoch sehr umständlich zu sein. Hauptgrund dafür seien die komplett geschlossenen Grenzübergänge wie Tillyschanz bei Eslarn oder der alte Grenzübergang Waidhaus. "Hinzu kommt, dass die Anschlussstelle der Bundesautobahn A6 Waidhaus gesperrt ist, da hier alle LKWs durch die Schleuse fahren müssen." Landwirte sollten "auf kürzestem und damit schnellstem Weg zu ihren Feldern kommen und zurück. Somit ist die Gefahr, mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen, am geringsten", meint Oetzinger und hofft auf eine schnelle Entscheidung.

In Zusammenarbeit mit Bundestagsabgeordnetem Albert Rupprecht will er für die "klassischen tschechischen Pendler" außerdem auch eine Ausnahmeregelung erwirken. "Sie müssten mindestens drei Wochen hier bleiben und sich danach in Tschechien zwei Wochen in Quarantäne begeben." Für die Familien dort sei das eine große Belastung.

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